Hier kommt es. Endlich, auch für Euch.
Geschrieben und gesungen von M., Lolas 'Ziehpapa', der seine wilde und eigensinnige Mitbewohnerin nicht immer mit der gleichen rosaroten Brille anschaut wie ihre überbehütende Mutter.
Ein Lied über Lola, wie sie leibt und lebt, und darüber, wie unsere Gesellschaft mit anderen Menschen (in spe) wie Lola umgeht...
M. hat das Lied vor einem guten Jahr geschrieben (ist also nicht mehr ganz aktuell). Für ein Kabarettprogramm, in dem es rund um Vaterschaft und Familie geht. Und mitten im Programm taucht dann plötzlich dieses Lied auf. Ohne dass der Zuhörer zunächst weiß, dass es sich um ein Kind mit Down-Syndrom handelt...
Hab versucht, den Song mit alten Fotos und Filmchen so zu unterfüttern, dass Lola darin mit all ihrem Charme, ihrem unnachahmlichen Charakter, ihrem Hang zum Grotesken, bitter-süß eben, zum Vorschein kommt. Und trotzdem auch die Härte der Botschaft rüber kommt, aber nicht zu hart....
Schaut es Euch an!
Donnerstag, 17. Juli 2014
Montag, 14. Juli 2014
Zuckertütenfest
Am Samstag war großes Zuckertütenfest der Vorschüler im Kindergarten. Mit Übernachtung. Und am Morgen danach wurde feierlich der Zuckertütenbaum geerntet.
Lola steht mit den anderen Vorschülern ganz feierlich und andächtig im Kreis um den Baum, den sie alle gemeinsam am Abend zuvor gegossen haben. Einen Zauberspruch gesprochen haben, mit geschlossenen Augen. Und sich gewünscht haben, mit aller kraft, dass über Nacht die Zuckertüten wachsen mögen...
Und es hat geklappt!!! Was für ein Stolz in den Gesichtern aller Kinder. Diese Nacht gemeinsam im Kindergarten verbracht zu haben (am Abend zuvor sah manch einer noch weniger zuversichtlich aus.). Diese Probe bestanden zu haben. Und nun mit dieser Tüte den ersten kleinen Schritt hinaus in die Welt zu gehen.
Was und wieviel Lola wirklich davon versteht, was sie erwartet? Dass sie nie wieder wird in IHREN Kindergarten gehen werden. Dass bald andere Menschen ihren Weg begleiten. Sie kann es nicht verstehen, wie auch. Aber so wie ich sie kenne, geht sie diesen Weg offen und voller Vorfreude auf all das Neue.
Sie ist begierig zu lernen. Sie will endlich wirklich in die Schule gehen. Mit Ranzen und Brotbüchse und Heften und Büchern. Hinaus in die Welt, groß werden.... Ich sehe es richtig blitzen in ihren Augen. Kaum kann sie es erwarten.
Wahrscheinlich bin ich es selbst, der der Abschied vom Kindergarten so schwer fällt. Lola geht gerade ihren Weg weiter, den Blick nach vorn!
Wie glücklich und dankbar bin ich für dieses wunderschöne Übergangsritual des Kindergartens!
Dienstag, 1. Juli 2014
Long time, no see...
So lange habe ich nichts mehr geschrieben. Dabei passiert gerade so viel. Vielleicht deswegen...
Mein Kopf raucht. So viele Gefühle, Unsicherheiten, Entscheidungen. Lolas Kindergartenzeit geht zu Ende. Eine goldene Zeit, Zeit der Ruhe. Aufgehoben an einem Ort, wo Lola ein Zuhause hatte. Die sein durfte, die sie ist. Mit so vielen wunderbaren Erziehern, Kindern, Eltern, die sie als die genommen haben, die sie ist. Und es auch mir nochmal und immer wieder gezeigt haben, wie wunderbar einzigartig, liebenswert, witzig, voller Schalk und Eigensinn Lola ist. So viel...
Die Zeit geht zu Ende. Und bald beginnt eine neue Zeit. Die Schulzeit. Die Waldorfschule. Und gerade dieser Tage bin ich voller Unsicherheit, ob die Entscheidung die richtige war. Ein Auf und Ab meiner Gefühle, wie ich es nie vermutet hätte. Wird Lola dort auch die Förderung bekommen, die sie braucht? Wie wird sie mit der Waldorfpädagogik umgehen? Wie komme ich damit zurecht? Sind meine Methoden der Sprachförderung, des Frühen Lesen, der Frühförderung mit den Ideen der Waldorfschule vereinbar? Werden sie dort aufgenommen? Wie wird Lola mit den vielen Geschichten zurecht kommen, die man dort erzählt? Wird sie dem Unterricht folgen können? Wie viel Hilfe wird sie bekommen? Gerade kommt so viel Unsicherheit in mir hoch. Wäre die Beschulung in der integrativen Grundschule mit der Unterstützung durch die Förderschulpädagogen nicht doch viel besser gewesen?
Und wieder geht es um die Frage des Vertrauens. Vertraue ich meiner Intuition, diese Schule für Lola gefunden zu haben. Die Waldorfschule. Eine Schule, die so ganz anders ist als das, was ich bisher erlebt habe. Meine Schulzeit, mein Studium, mein Berufsleben, klar leistungsorientiert, ohne grosse künstlerische und musikalische Freiheiten.... Über Lola komme ich mit Dingen in Kontakt, die ich selber mir bis jetzt nicht gegönnt habe. Ist es das, was mich so verunsichert?
Der Grat, auf dem ich wandere.... Loslassen oder Kontrolle? Vertrauen oder Fordern? Fordere ich wieder viel zu viel? Von mir, von ihr?
Die Diagnostik, die uns im Rahmen des Förderausschusses zur Feststellung des sonderpädagogischen Förderbedarfes gerade mitgeteilt wurde. Wichtig, damit Lola einen Integrationsplatz bekommt. Diagnostik ihres Leistungsstandes, gemessen an den mittleren Leistungen eines geistig behinderten Mädchens. Ihre Fähigkeiten liegen genau im Mittel. Stärken im Bereich des passiven Wortschatzes und der Abstraktionsfähigkeit, absolute Schwäche: Mitarbeitsbereitschaft (Lolas Lieblingswort heisst: Nö!) Keine neue Erkenntnis, und doch, diese GB (geistig Behinderten) Diagnostik da so liegen zu sehen. Irgendwie schmerzt es. Ich weiß nicht, warum.
Dabei hat es so lange nicht mehr geschmerzt. Lola ist Lola. Sie kann so viel. Und ich hab so lange vor allem das gesehen, was sie kann. Mich gefreut über ihre wunderbaren Fortschritte. Und doch, seit ein paar Wochen, diese Stiche, die ich so lange schon nicht mehr gefühlt habe. Zu sehen, wie schwer ihr vieles fällt. Wie lange sie braucht. Wie schnell sie aufgibt. Wie wenig sie kämpft. Sich lieber wieder fallen lässt, statt sich anzustrengen.
Vielleicht wegen Pavel. Vielleicht schmerzt es mich deshalb. Er, der vor drei Monaten sein erstes Wort gesagt hat. Und mittlerweile Lolas schon fast sprachlich überholt hat. Nichts anderes tut den ganzen Tag, als zu plappern. Seine Welt zu kommentieren. Alles benennt, wiederholt, nachfragt. Eine Freude hat beim Sprechen, sich mitteilen... Mit einer Leichtigkeit. Und ich freue mich, über diesen unglaublich süßen, witzigen, erfindungsreichen kleinen Mann. Und versuche, Lola zu motivieren, auch nachzusprechen, zu benennen, zu fragen... Und sie nimmt ganz ganz viel mit, macht mit, lernt für ihre Verhältnisse rasend schnell dazu. Aber im Verhältnis, so unendlich langsam. Und es schmerzt mich doch. Warum nur?
Und dann wieder Lola, wie sie da steht in der Gruppenumkleide nach dem Schwimmen und sich minutenlang einölt, innig und voller Hingabe, am ganzen Körper. Ohne Öl, im Spiel nur, weil da eine andere Frau steht und sich voller Hingabe einölt und Lolas das sieht und nachahmt. Wie nur Lola etwas nachahmen kann, ganz im Sein, ganz im Moment. Und dann in der Innenstadt auf dem Weg zum Eisalden an einer der alten Telefonzellen stehen bleibt und telefoniert. Minutenlang. Steht und lacht und erzählt. Und ihrer Welt versunken da mit wem auch immer spricht und lacht und sich freut. Und sich ihre Welt macht, tralalalala, wie sie ihr gefällt. Nicht umsonst ist Pippi Langstrumpf (zusammen mit Lotta aus der Krachmacherstrasse) ihre größte Heldin. Lola ist eben doch Lola.....
Mein Kopf raucht. So viele Gefühle, Unsicherheiten, Entscheidungen. Lolas Kindergartenzeit geht zu Ende. Eine goldene Zeit, Zeit der Ruhe. Aufgehoben an einem Ort, wo Lola ein Zuhause hatte. Die sein durfte, die sie ist. Mit so vielen wunderbaren Erziehern, Kindern, Eltern, die sie als die genommen haben, die sie ist. Und es auch mir nochmal und immer wieder gezeigt haben, wie wunderbar einzigartig, liebenswert, witzig, voller Schalk und Eigensinn Lola ist. So viel...
Die Zeit geht zu Ende. Und bald beginnt eine neue Zeit. Die Schulzeit. Die Waldorfschule. Und gerade dieser Tage bin ich voller Unsicherheit, ob die Entscheidung die richtige war. Ein Auf und Ab meiner Gefühle, wie ich es nie vermutet hätte. Wird Lola dort auch die Förderung bekommen, die sie braucht? Wie wird sie mit der Waldorfpädagogik umgehen? Wie komme ich damit zurecht? Sind meine Methoden der Sprachförderung, des Frühen Lesen, der Frühförderung mit den Ideen der Waldorfschule vereinbar? Werden sie dort aufgenommen? Wie wird Lola mit den vielen Geschichten zurecht kommen, die man dort erzählt? Wird sie dem Unterricht folgen können? Wie viel Hilfe wird sie bekommen? Gerade kommt so viel Unsicherheit in mir hoch. Wäre die Beschulung in der integrativen Grundschule mit der Unterstützung durch die Förderschulpädagogen nicht doch viel besser gewesen?
Und wieder geht es um die Frage des Vertrauens. Vertraue ich meiner Intuition, diese Schule für Lola gefunden zu haben. Die Waldorfschule. Eine Schule, die so ganz anders ist als das, was ich bisher erlebt habe. Meine Schulzeit, mein Studium, mein Berufsleben, klar leistungsorientiert, ohne grosse künstlerische und musikalische Freiheiten.... Über Lola komme ich mit Dingen in Kontakt, die ich selber mir bis jetzt nicht gegönnt habe. Ist es das, was mich so verunsichert?
Der Grat, auf dem ich wandere.... Loslassen oder Kontrolle? Vertrauen oder Fordern? Fordere ich wieder viel zu viel? Von mir, von ihr?
Die Diagnostik, die uns im Rahmen des Förderausschusses zur Feststellung des sonderpädagogischen Förderbedarfes gerade mitgeteilt wurde. Wichtig, damit Lola einen Integrationsplatz bekommt. Diagnostik ihres Leistungsstandes, gemessen an den mittleren Leistungen eines geistig behinderten Mädchens. Ihre Fähigkeiten liegen genau im Mittel. Stärken im Bereich des passiven Wortschatzes und der Abstraktionsfähigkeit, absolute Schwäche: Mitarbeitsbereitschaft (Lolas Lieblingswort heisst: Nö!) Keine neue Erkenntnis, und doch, diese GB (geistig Behinderten) Diagnostik da so liegen zu sehen. Irgendwie schmerzt es. Ich weiß nicht, warum.
Dabei hat es so lange nicht mehr geschmerzt. Lola ist Lola. Sie kann so viel. Und ich hab so lange vor allem das gesehen, was sie kann. Mich gefreut über ihre wunderbaren Fortschritte. Und doch, seit ein paar Wochen, diese Stiche, die ich so lange schon nicht mehr gefühlt habe. Zu sehen, wie schwer ihr vieles fällt. Wie lange sie braucht. Wie schnell sie aufgibt. Wie wenig sie kämpft. Sich lieber wieder fallen lässt, statt sich anzustrengen.
Vielleicht wegen Pavel. Vielleicht schmerzt es mich deshalb. Er, der vor drei Monaten sein erstes Wort gesagt hat. Und mittlerweile Lolas schon fast sprachlich überholt hat. Nichts anderes tut den ganzen Tag, als zu plappern. Seine Welt zu kommentieren. Alles benennt, wiederholt, nachfragt. Eine Freude hat beim Sprechen, sich mitteilen... Mit einer Leichtigkeit. Und ich freue mich, über diesen unglaublich süßen, witzigen, erfindungsreichen kleinen Mann. Und versuche, Lola zu motivieren, auch nachzusprechen, zu benennen, zu fragen... Und sie nimmt ganz ganz viel mit, macht mit, lernt für ihre Verhältnisse rasend schnell dazu. Aber im Verhältnis, so unendlich langsam. Und es schmerzt mich doch. Warum nur?
Und dann wieder Lola, wie sie da steht in der Gruppenumkleide nach dem Schwimmen und sich minutenlang einölt, innig und voller Hingabe, am ganzen Körper. Ohne Öl, im Spiel nur, weil da eine andere Frau steht und sich voller Hingabe einölt und Lolas das sieht und nachahmt. Wie nur Lola etwas nachahmen kann, ganz im Sein, ganz im Moment. Und dann in der Innenstadt auf dem Weg zum Eisalden an einer der alten Telefonzellen stehen bleibt und telefoniert. Minutenlang. Steht und lacht und erzählt. Und ihrer Welt versunken da mit wem auch immer spricht und lacht und sich freut. Und sich ihre Welt macht, tralalalala, wie sie ihr gefällt. Nicht umsonst ist Pippi Langstrumpf (zusammen mit Lotta aus der Krachmacherstrasse) ihre größte Heldin. Lola ist eben doch Lola.....
Freitag, 30. Mai 2014
Lola Brot kaufe. (A)lleine...
Lola ist heute früh zum ersten Mal alleine zum Bäcker gegangen, um Frühstücksbrötchen zu kaufen!! Ganz alleine, einmal um den Block, über die Straße und zurück! Wow!
Ob das gut und richtig ist, sie alleine gehen zu lassen? Ist das nicht viel zu früh, mit sechs Jahren, alleine Brötchen kaufen gehen? Kann ich ihr das zutrauen? Geht sie zuverlässig zum Bäcker und zurück? Kann ich ihr vertrauen? Lässt sie sich ablenken? Ist das nicht total unverantwortlich von mir? Meine Gedanken am Morgen....
Normalerweise geht sie zusammen mit Greta. Es ist vielleicht 200 Meter weit, einmal um den Häuserblock und über die Straße. Greta brauchte am Anfang eine Art kleiner Straßenkarte zur Orientierung. Lola hat ein sehr gutes Orientierungsvermögen. Oft besser als meines. Ungelogen. Dass sie den Weg auch alleine findet, traue ich ihr zu. Und auch den Weg zurück. Aber wie gesagt, all die Eventualitäten, die dazwischen kommen können....
Jedenfalls hatte heute früh Greta keine Lust, zusammen mit Lola zu gehen. Weil die schon gefühlt ewig gebraucht hatte, sich anzuziehen. Und auch auf dem Weg immer stehen bleibt. Und Greta schon gestern Brötchen holen war. Und ich könnte ja mit Lola gehen. Und sie, Greta, würde lieber Frühstück machen...
Ich hatte aber auch nicht wirklich Lust mit der trödelnden Lola zu gehen. Die sich wirklich extrem viel Zeit gelassen hatte mit dem Anziehen und wenn das auf dem Weg so weiter gehen würde, bestimmt meine Geduld auf's Äusserste strapaziert hätte.
Schon länger hatte ich mich gefragt, ob Lola nicht vielleicht immer alles so langsam macht, um uns damit zu foppen. Und wenn sie die Dinge für sich macht und dabei ein klares Ziel vor Augen hat, alles viel schneller schafft. Und sie liebt es, Brötchen kaufen zu gehen. Hat allerdings noch nie selber bezahlt, noch nie selber bestellt, ist noch nie alleine gegangen... Aber einen Versuch war es doch wert?
Also hab ich ihr den Auftrag erklärt und ihr Geld gegeben, wofür sie extra ihr geliebtes Pippi-Langstrumpf-Portemonnaie aus der Kiste gekramt hat (was weitere fünf Minuten in Anspruch genommen hat). Und hab sie auf den Weg geschickt. Ein Abschiedskuss und sie ging schnurstracks die Treppe runter und die Straße entlang. Und ich? Hinterher, was sie natürlich nicht wusste. Gedeckt von parkenden Autos und mich versteckend in Hauseingängen.
Und Lola? Blieb ab und an stehen, untersuchte etwas, aber nur kurz (nicht ewig, wie wenn wir gemeinsam gehen) und lief zielstrebig zum Bäcker. Schaute rechts, schaute links an der Straße, und stieg die Treppe hoch zum Bäckerladen. Ein alte Dame, die aus dem Laden kam, schaute irritiert und lief erst mal in die falsche Richtung. Was die sich wohl dachte? Eine Ewigkeit später kam Lola wieder aus dem Laden, mit einem deutlich gefüllten Beutel. Was sie wohl mit den 10 Euro gekauft hat, die ich ihr mit gegeben hatte?
Der Rückweg war etwas gemütlicher, von etwas längeren Beobachtungen von Passanten unterbrochen, und deutlich von Selbstgesprächen begleitet. Lola schien die Einkaufssituation beim Bäcker noch einmal nachzuspielen.
An unser Haustüre blieb sie irritiert stehen, weil diese offen war. Ich hatte ihr gesagt, sie sollte klingeln. Also klingelte sie, Türe offen oder nicht. Nach sich schloss sie die Haustüre, indem sie den Türkeil weg schob, was sie in meiner Anwesenheit noch NIE alleine gemacht hat. Und lief die Treppe hoch. Und überreichte uns stolz die Brötchen! (Naja, genau die Hälfte der Auftragsmenge hatte sie mitgebracht). Aber alles ganz alleine!
Wow! Was für ein großes, zuverlässiges Mädchen! Dem ich scheinbar im Alltag tatsächlich viel zu wenig zutraue....
Ob das gut und richtig ist, sie alleine gehen zu lassen? Ist das nicht viel zu früh, mit sechs Jahren, alleine Brötchen kaufen gehen? Kann ich ihr das zutrauen? Geht sie zuverlässig zum Bäcker und zurück? Kann ich ihr vertrauen? Lässt sie sich ablenken? Ist das nicht total unverantwortlich von mir? Meine Gedanken am Morgen....
Normalerweise geht sie zusammen mit Greta. Es ist vielleicht 200 Meter weit, einmal um den Häuserblock und über die Straße. Greta brauchte am Anfang eine Art kleiner Straßenkarte zur Orientierung. Lola hat ein sehr gutes Orientierungsvermögen. Oft besser als meines. Ungelogen. Dass sie den Weg auch alleine findet, traue ich ihr zu. Und auch den Weg zurück. Aber wie gesagt, all die Eventualitäten, die dazwischen kommen können....
Jedenfalls hatte heute früh Greta keine Lust, zusammen mit Lola zu gehen. Weil die schon gefühlt ewig gebraucht hatte, sich anzuziehen. Und auch auf dem Weg immer stehen bleibt. Und Greta schon gestern Brötchen holen war. Und ich könnte ja mit Lola gehen. Und sie, Greta, würde lieber Frühstück machen...
Ich hatte aber auch nicht wirklich Lust mit der trödelnden Lola zu gehen. Die sich wirklich extrem viel Zeit gelassen hatte mit dem Anziehen und wenn das auf dem Weg so weiter gehen würde, bestimmt meine Geduld auf's Äusserste strapaziert hätte.
Schon länger hatte ich mich gefragt, ob Lola nicht vielleicht immer alles so langsam macht, um uns damit zu foppen. Und wenn sie die Dinge für sich macht und dabei ein klares Ziel vor Augen hat, alles viel schneller schafft. Und sie liebt es, Brötchen kaufen zu gehen. Hat allerdings noch nie selber bezahlt, noch nie selber bestellt, ist noch nie alleine gegangen... Aber einen Versuch war es doch wert?
Also hab ich ihr den Auftrag erklärt und ihr Geld gegeben, wofür sie extra ihr geliebtes Pippi-Langstrumpf-Portemonnaie aus der Kiste gekramt hat (was weitere fünf Minuten in Anspruch genommen hat). Und hab sie auf den Weg geschickt. Ein Abschiedskuss und sie ging schnurstracks die Treppe runter und die Straße entlang. Und ich? Hinterher, was sie natürlich nicht wusste. Gedeckt von parkenden Autos und mich versteckend in Hauseingängen.
Und Lola? Blieb ab und an stehen, untersuchte etwas, aber nur kurz (nicht ewig, wie wenn wir gemeinsam gehen) und lief zielstrebig zum Bäcker. Schaute rechts, schaute links an der Straße, und stieg die Treppe hoch zum Bäckerladen. Ein alte Dame, die aus dem Laden kam, schaute irritiert und lief erst mal in die falsche Richtung. Was die sich wohl dachte? Eine Ewigkeit später kam Lola wieder aus dem Laden, mit einem deutlich gefüllten Beutel. Was sie wohl mit den 10 Euro gekauft hat, die ich ihr mit gegeben hatte?
Der Rückweg war etwas gemütlicher, von etwas längeren Beobachtungen von Passanten unterbrochen, und deutlich von Selbstgesprächen begleitet. Lola schien die Einkaufssituation beim Bäcker noch einmal nachzuspielen.
An unser Haustüre blieb sie irritiert stehen, weil diese offen war. Ich hatte ihr gesagt, sie sollte klingeln. Also klingelte sie, Türe offen oder nicht. Nach sich schloss sie die Haustüre, indem sie den Türkeil weg schob, was sie in meiner Anwesenheit noch NIE alleine gemacht hat. Und lief die Treppe hoch. Und überreichte uns stolz die Brötchen! (Naja, genau die Hälfte der Auftragsmenge hatte sie mitgebracht). Aber alles ganz alleine!
Wow! Was für ein großes, zuverlässiges Mädchen! Dem ich scheinbar im Alltag tatsächlich viel zu wenig zutraue....
Montag, 12. Mai 2014
'Lolas verrückte Welt' im Deutschlandradio!!!
Ich kann es immer noch nicht fassen. Heute Mittag kam auf Deutschlandradio Kultur eine fünf-minütige wunderbare Buchkritik über "Lolas verrückte Welt"!!!
Und ich wusste gar nichts davon....
Hier auch der Link zur Seite, aber ihr müsst Euch den Beitrag anhören. Er ist viel besser noch als der Text!
Und ich wusste gar nichts davon....
Hier auch der Link zur Seite, aber ihr müsst Euch den Beitrag anhören. Er ist viel besser noch als der Text!
Samstag, 10. Mai 2014
Rezension über Lolas verrückte Welt in "Gehirn und Geist"
Leben mit einem Trisomie-21-Kind
VON ELENA BERNARD
"Vielleicht war es gar kein Zufall, dass Lola zu mir gekommen war? Vielleicht wollte sie mir zeigen, wie ich mit Gelassenheit und weniger hohen Ansprüchen viel glücklicher durchs Leben komme?" Als Amelie Mahlstedt erfährt, dass ihre zweite Tochter Lola das Down-Syndrom hat, fällt sie in ein Wechselbad der Gefühle. Hin und her gerissen zwischen tiefer Verzweiflung und einer beinah mystisch empfundenen Verbundenheit mit ihrem Kind, lernt sie nach und nach, Lola mit ihrer Besonderheit zu akzeptieren, sie zu lieben und nach bestem Wissen zu fördern. In ihrem Buch lässt sie den Leser an ihrer emotionalen Achterbahnfahrt und an Lolas Entwicklung teilhaben.
Weiter lesen auf der Seite von Gehirn und Geist ...
VON ELENA BERNARD
Amelie Mahlstedt
Lolas verrückte Welt
Verlag: Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2014
ISBN: 9783579070636
17,99 €
Weiter lesen auf der Seite von Gehirn und Geist ...
Sonntag, 4. Mai 2014
Lola und Kwinten
'Wann kommt endlich meine Freundin Lola', hatte Kwinten den ganzen Tag gequengelt. Bevor wir am Donnerstag nachmittag endlich in Clausdorf an der Müritz ankamen. Bei meiner besten Uta und ihrer Familie (die mittlerweile 6 Köpfe zählt). Kwinten ist die Nr. 3 der Großfamilie und Lola eine seiner besten Freundinnen.
Die beiden steckten das ganze Wochenende im wahrsten Sinne unter 'einer Decke' und waren nicht oft zu sehen...
Leider hatten sie vor allem Flausen im Kopf. Wahrscheinlich mag Kwinten Lola vor allem deswegen (weil sie all seinen Quatsch mitmacht...)
Am Mittag gab's Abfall-Weitwurf in den See....
Und anschließend halfen sie dem Papa dabei, den Ofen anzuheizen. Er trug die Holzscheite zum Ofen. Und die beiden trugen sie wieder raus!
Am Nachmittag halfen sie Schafe 'hüten' ( = über die Weide jagen...). Und schütteten ihnen zur Sicherheit den 12 kg Eimer Hafer auf die Wiese (der Bauer war überhaupt gar nicht begeistert!!!). Lola guckte nur unschuldig und zuckte mit den Schultern. 'Schafe essen'.. Klar, die hatten solchen Hunger.
Schön, dass die beiden sich auch ohne Worte so wunderbar verstehen.
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