Dienstag, 24. März 2026

Ein Bierchen zum Frühstück

 Als ich am Samstag vom Sport zurück nach Hause komme, sitzt Lola fröhlich an ihrem Schreibtisch und 'arbeitet'. 

Sie schreibt alte Texte aus ihrem Geschichts-Hefter ab, über die DDR. Von der Sowjetischen Besatzungszone, über die Staatsgründung, den Mauerbau bis zur Wiedervereinigung.  Ein selbstgewähltes Projekt von ihr. 

Ich freue mich über ihren Fleiß. 

Auf ihrem Tisch sehe ich ein Glas mit einer limonadenartiger Flüssigkeit stehen. 

"Oh, hast Du Dir Limo gekauft?", frage ich.

"Nein Mama, keine Limo!", antwortet sie fast entrüstet. "Trinke Bier!" 

"Was?" frage ich entsetzt.

War sie wieder im Konsum? Letzte Woche die Berge an Süßgkeiten und jetzt ein Bier!!? 

"Aber wie hast Du das geholt?", frage ich. Denn sie hat immer noch ihren Schlafanzug an. "Hoffentlich wenigstens mit einem Mantel drüber!"

"Ne, von deine Balkon", erklärt sie. 

Oh ja, die Reste von der Geburtstagsparty neulich. Puh, wenigstens war sie  nicht im Schlafanzug auf der Strasse, so wie neulich mal.

Dennoch. Es ist 12.30 Uhr. Keine Zeit, um Bier zu trinken. Selbst nicht für Normalbürger. 

Sie nimmt demonstrativ einen Schluck aus dem Glas und schaut mich keck an. "Ja, Mama. Bin 18. Ich darf das!" 

Ja, naja. Ich hatte sie immer mal eingeladen, einen Schluck Wein mit uns zu trinken. Nach dem Theaterstück in der Schule hatte sie sogar mal einen Sekt getrunken. Aber sich am Vormittag ALLEINE ein Bier zu öffnen, geht dann doch irgendwie zu weit. 

So hatte ich mir das mit der Selbständigkeit wirklich nicht vorgestellt. 

"Aber Lola, es ist noch vor Mittag. Da trinkt man eigentlich kein Bier", versuche ich zu erklären. Ohne sie zu sehr zu bevormunden. 

"Doch, ich schon!", kontert sie und nimmt noch einen Schluck. 

Ich versuche zu erklären: "Aber davon wird man ganz wuselig im Kopf. Das ist Abends mal ok, aber vormittags wird man da ganz durcheinander. Und kann gar nicht mehr klar denken. Ich trinke nie tagsüber ein Bier!", erkläre ich, tatsächlich relativ wahrheitsgemäß. 

"Mama!", sagt sie vorwufsvoll. "Bin 18, und trinke Bier. Ich kann das."

Mannomann. Mal schauen, was als nächstes kommt. 

Am Nachmittag stand das Bier zum Glück immer noch im Glas auf ihrem Tisch - mittlerweile schal geworden. Zum Glück scheint sie nicht auf den Geschmack gekommen zu sein.

Sonntag, 15. März 2026

Alleine einkaufen

 Obwohl Lola mit 6 Jahren ohne Probleme beim Bäcker Brötchen holen ging, hat sie sich in den letzten Jahren strikt geweigert, alleine in ein Geschäft zu gehen und etwas zu kaufen. 

Erst im letzten Jahr hatte ich sie endlich soweit, sich alleine eine Flasche Apfelschorle zu kaufen - während ich vor dem Laden gewartet hab.

Denn sie LIEBT Apfelschorle. "Bin süchtig!", sagt sie.

Und von da an kaufte sie sich nun auch öfter mal selber eine im REWE auf dem Rückweg von der Schule.

Letzte Woche nun ein grosser Meilenstein: sie ging alleine zum Konsum bei uns um die Ecke, um glutenfreie Fischstäbchen zu kaufen, weil sie im Hauswirtschaftsunterricht mit der Werkstufe kochen wollten: Kartoffelbrei, Spinat und - Fischstäbchen. Ein Rezept aus ihrem Koch- und Backbuch, das sie in der 8. Klasse selber geschrieben hat. 

Es war ganz und gar ihre eigene Idee, die Fischstäbchen dort zu kaufen. Und zwar mit ihrem eigenen Taschengeld. Nachdem es im Rewe an der Schule keine glutenfreien gab, als sie mit der Klasse dort welche kaufen wollten.

Was für ein Schub an Selbständigkeit, dachte ich mir. Wow! 

Gekocht hat sie das ganze Rezept dann in der Schule natürlich auch noch. 

Und gestern musste sie nun den ganzen Tag alleine zu Hause bleiben, da ich arbeiten musste. Was sie öfter mal macht, und was immer super funktioniert. Und als ich abends wiederkam, gespannt ob alles funktionert hatte, erzählte sie stolz, dass sie wieder im Konsum war, um Apfelschorle und ein paar andere Sachen zu kaufen. Sie hätte Hunger gehabt. 

"Ich Dir zeigen, Mama", sagte sie, rannte in ihr Zimmer und kroch unter den Tisch. Wieso hatte sie das Essen denn da gelagert, wunderte ich mich?

Aber nein, sie zog den Mülleimer heraus! Und fischte drei Tüten heraus. Eine Chipstüte, eine Gummibärchentüte und eine Packung Schokolade. Alle leer!!! 

"Alleine gekauft", sagte sie überstolz. 

"Und alle gegessen? Alleine?", fragte ich entsetzt. 

"Ja, hatte Hunger! Nix zu essenda" antwortete sie und deutete strahlend auf ihren Bauch. "Jetzt der Bauch voll!"

 "Aber du kannst doch nicht soooo viele Süßigkeiten essen. Da wird Dir doch voll schlecht. Du darfst Dir nie wieder so viel Süßzeug kaufen alleine." 

"Doch!, war ihre Antwort. "Meine Taschengeld!"

Das kann ja heiter werden. Die zunehmende Selbständigkeit hat leider auch ihre Schattenseiten.