Lola kommt langsam n der neuen 'Lernumgebung' der Lindenwerkstätten an, wo sie gerade das Eingangsverfahren (EV) begonnen hat. Um zu schauen, ob der dortige Berufsbildungsbereich (BBB) und die Werkstatt für Menschen mit Behinderung (WfbM) der richtige Ort für sie sind - so zumindest das offizielle Ziel des Eingangsverfahrens.
Nachdem sie am ersten Tag Feuer und Flamme mit ihren Arbeitsklamotten in die Werkstatt ging, um direkt im Lindencafe in der Küche durchzustarten - so ihr Plan, waren die ersten Tage für sie doch etwas 'ernüchternd'.
Denn statt den Kochlöffel zu schwingen und hinter dem Herd zu stehen, lernte sich die neue sechsköpfige Ausbildungsgruppe erstmal in Ruhe kennen. Es galt Arbeits- und Brandschutzvorschriften kennen zu lernen, das Haus zu erkunden, alle Gruppen und die Namen der Gruppenleiter zu lernen. Und einiges an Papierkram zu erledigen. Was Lola zusehends frustrierte.
"Langweilig", sagte sie am Ende der ersten Woche. Und plante schon, wo sie nach ihrem zweijährigen BBB hinwechseln will.
Mitte der zweiten Woche versteckte sie sich beim Herbstfest erstmal eine Stunde in einer Besenkammer und war nicht mehr auffindbar.
Mein Mutterherz war in hellem Aufruhr. Denn nichts fällt mir schwerer, als Lola unglücklich zu sehen. War die Werkstatt dort doch nicht der richtige Ort für sie? War sie unterfordert? Oder von den vielen Leuten dort überfordert? Fehlten ihr Strukturen?
Es fiel mir schwer, ihren anfänglichen Frust auszuhalten - nach 12 langen Schuljahren in der bunten und heimeligen Waldorfschule, aus der sie (fast) immer strahlend zurückkehrte. Fieberhaft überlegte ich schon die verschiedensten Alternativszenarien.
Wie schwer es mir doch fällt, diesen Übergang und die damit einhergehenden Gefühle zu ertragen. Dass nicht immer alles gleich wunderbar ist und Lola begeistert.
Doch als sie Ende der letzten Woche über zwei Tage lang mit dem dem Hamet e+ auf ihre handwerklich-motorischen Basiskompetenzen getestet wurde, wurde sie zufriedener. Erst war sie zwar sehr frustriert, weil sie nicht alles super konnte (wie auch), aber schien sich dann doch ganz gut geschlagen zu haben. Am Freitag kam sie strahlend und stolz zurück nach Hause. "Super gelaufen", sagte sie. "Nur neun Fehler". Wo auch immer sie das her hatte.
Oft ist sie in solchen Test- oder Prüfungssituationen furchbar ehrgeizig, und frustriert, wenn sie nicht alles gut kann. Wollte auch in der Schule immer eine 1 haben. Aber nachdem sie verstanden hatte, dass sie mit dem 'Hamet' nur schauen wollten, welche Komptenzen sie schon gut entwickelt hat und dass sie nicht 'durchfallen' kann, entspannte sie sich. Aber immerhin, sie hatte etwas Konkretes zu tun und konnte sich beweisen.
Am gestrigen Montag ging sie dann zum ersten Mal wirklich vorfreudig 'zur Arbeit'. Sie scheint sich in der kleinen Gruppe immer wohler zu fühlen, mag ihre Bildungsbegleiterinnen und die Ergotherapie-Praktikantin sehr. Und hat auch zusehends Spass an den ersten kleineren Arbeiten im Gruppenraum. Eine Tasche bedrucken, einen Papierkorb aus Altpapier basteln (Up-Cycling), Pommes & Burger selber machen...
Auch die gemütlichen gemeinsamen Runden mit Kaffee / Tee und Gesprächen, beginnt sie zu mögen. Und so kam sie in den letzten beiden Tagen doch ganz fröhlich und zufrieden von 'der Arbeit' zurück. Und meine Mutterseele entspannte sich zusehends.
Dem Ankommen in der neuen Umgebung der Werkstatt und dem gegenseitigen Kennelernen wird dort im Eingangsverfahren doch sehr viel Raum gegeben. Was ich selber auch nicht so erwartet hatte.
Zum Glück hatte ich gestern noch ein kurzes Gespräch mit der Leiterin des Begleitenden Dienstes, die mir sehr nett und offen noch einiges über den weiteren Ablauf des BBB erklärte, wie auch berufliche Weiterentwicklungsmöglichkeiten über Praktika und den Übergang in den Arbeitsbereich nach den zwei Jahren. So dass ich langsam zu verstehen beginne, wie alles abläuft und mich in den neuen Lebens- und Arbeitsort von Lola hineinentspannen kann.
Ich werde weiter berichten :-)

































