In anderthalb Jahren macht Lola ihren Schulabschluss. Und schon länger steht die Frage im Raum, was sie später mal machen will. Wo sie arbeiten will.
Sängerin! Malerin! Sind Lolas Wünsche...
Oder vielleicht doch erstmal was 'Bodenständiges'? Ist die Idee der realistischen Mutter.
Vielleicht ja ein inklusiver Arbeitsplatz auf dem ersten Arbeitsmarkt?
Letzte Woche kam eine Dame vom Integrationsfachdienst (IFD), die Arbeits- und Praktikumsplätze auf dem ersten Arbeitsmakt vermitteln, zur Hospitation in Lolas Klasse. Ihr Feedback: aktuell schwer vorstellbar. Nachdem Lola sich im Werkstufenunterricht verweigert hatte, eine Zitronenpresse mit ihrer Schulkameradin zu teilen. Und kurz darauf für 20 Minuten auf der Toilette verschwand. "Das können die MitarbeiterInnen am Arbeitsplatz dort nicht leisten".
Lola hat oft leider sehr genaue Vorstellungen! Und ihr Durchhaltevermögen ist stimmungs- und tagesformabhängig. Die Einschätzung wunderte mich nicht.
Vielleicht doch erstmal was im 'geschützeren Bereich'? Ein Arbeitsplatz, wo sie Erfahrungen haben mit Menschen mit Lernschwierigkeiten? Gute überschaubare Strukturen bieten?
Vor zwei Jahren hat sie ein Betriebspraktikum in der Küche eines Kindergartens
gemacht hat, wo Menschen mit und ohne Beeinträchtigung gemeinsam
gearbeitet haben. In der Trägerschaft der Diakonischen
Unternehmensdienste. Das lief super.
Gemeinsam mit Lola überlege ich. Sie wollte doch mal Koch werden, im Restaurant arbeiten. "Ja, Café arbeiten!", ruft Lola.
Vielleicht wäre ja das Lindencafe was? Ein sehr schönes Stadtteilcafe in Lindenau, in dem Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam arbeiten. In Trägerschaft der Diakonie.
Tags drauf rufe ich an und frage, ob Lola dort vielleicht ein Betriebspraktikum machen könnte.
Vorgestern kam die Zusage. Ja, sie darf! Anfang Mai wird sie also für zwei Wochen im Lindencafé ein Praktikum machen, im Bereich Café und Catering. Und sie freut sich riesig. Und ich auch.
Denn als zukünftigen Arbeitsort könnte ich mir dieses schöne Cafe wirklich gut für sie vorstellen. Auch wenn unsere Berufsberaterin in der Schule meinte, ich solle doch lieber erstmal nach Perspektiven auf dem ersten Arbeitsmarkt schauen. Aber vielleicht gewinnt sie dort erstmal Arbeitserfahrungen. Und dann schauen wir weiter...