Montag, 21. September 2026

Sonntag im Bildermuseum

Am Sonntagnachmittag gehen wir fast immer zum Caracan, einer spanischen Bar mit Freisitz im Leipziger Auwald. Doch angesichts des Dauerregens, war Lola gestern ganz und gar nicht begeistert von dieser Idee. 

"Will Schwimmbad gehen", sagte sie. Aber mir war fröstelig. 

"Vielleicht mal wieder ins Museum?", fragte ich vorsichtig. Denn in den letzten Monaten war das ein absolutes No-Go für sie. 

"Museum, aber nur mit Bildern".

Ja klar, was sonst, dachte ich. "Vielleicht ins Bildermuseum?, fragte ich. Und zu meiner grossen Überraschung hatte sie sofort Lust. 

Immerhin waren wir dort einmal zusammen bei der Ausstellung der mexikanischen Künstlerin Olga Costa, deren Bilder Lola begeistert hatten. Stundenlang hatte sie vor deren farbenfrohen Bildern gestanden und sich gar nicht satt sehen können. Wohingegen die hochgelobte Rembrandt Ausstellung sie eher gelangweilt hatte. 



Ich selber mag die Ausstellung alter DDR-Künstler:innen im Rahmen von Bilderkosmos # 3 im Bildermuseum (MdbK) sehr und dachte, dass ihr das vielleicht auch gefallen könnte. Also abgemacht, um 15 Uhr ging es los. Mit Regenklamotten sicher eingepackt, auf zum Kulturausflug. 

 Doch leider sagten ihr die meisten Bilder ganz und gar nicht zu. 

 

Einzig und alleine Bilder mit geometrischen Formen, so wie Hermann Glöckners 'Verklammerung' mochte sie sehr. Und einige Landschaftsbilder, u.a. der 'Schule von Barbizon'. 


Auch einige Skulpturen fand sie ganz spannend. Aber ansonsten erweckte Weniges ihre Begeisterung. 

Doch verblüfft blieb sie plötzlich an einem Werk stehen, mit dem Ausruf. "Da ist Napoleon! Kenn das, aus Geschichte!" Tatsächlich, da saß er. Ich hätte ihn nicht erkannt...

Nach einem kurzen Rundgang durch alle Etagen gingen wir dann aber doch lieber gemütlich Kuchen essen und Kaffeetrinken, in der Pinguin Eisbar am Marktplatz. Wo ich in 23 Jahren in Leipzig noch nie war. Auf jeden Fall eine schöne Neu-Entdeckung. 

 

So haben wir - dem Regen sei Dank - gesten einen ganz schönen Sonntagnachmittag verlebt. Mit Kultur & Kuchen.

Sonntag, 20. September 2026

Musst Du träumen, Mama!

Heute früh war ich trotz Ausschlafens noch etwas müde und saß mit leichten Kopfschmerzen am Frühstückstisch. Der Wetterwechsel, was auch immer. 

"Mama, Du müde?", fragte Lola. Ich nickte. 

"Musst Du Joggen gehen, Freunde treffen, oder Tanzen gehen!" Drei Möglichkeiten. Dann, du besser. Brauchst das!", sagte sie und grinste mich an. Ich nickte. Wie gut sie mich kennt.

Dennoch blieb ich etwas in mich gekehrt sitzen. In Gedanken an jemanden, den ich gerne mag. Eine Sympathie, die aber leider nicht für mich sichtbar erwidert wird. 

"Du traurig?", fragte Lola. Eine messerscharfe Leserin meiner Emotionen. Wieder nickte ich.

"Du denken an M?", fragte Lola. 

"Nein nein", sagte ich schnell. "Ich glaube, ich hätte nur gern mal wieder einen neuen Freund". 

"Mama! Du musst erst träumen von Deine Freund. Dann alles gut!"

"Selbst ist die Frau" - alleine zu Hause

Gestern musste (durfte) Lola den ganzen Tag alleine zu Hause bleiben, weil ich beruflich unterwegs war. Sie hatte sich schon die ganze Woche auf 'Sturmfrei' gefreut. Vor allem, da sie an solchen Tagen immer ihren Computer ganztägig nutzen darf - zum Musik hören, Videos gucken und für Internetrecherchen. Kein Wunder, dass sie voller Vorfreude war. 

Den ganztägigen Medienkonsum stellte ich aber unter eine Bedingung. Dass sie eine Reihe von Aufgaben im Haushalt erledigen sollte, die ich alle auf einen Zettel schrieb, mit Feldern zum Abhaken dahinter.  

"Klar, Mama! Mach ich alles!", versprach sie mir am Morgen hoch und heilig. "Bin gross. Schaff das!" Und rannte in ihr Zimmer, um Geige zu üben. Die erste ihrer 'Aufgaben'.

Gespannt stieg ich ins Auto, ob sie wohl ihr Versprechen halten würde.

Als ich am Abend die Wohnungstüre aufschloss, roch es nach gebratenen (eher etwas angebrannten) Nudeln. Beim Blick in die Küche sah alles ordentlich aus, nur auf der Anrichte zwei leere Teller und im Regal die Pfanne, mit schwarzen Resten einer Kruste. 

Oh, da war der Blumenkohl-Auflauf, den sie sich in der Pfanne warm machen sollte, wohl etwas dunkel geworden. Aber sie schien ihn wirklich aufgewärmt und gegessen zu haben. Und hatte sogar die Pfanne danach geschrubbt. Die Reste des angebrannten Essens klebten noch in der Spüle. NUn gut, wo gehobelt wird, da fallen auch Späne.

Neugierig schaute ich mich auch sonst um. Die Spülmaschine war tatsächlich ausgeräumt. Der Plastikmülleimer leer, sogar eine neue Tüte drin. Die Wäsche war zusammengelegt, die nasse Wäsche aufgehängt. Irre! 

Vorsichtig klopfte ich an ihr Zimmer. In ihrer schönsten Festtagskleidung und perfekt geschminkt saß sie vor dem Sofa und hörte tiefenentspannt Musik. Grinste mich zufrieden an und deutete stolz um sich in ihr Zimmer. Der Boden war aufgeräumt und gesaugt! Aller Krismkram lag eine Etage höher auf ihren Regalen.

Leider hatte ich keine Chance, ihre meine Freude auszudrücken, denn umgehend warf sie mich aus ihrem Zimmer. "Geh bitte, Mama. Will weiter in Ruhe Musik hören!" Und wollte auch nicht zu mir in die Küche kommen, um vom Tag zu erzählen.

Tja, hab ich als Mutter wohl bald ausgedient :-)

Dienstag, 15. September 2026

Langsam Ankommen in der 'Werkstatt'

Lola kommt langsam n der neuen 'Lernumgebung' der Lindenwerkstätten an, wo sie gerade das Eingangsverfahren (EV) begonnen hat. Um zu schauen, ob der dortige Berufsbildungsbereich (BBB) und die Werkstatt für Menschen mit Behinderung (WfbM) der richtige Ort für sie sind - so zumindest das offizielle Ziel des Eingangsverfahrens. 

Nachdem sie am ersten Tag Feuer und Flamme mit ihren Arbeitsklamotten in die Werkstatt ging, um direkt im Lindencafe in der Küche durchzustarten - so ihr Plan, waren die ersten Tage für sie doch etwas 'ernüchternd'.

Denn statt den Kochlöffel zu schwingen und hinter dem Herd zu stehen, lernte sich die neue sechsköpfige Ausbildungsgruppe erstmal in Ruhe kennen. Es galt Arbeits- und Brandschutzvorschriften kennen zu lernen, das Haus zu erkunden, alle Gruppen und die Namen der Gruppenleiter zu lernen. Und einiges an Papierkram zu erledigen. Was Lola zusehends frustrierte. 

"Langweilig", sagte sie am Ende der ersten Woche. Und plante schon, wo sie nach ihrem zweijährigen BBB  hinwechseln will. 

Mitte der zweiten Woche versteckte sie sich beim Herbstfest erstmal eine Stunde in einer Besenkammer und war nicht mehr auffindbar. 

Mein Mutterherz war in hellem Aufruhr. Denn nichts fällt mir schwerer, als Lola unglücklich zu sehen. War die Werkstatt dort doch nicht der richtige Ort für sie? War sie unterfordert? Oder von den vielen Leuten dort überfordert? Fehlten ihr Strukturen? 

Es fiel mir schwer, ihren anfänglichen Frust auszuhalten - nach 12 langen Schuljahren in der bunten und heimeligen Waldorfschule, aus der sie (fast) immer strahlend zurückkehrte. Fieberhaft überlegte ich schon die verschiedensten Alternativszenarien. 

Wie schwer es mir doch fällt, diesen Übergang und die damit einhergehenden Gefühle zu ertragen. Dass nicht immer alles gleich wunderbar ist und Lola begeistert. 

Doch als sie Ende der letzten Woche über zwei Tage lang mit dem dem Hamet e+ auf ihre handwerklich-motorischen Basiskompetenzen getestet wurde, wurde sie zufriedener. Erst war sie zwar sehr frustriert, weil sie nicht alles super konnte (wie auch), aber schien sich dann doch ganz gut geschlagen zu haben. Am Freitag  kam sie strahlend und stolz zurück nach Hause. "Super gelaufen", sagte sie. "Nur neun Fehler". Wo auch immer sie das her hatte. 

Oft ist sie in solchen Test- oder Prüfungssituationen furchbar ehrgeizig, und frustriert, wenn sie nicht alles gut kann. Wollte auch in der Schule immer eine 1 haben. Aber nachdem sie verstanden hatte, dass sie mit dem 'Hamet' nur schauen wollten, welche Komptenzen sie schon gut entwickelt hat und dass sie nicht 'durchfallen' kann, entspannte sie sich. Aber immerhin, sie hatte etwas Konkretes zu tun und konnte sich beweisen. 

Am gestrigen Montag ging sie dann zum ersten Mal wirklich vorfreudig 'zur Arbeit'. Sie scheint sich in der kleinen Gruppe immer wohler zu fühlen, mag ihre Bildungsbegleiterinnen und die Ergotherapie-Praktikantin sehr. Und hat auch zusehends Spass an den ersten kleineren Arbeiten im Gruppenraum. Eine Tasche bedrucken, einen Papierkorb aus Altpapier basteln (Up-Cycling), Pommes & Burger selber machen... 

Auch die gemütlichen gemeinsamen Runden mit Kaffee / Tee und Gesprächen, beginnt sie zu mögen.  Und so kam sie in den letzten beiden Tagen doch ganz fröhlich und zufrieden von 'der Arbeit' zurück. Und meine Mutterseele entspannte sich zusehends.

Dem Ankommen in der neuen Umgebung der Werkstatt und dem gegenseitigen Kennelernen wird dort im Eingangsverfahren doch sehr viel Raum gegeben. Was ich selber auch nicht so erwartet hatte.

Zum Glück hatte ich gestern noch ein kurzes Gespräch mit der Leiterin des Begleitenden Dienstes, die mir sehr nett und offen noch einiges über den weiteren Ablauf des BBB erklärte, wie auch berufliche Weiterentwicklungsmöglichkeiten über Praktika und den Übergang in den Arbeitsbereich nach den zwei Jahren. So dass ich langsam zu verstehen beginne, wie alles abläuft und mich in den neuen Lebens- und Arbeitsort von Lola hineinentspannen kann. 

Ich werde weiter berichten :-) 

Montag, 7. September 2026

Beim Wincent Weiss Konzert!!!

Letzten Freitag wurde Lola's Traum wahr - und wir waren beim Wincent Weiss Konzert in Magdeburg. Ein Geschenk ihrer Klasse zu ihrem 18. Geburtstag!!! 


Trotz Sommerkonzert - fiel Regen in Strömen. Doch gut gewappnet mit Greta's ultradichter Regenjacke konnte selbst der Dauerregen Lola nichts anhaben. Und ihrer Stimmung erst recht nicht. 


In selbstbewusster Lola-Manier boxte sie sich kurz vor Konzertbeginn einfach durch nach Vorne - gegen den heftigen Protest der lange schon Wartenden, und ich mich vielfach entschuldigend hinterher. 'Leider leider, meine Tochter mit Down-Syndrom, nicht aufzuhalten", murmelnd. Obgleich Lola hier durchaus aufzuhalten gewesen wäre. Aber ach, weiter vorne ist es doch viel viel Schöner. Und so lange Stehen wäre ihr nicht zuzumuten gewesen, dachte ich entschuldigend für mich. Kleiner Nachteilsausgleich sozusagen. 


 

Lolas grosser Held. Wincent Weiss. Dessen Lieder auch ich mittlerweile auswendig kann, weil sie permament im Autoradio laufen. Lieder von Einsamkeit, dem Wunsch nach Familie, nach Ankommen.. Lieder von neuer und verlorener Liebe, die ich zu meinem Erstaunen sogar ganz gerne mag. Ehrlich, authentisch, tiefen Einblick in seine Seele schenkend. Bei Lola wie auch Tausenden andere junger (und älterer) Frauen trifft er auf eine grosse Fangemeinde! Der Männerteil lag bei höchstens 20%, allesamt Begleiter oder Väter, textsicher waren die definitiv nicht.


Finally, begann das Konzert. Und Wincent Weiss direkt vor uns, auf einem Extralaufsteg, zum Greifen nah. Als er sich vom Publikum auf Händen durch die Menge tragen liess, musste auch ich unfrewillig mit anpacken, damit er nicht abstürzte :-) Sowas hatte ich noch nicht erlebt. Nur Lola war leider zu klein, um ihn auch auch zu berühren... 


Überglücklich grölte und sang sie lautstark mit, alle Songs auswendig natürlich. Sprang auf und ab. Zum Glück hörte der Regen auf, kaum dass das Konzert begonnen hatte. So dass die lästigen Regenhüllen fallen konnten.

 

Was für ein Konzert, was für eine Freude!!! Insgesamt 5 Stunden stand Lola insgesamt an diesem Abend auf den Beinen, ohne jeden Protest. Nur am Ende klagte sie über Knieschmerzen, weil sie so wild herumgesprungen war.

Nur leider konnten wir am Ende kein Foto von ihm und Lola gemeinsam machen. Was ihr ultimativer Traum gewesen wäre. Denn ich ließ mich nicht davon überzeugen, es zu versuchen. zu Lolas grossem Ärger. Aber die Wahrscheinlichkeit erschien mir einfach zu gering, ihn an irgendeinem Hinterausgang noch rechtzeitig abzupassen. 


 Danke liebe (ehemalige) Klasse 12 für dieses tolle Geschenk an Lola. Ja, was man als Mutter alles so miterleben darf (oder muss). Dem B-Ausweis von Lola sei Dank, der mir ein kostenloses Begleitticket ermöglichte. Irgendeinen Vorteil muss so eine Behinderung ja haben :-)

Montag, 31. August 2026

Glück ist eine Frage der Entscheidung

 In den letzten Wochen hatte ich Zeit, alle Zeit der Welt. Ohne Kinder, ohne Lola. Ich hätte große Sprünge machen können, alleine den ganzen Jakobsweg wandern können. Durch die Türkei reisen. Oder mein neues Lola Buch druckfertig schreiben können. 

Aber ich hatte nicht den Elan. Nicht die Kraft. Nicht das klare innere Bild in mir, wie es aussehen sollte. Und ich pendelte hin und her zwischen unserem Garten, dem Cospuender See und unserer Wohnung. Wechselte zwischen dem Gesang der Amseln und dem abendblauen Himmel unter unserm Kirschbaum, einfach nur sitzend und atmend. Und dem konzentriertem Schreiben an meiner Rohfassung über Lolas Schulzeit. Traf mich mit alten Freunden, ging ins Freiluftkino. Sprang wieder und wieder in den Cossi, lag lesend am Strand. Zeitlose Stunden eigentlich, aber eine rechte Sommerstimmung wie ich sie von anderen Sommern kannte, kam nicht auf. 

In meinem Kopf ratterten Gedanken, wie Züge, die nie anhielten. Jedensfalls nie da, wo sie meinem Plan gemäß halten sollten. Alte Erinnerungen der letzten Jahre tauchten auf, unvermutet. Verdrängte Gefühle von Alleinsein, Traurigkeit, Hilflosigkeit. Ein tiefer Schmerz, verlassen zu sein. 

Ohne die festen Strukturen und Geländer des Alltagslebens, ohne die lebensfrohe und quirlige Art der Kinder, die natürlich viel von mir fordern, aber immer auch Ideen, Lebensenergie und Lachen schenken, fühlte ich mich an vielen Tagen einfach nur verloren und einsam. 

Selbst wenn ich Freunde sah, oder mit ihnen telefonierte, Bekannte am Strand traf, blieb eine tiefe Melancholie zurück - trotz aller Hitzetemperaturen. Das Gefühl einer großen dunklen Wolke, die alles vernebelt und vor mir und meiner Zukunft steht.

"Das sind alles Symptome einer Depression", sagte mir eine Freundin, als ich ihr klitzeklein jede noch so kleine Missstimmigkeit meiner Tage darlegte, mit ihrem psychologischen Sachverstand. 

"Ne, also, ne depressive Verstimmung vielleicht", sagte ich abwehrend. Erschreckt, dass ich ihr gegenüber wohl doch zu ehrlich und auch dramatisch gewesen war, an diesem innerlich besonders grauen Tag. Aber doch ein kleiner Warnschuss. Denn ich merkte, wie ich mich doch hineingesteigert hatte in meine eigene Missempfindungen. 

Oder hatte ich mich doch zu ehrgeizig in meine Schreibprojekte hineingestürzt? Mir selber zu viel Druck gemacht? Anstatt einfach ein bisschen in den Tag zu leben, meiner eigenen Energie zu folgen und - zu entspannen. Als müsste ich jemandem etwas beweisen.

Vielleicht fehlte mir auch nur einfach ein lieber Mensch an meiner Seite. Denn solange die Kinder da sind, habe ich genug zu tun und bin nicht allein. Aber in diesem langen Sommer alleine merkte ich doch schmerzlich, dass der Mensch nicht für's Alleineleben gemacht ist, zumindest nicht dauerhaft. Und ich erst recht nicht. Sozial und aufgeschlossen wie ich bin. 

Und ich kam viel zu viel ins Denken und Grübeln und Erinnern, auch alter Gefühle. Die sich - endlich war ja Zeit dafür, auf einmal zeigten. Mit aller Macht der nicht gefühlten Gefühle, die gefühlt werden wollen. Wie kleine quengelige Kinder. Mich ihnen ganz zu öffnen, gelang mir manchmal. Sie in kleine Geschichten zu verwandeln, in anderen Momenten. 

Aber der Trübsinn blieb wie ein feiner Schleier, der die Sicht versperrt. Auch wenn der Garten, das Zeichnen, Gitarre spielen, auch mal tanzen und singen, kurzfristig halfen. Echte Lebensfreude sieht anders aus. Als würde es mir an einem grossen 'Wofür' fehlen, dem Sinn. 

Heute Nachmittag hingegen, nachdem ich mit Lola spontan zum Cossi geradelt war, um dort ein Eis zu essen und kurz in den See zu springen, spürte ich auf der Rückfahrt mit dem Tandem auf einmal den übermächtige Wunsch und auch WILLEN, endlich wieder glücklich zu sein. 

Und statt wie bisher auf Glück und die Erfüllung meiner Wünsche zu hoffen, stelllte ich mir - während ich kräftig in die Pedale trat und mir den Schweiß den Rücken hinablief - einfach vor, sie seien alle in Erfüllung gegangen. Und ich wäre gerade überglücklich!

Meine Mundwinkel zogen sich nach oben. Und ich spürte das überschäumende Gefühl, frisch verliebt zu sein. Spürte die Vorfreude auf einen lieben Menschen, der gerade mit einem frisch gebackenen Kirschkuchen auf mich wartet und mir gestern einen Heiratsantrag gemacht hat. Und was für eine Freude durchströmte mich auf einmal :-) 

Gerade letzte Woche hatte ich in einem Buch über 'Focusing' gelesen, dass der Körper zwischen Realität und Vorstellung nicht unterscheiden kann. Wenn ich mir etwas fest genug vorstelle, werden im Körper und Gehirn diesselben Stoffe ausgeschüttet, als hätte ich es wirklich erlebt. Stelle ich mir vor, dass ich gerade in einem Preisausschreiben gewonnen habe, oder eben verliebt bin, werden Glückshormone ausgeschüttet. Denke ich daran, gerade jemanden verloren zu haben, empfinde ich tiefe Trauer und der Körper reagiert mit dementsprechenden Symptomen. 

So hatte ich gelesen, und mich weiter in meinen traurigen Gedanken gesuhlt. Mich weiter reflexhaft an Vorstellungen und Erinnerungen von Einsamkeit, Schmerz und Verlusten geklammert. 

Doch heute Nachmittag, wie aus dem Nichts, drehte ich ich einfach den Spieß um. Und stellte mir grosses Glück, Vorfreude und Verliebtheit vor. Und es fühlte sich hundertmal besser an. Wirklich 'real' war weder das eine noch das andere. 

Und ach, wie beschwingt radelte ich mit Lola auf dem Tandem durch die Strassen, im warmen, gerade noch August-Wind. Empfand solch eine Freude, lächelte mir bekannten und unbekannten Menschen zu, plauderte fröhlich mit Passanten. Und alles machte auf einmal einen großen 'Sinn'. 

Ich brauchte gar nicht mehr zu hoffen, zu warten, mich anzustrengen. Das Glück legte sich einfach vor mir auf die Strasse - erfüllte mein Herz. Einfach so! 

Und da lachte mir aus einer der Bücherverschenkekisten auf einmal der Titel eines Buches entgegen. '101 Essays that will change the way you think". Schwarze Schrift auf weißem Cover. Nur diese Zeile. Und schwupps, zog ich es raus, selbst gegen Lolas heftigen Protest, die schnell nach Hause wollte. 

Und während aus Lolas Zimmer lauteste Musik und Partybrülle dröhnten, saß ich tiefenentspannt im blauen Abendlicht auf dem Balkon und las über das soeben erlebte Phänomen. Dass Glück oder Leid auch eine Entscheidung sind, die man trifft. Und dass man sich oft leider vom Glückserleben abschneidet, weil man glaubt, man verdiene es nicht einfach so, würde faul dadurch werden, bei anderen Neid erwecken, etc. Und sabotiere sich selbst, erlaube sich das Glück nicht. 

Es war heute auf jeden Fall eine wunderschöne Erfahrung, diese starke tiefe Lebensfreude zu spüren, die in jeder Zelle prickelt und nach mehr ruft, und die Stadt in rosagelbes Licht taucht. Einzig und alleine erzeugt durch meine Entscheidung. Die Mundwinkel hochzuziehen und mir vorzustellen, ich sei glücklich (verliebt), und diese starken Gefühle einfach durch mich pulsieren zu lassen. 

Was für ein Glück!

Zurück aus Spanien


Am Freitag ist Lola nach sieben Wochen unterwegs quer durch Europa endlich wieder zurück nach Leipzig gekommen! Zusammen mit Greta, mit dem Flieger aus Gijón in Nordspanien, der letzten Station ihrer grossen Reise. Wo sie Urlaub bei der spanischen Großfamilie Urlaub gemacht haben - und wie es das Glück wollte, Zeugen der totalen Sonnenfinsternis werden durften, direkt am 'Hausstrand', an den sie jeden Tag zum Baden gehen :-) 

 Fünf Wochen war ich alleine in Leipzig, ohne Lola. Habe den See und den Garten genossen, endlich in Ruhe an meinem neuen Buch (über Lolas inklusive Schulzeit :) schreiben können, hab Freunde getroffen, war wandern. Konnte entspannt in den Arbeitsalltag starten, mal ohne aus dem Nebenzimmer von lauter Musik gestört zu werden, oder mich in langen Diskussion darüber zu verfangen, warum es sinnvoll ist, vor dem Schlafen gehen zu duschen und die Zähne zu putzen. Wirklich. Jeden Tag! 

Doch so schön die Lolafreie Zeit war, so sehr habe ich sie doch auch vermisst. Was ich erst jetzt so richtig gemerkt habe, da sie wieder da ist. Ihre Jubelschreie über ihr aufgeräumtes Zimmer, ihr leidenschaftliches Geigenspiel ganz für sich alleine, ihre Freude jeden Tag an jeder noch so kleinen Kleinigkeit. So schön, ihre Energie und ungebremste Lebensfreude wieder um mich zu haben! 

Ja, klar, auch das viele Erinnern, dass wir jetzt rausgehen wollen. Während sie noch ewig etwas suchen, abschreiben, anziehen muss. Aber sie ist viel kooperativer und entspannter als noch vor den Ferien, und das Zusammenleben mit ihr ist einfach gerade eine echte Freude. Wie schön, dass sie wieder da ist! 

Und morgen, wird es spannend. Denn da beginnt sie das Eingangsverfahren für den Berufsbildungsbereich in den Lindenwerkstätten. Wo sie unbedingt hinwollte. Um eines Tages, so ihr Traum, im Lindencafè zu arbeiten und dort Pizzas zu backen :-) 

Einen Pizzaofen haben die dort zwar noch gar keinen. Aber was noch nicht ist, kann ja noch werden. Und wo eine Lola, da ist auch ein Weg!

Ich werde berichten :-)