Donnerstag, 24. März 2016

Lydia Schmieder: 'Leben mit einem beeinträchtigten Kind'

Beim Recherchieren im Internet bin ich gerade zufällig auf ein wissenschaftliches Fachbuch gestossen, in dem mein Buch 'Lolas verrückte Welt'  im Rahmen einer entwicklungspsychologischen Untersuchung verwendet wurde.

http://www.socialnet.de/rezensionen/18846.php

Lydia Schmieder von der Universität Hildesheim hat für ihre Masterarbeit 18 Erfahrungsberichte von Eltern behinderter Kinder untersucht, die in den Jahren 2008 - 2014 erschienen sind. Und sich angeschaut, wie die Eltern mit dem Wendepunkt in ihrem Leben durch die Geburt eines behinderten Kindes umgegangen sind und welche 'psychologischen Bewältigungsstrategien' sie für sich gefunden haben.

Lydia Schmieder's Vorgehen und die Qualität ihrer Masterarbeit wurden als so herausragend bewertet, dass ihre Arbeit in der Reihe 'Bestmasters' im Springer Verlag veröffentlicht wurde!

Das Buch richtet sich vor allem an Dozierende und Studierende im Fachgebiet Entwicklungspsychologie, aber auch Praktiker im Umgang mit Eltern beeinträchtigten Kinder.

Eine ausführliche Rezension findet sich auf socialnet.de  und hier kann man das Buch als pdf  sogar herunterladen.

Hier noch ein Zitat aus dem Schlusskapitel, das den Wert des "expressiven Schreibens" betont, um solch ein einschneidendes Ereignis wie die Geburt eines Kindes mit Behinderung gut zur verarbeiten und in das eigene Leben sinnvoll zu integrieren. In dem die Autorin anregt, Eltern stärker dazu anzuhalten, das Schreiben als 'Therapeutikum' für sich zu nutzen!

"Diese Überlegungen und entsprechende erste Forschungsbefunde deuten das Potential des gezielten Einsatzes von expressivem Schreiben in der Praxis an (Horn & Mehl,2004). Im Rahmen der narrativen Psychotherapie beispielsweise liegt ein Schwerpunkt darin, individuelle, bedeutungsvolle und mit der erlebten Realität kompatible Erzählungen belastender Ereignisse und des Lebens im Allgemeinen zu generieren. Aber auch erste Untersuchungen zu expressivem Schreiben im Internet legen nahe, dass dieses positive Effekte auf Störungssymptome und das Wohlbefinden haben kann. Eine Anwendung dieser Überlegungen und ersten Befunde auf die Stichprobe der Eltern beeinträchtigter Kinder erscheint vielversprechend: Durch weitere Untersuchung sollte exploriert werden, inwieweitdie Befunde zum klassischen Schreib-Paradigma auch auf die besondere Stichprobe der Eltern beeinträchtigter Kinder übertragbar ist. Hiermit eröffneten sich Handlungs- und Interventionsmöglichkeiten in verschiedenen Kontexten: Zum einen könnten die Eltern in Kursen begleitet und angeleitet werden, eigene Gedanken und Gefühle in Bezug auf das Leben mit dem beeinträchtigten Kind niederzuschreiben. Zum anderen könnten die Potentiale des expressiven Schreibens im Internet ausgebaut werden: Neben einem Austausch von Eltern in entsprechenden Foren sind Portale denkbar, in denen die Eltern auch Rückmeldungen und individualisierte Instruktionen durch Therapeuten erhalten. Dies erwies bereits positive Effekte auf Symptome und Wohlbefinden bei Patienten Posttraumatischer Belastungsstörungen (vgl. Horn & Mehl, 2004)."(Schmieder, S. 111 f.)

Montag, 21. März 2016

Alles Gute zum Down-Syndrom Tag!!!!

Auch wenn er schon fast vorbei ist, trotzdem noch allen Menschen mit 3 mal 21 Chromosomen meinen allerherzlichesten Glückwunsch!

Und natürlich besonders Dir, Lola!!!

Zu deinem Extra Packen Witz, Eigensinn und unerschütterlicher Ehrlichkeit, die Du besitzt.

Zu Deiner Fähigkeit, ganz im Moment aufzugehen und an den einfachsten Dingen immer wieder neu Freude zu finden.

Zu Deiner Unangepasstheit, Deiner inneren Stärke und Deiner Fähigkeit, den Mund aufzumachen, wenn all anderen kuschen.

Deiner Begeisterungsfähigkeit, immer wieder aufs neue. Nochmal und nochmal in meine Arme zu fallen, wenn ich Dich abhole. 'Bibi & Tina' zu schauen. Am besten I, II und III, direkt hintereinander.

Für Deine Inbrunst, in der Du den Kakmann-Song laut mitgrölst.
"Wenn ich hier nicht weiterkomm,
dann geh ich durch die Wand.
(...)
ich will mehr,
noch viel mehr!!!"

Und so viel mehr.....

Deine Offenheit, deine Liebe, deinen Dickkopf, deine Fantasie, deine Spiellust, dein strahlendes Charisma, besonders auf der Bühne. Dein Strahlen überhaupt, wenn Du so richtig von einer Sache gepackt wirst....

So hart der Brocken (Dickkopf, Charakter, Unangepasstheit) auch oft ist, ich möchte keinen Moment mit Dir vermissen!!!

Und auch meinen Glückwunsch an all die, die das Glück haben, einen Menschen mit diesem Extra-Paket Humor, Eigensinn und Fantasie in der Familie oder als Freund zu haben. Es ist ein Geschenk des Universums!

Danke!

Und für Lola, hier noch der Link zu ihrem Lieblinsgsong



Mal schauen, ob wir ein Video machen können von Lola, wie sie diesen Song mitsingt! Das müsst ihr gesehen haben!!!

A new song by Pavel

Pavel kommt in die Küche. Hochrot und fiebrig, schwankend, ist er vom 'Krankenbett' aufgestanden.

"Ich hab Euch ein neues Lied mitgebracht."

Mama, ist froh, dass er überhaupt wieder gehen kann. Und dann auch noch so klar sprechen...

"Ach ja, welches denn?"

"Das darf ich nicht verraten. Das will das Lied nicht."

"Bist du denn der einzige, der das Lied kennt?"

"Ja. Denn das Lied ist gefährlich. Das dürfen nur Kinder wissen. Keine Erwachsenen."

Sonntag, 20. März 2016

Jeden Tag eine gute Tat

Ein Tag auf der Buchmesse liegt hinter mir. Ein spannendes Buch in meiner Hand, das ich schnell noch in der S-Bahn 'verschlinge'. Ausstieg 'Wilhelm-Leuschner-Platz'. Die Sonne scheint, Menschen auf Bänken, alles lacht. Mein Fahrrad wartet auf die Heimfahrt, aber ich setze mich auf eine Bank. Lache mit und beende das Buch-Kapitel. So einfach kann es sein. Manchmal.

Vertieft wache ich aus auf dem Buch und bemerke drei junge Menschen. Dunkel gekleidet. Mustern die Passanten, streben raschen Schrittes auf einen zu, verwickeln ihn in ein kurzes Gespräch. Die Passanten winken ab, streben weiter. Schon stechen sie zu auf den nächsten. Skurril wirkt das Ganze. Wie ein Tanz der Vampire. So dunkel wie die drei gekleidet sind, so ernst ihr Gesichtsausdruck.

Zeugen Jehovas, die nun in offensiver Mission sind? Politische Aktivisten? Nein. Eine Performance. Wie diese, die ich neulich bei der Galerie für Zeitgenössische Kunst gesehen habe. Die machen ein Video über die Reaktionen der Passanten auf direkte Fragen. Vielleicht zur Flüchtlingsfrage, zu anderen Formen der Diskriminierung. Wollen die Gleichgültigkeit der Menschen darstellen. Ich suche den Vorplatz nach Video-Kameras ab. Außer den Überwachungskameras über dem S-Bahn-Eingang kann ich keine entdecken.

Neben mir sitzt ein anderer unbeteiligter Sonnen-Genießer. Er scheint nichts zu bemerken. Ich fange seinen Blick. "Was machen DIE?", frage ich ihn mit geheimnisvollem Unterton. "Ist das eine Performance?"

Er zieht die Brauen hoch. "Die werben für irgendwas," sagt er achselzuckend und deutet auf ein paar weiße Aktenordner, die auf den Bänken neben uns liegen. Neben ein paar dunklen Sonnenbrillen.

"Aber doch nicht so! Indem sie direkt auf die Passanten zustechen, mit solch einem Gesichtsausdruck. Das verschreckt doch jeden! Das ist bestimmt eine Form 'versteckter Kamera'".

Mißtrauisch mustern wir nun schon zu zweit das bizarre Vorgehen der drei dunklen Gestalten, eine weiblich, zwei männlich.

Die Frau bemerkt unsere Aufmerksamkeit, wendet den Blick von den Passanten uns zu und kommt näher. Jetzt sind wir dran!

"Was macht ihr da?", frage ich offensiv. Gar keine Angriffsfläche bieten. Gleich deutlich machen, dass ich das Spiel durchschaut habe. Ich falle nicht rein auf solche Aktionen.

"Wir suchen Unterstützer für die Christoffel-Mission."

Wusste ich es doch. Irgendwelche Missionare.

"Das ist eine Organisation, die weltweit blinde Menschen unterstützt", sagt sie.

Blinde Menschen? Im Glauben, oder was ihr Augenlicht angeht? Ich muss an meine Nachbarin denken, die drei kleine Söhne hat. Und nach der Geburt des Jüngsten aufgrund einer Blutvergiftung erblindet ist.

"Ja? Meine Nachbarin ist auch blind", sage ich. Als ob mich das schützen könnte.

"Wenn Sie mögen, kann ich Ihnen mehr über die Organisation erzählen", sagt sie. Und sieht schon viel weniger streng aus.

"Ihr werbt wirklich für eine Organisation? So ganz ohne Material und Tisch und Broschüren? Indem ihr direkt auf die Leute zurennt? Das kann doch nicht klappen", sage ich. Obwohl ich immer noch nicht sicher bin, welcher Film gerade läuft.

"Ja, wir hatten heute kein Auto und mussten mit der Bahn kommen. Da war kein Platz für das ganze Material", sagt sie und lächelt entschuldigend. "Aber ich erzähle Ihnen gerne mehr."

Normalerweise sagen ich immer in diesen Situationen, dass ich ihr Engagement sehr gut finde. Aber leider schon Mitglied und Unterstützer mehrerer Vereine bin. Und außerdem von drei Kindern, was mir weder zeitlich noch finanziell große Ressourcen lässt. Aber irgendwie will ich wissen, ob es stimmt, was sie behauptet. Oder am Ende doch nur eine große Plastikente aus dem Ordner in mein Gesicht springt. Und nicke zustimmend.

Sie holt den Ordner von der Bank und setzt sich neben mich. Öffnet die erste Seite. Ein Bild von einem dunkelhäutigen Kind mit Augenverband erscheint. Ohne Ente.

Dann erklärt sie mir, wie sich ihre Organisation weltweit für von Erblindung bedrohte Menschen einsetzt. Medikamente gibt, Operationen vornimmt. Kleine Eingriffe mit großer Wirkung. Zeigt mir Bilder, Zahlen, Tabellen. Ich lese Werbesprüche, denen ich kaum Glauben schenken kann. Schon 50€ schenken einem Menschen sein Augenlicht.

"So wenig? Wie kann eine Operation so günstig sein?" frage ich.

"Durch das unentgeltliche Engagement von 'Ärzte ohne Grenzen'. Die ihre Arbeit nicht in Rechnung stellen", sagt sie und lächelt.

So viele Menschen auf der Welt leisten so viel für andere. Denke ich. Aber die will mich doch nur rumkriegen. Denkt die andere Seite.

"Und warum macht ihr mit einem so grimmigen Gesichtsausdruck Werbung für eine so gute Sache?", frage ich. "Ihr habt gerade die Leute angeguckt, als wolltet ihr sie lynchen, wenn sie nicht direkt stehen bleiben."

"Ach", sagte sie und der letzte Ernst fällt aus ihrem Gesicht. "Weil heute einfach der Wurm drin ist. Von Anfang an ist es nicht gelaufen. Wir haben überhaupt nichts hingekriegt heute. Den ganzen Tag. Obwohl die Sonne scheint, Massen an Leuten hier freundlich in der Sonne saßen. Aber niemand wollte uns unterstützen... jetzt machen wir noch eine Extra-Überstunde, in der Hoffnung, wenigstens noch ein paar Unterstützer zu gewinnen."

"Na, so wie ihr die Leute attackiert habt, wundert mich das nicht", sage ich und lache sie an.

"Wirklich? War es so schlimm?", sagt sie und schüttelt seufzend den Kopf. "Ich weiß einfach nicht, was heute los ist. Keine Ahnung. An anderen Tagen läuft es so gut. Aber heute... . Und ich bin die Koordinatorin. Bin verantwortlich, dass alles läuft. Keine Ahnung, wie ich das meinem Chef erklären soll."

"Den Stress hat man Euch echt angesehen. Dass ihr jetzt UNBEDINGT jemanden ansprechen wollt. Mit solch einem Druck, dass alle gleich weiter wollten. Wie es so ist, wenn man unbedingt etwas will...", sage ich und muss an meine Versuche denken, meine Selbständigkeit aufzubauen. Je krampfhafter ich mich bemühe, desto mehr verschlossene Türen finde ich.

Aber jetzt scheint die Sonne. Ein schöner Tag auf der Buchmesse liegt hinter mir. Vor mir sitzt eine verzweifelte junge Frau, die sich für blinde Menschen einsetzt. So wie viele andere auf der Welt. Für Menschen, wie meine Nachbarin. Damit sie nicht das Augenlicht verlieren. Und die Sonne scheint. Und heute bin ich nur durch sperrangelweite Türen gerannt.

"Was ist denn der Mitgliedsbeitrag?", frage ich.

"6 Euro monatlich", sagt die junge Frau und guckt mich irritiert an. Als sei das das Letzte, was sie erwartet hätte. Nachdem sie mir ihre auswegslose Tagessituation samt Resignation erzählt hat.

6 Euro im Monat. Das sind zwei große Milch-Kaffee. Das geht, denke ich.

"Ich würde gern Förderer werden!", sage ich. Und bin selber überrascht über meine Entscheidung.

"Wirklich?", sagt sie. "Das gibt's doch nicht..."

"Ja, ich denke, das ist eine gute Sache."

Ungläubig schüttelt sie den Kopf. "Das hab ich ja noch nie erlebt. Das ist ja Wahnsinn", sagt sie. Und grinst plötzlich über beide Backen.

Sie füllt den Antrag aus. Ich unterschreibe. Und weiß nicht so recht, was ich da gerade gemacht habe. Aber es fühlt sich großartig an.

"Du hast meinen Tag gerettet. Danke!!!", sagt sie zum Abschied und strahlt mich an.

"Das freut mich", sage ich und fühle Kribbeln im ganzen Körper. Steige auf mein Fahrrad und fahre in der lauen Frühlingsluft nach Hause. So einfach kann sich Glück anfühlen.

Vielleicht sollte ich jetzt mal googlen, was diese Christoffel-Mission eigentlich macht? Und wer dahinter steckt? Vielleicht ist es auch egal... 

meine kraft (I)

meine kraft liegt auf der strasse.
wie ein motor ohne karrosserie.
er fragt, wohin?
und heult und jault.
aber er kann nicht fahren.
ihm fehlen die räder.

und strassenkarten?
google-maps.
geo.was?
kompass? das konnte ich doch mal.
ich brauch doch eigentlich nur eine richtung!

lass mich gehen.
vertrau dir.
schreit es in mir.
es wird dich führen.

aber der wagen muss doch blitzen.
die koordinaten klar sein.
kommt die antwort.

klares ziel.
hoher anspruch.
reinhaun.
das kannst du.

bin ich immer noch der hamster von gestern?

nein, das macht spass.
sagt die lerche.

echt?
sagt die krähe.
und hackt.

ich weiß auch nicht.

meine jahre verrinnen.
vielleicht tun sie das
so oder so.

ich wollte,
sie hätten einen namen.

Sonntag, 14. Februar 2016

Lesen, Schreiben und Rechnen - ganz ohne Widerstand

Ich wollte Euch noch ein Resumée von Lolas Ski-Therapie-Woche geben, die für mich ein voller Erfolg war. Klar: Lola kann jetzt auf Skiern stehen und kommt Abhänge runter. Vor allem habe aber habe ich gelernt, wie ich mit ihrem Widerstand umgehen kann und was sie alles kann!!! (Neben all dem, was ich über mich selbst gelernt habe....)

 Hier meine Zusammenfassung:


Lola hat ein riesiges Potential (kognitiv und von der Auffassungsgabe her), hat sich aber leider eine sehr störende und vor allem sie selbst behindernde Verweigerungshaltung 'angewöhnt', die sich durch Schreien, Kreischen, Hinwerfen, Weglaufen äußert.

Als Umgang damit habe ich folgendes gelernt und auch sehr erfolgreich umgesetzt.

- Schreien und Kreischen konsequent ignorieren bzw. nicht darauf eingehen. ('Lola, so bitte nicht! Das kannst du auch anders sagen!) und ihre Wünsche erst erfüllen, wenn sie sie ruhig und freundlich äußert
- Ganze Sätze in freundlicher Sprechweise von ihr einfordern, wenn sie etwas haben möchte ('Kannst du mir bitte helfen'? Darf ich bitte ... haben?')
- Wenn sie aus Frustration schreit (weil etwas nicht klappt, wie zum Beispiel das Anschieben auf Skiern im Schnee), grundsätzlich ignorieren (ist fast immer 'Show', um Anstrengung zu vermeiden), bis sie wieder 'ansprechbar' bzw. ruhig ist. sie muss lernen, dass sie mit Schreien überhaupt nicht weiterkommt.
- Auf jeden Fall dranbleiben, dass sie eine einmal gestellte Aufgabe erledigt. Zur Not muss sie auf Annehmlichkeiten (Pause, Versper...) verzichten, bis sie fertig ist. Sie also nicht von der Aufgabe 'erlösen'... (wenn ich sage, dass sie jetzt 5 mal die Piste runter fährt, dann macht sie das auch!)
- das gilt auch und gerade für Schulaufgaben, wo sie oft überfordert und müde 'tut', um sich zu drücken. auf jeden Fall dranbleiben, dann schafft sie Erstaunliches!!!


Unser 'Lernprogramm' war Folgendes und in kleinen Schritten sehr erfolgreich.

- Alle Zahlen bis 8 Schreiben
- ich habe immer ganz genau darauf geachtet, dass die Schreibrichtung richtig ist und sie auch richtig absetzt, vor allem bei der 1, 6, 7 und 8, die wir sehr sehr sehr viel geübt haben
- Prinzip: erst Groß nachspuren, dann kleiner nachspuren, dann mit Hilfspunkten, dann alleine

- lieber einige wenige schwierige Zahlen intensiv über Tage hinweg üben!
- vor allem geübt haben wir die 1 (Hoch-Stopp-Runter) (sie vergisst oft die Spitze)
- die 7 (Rüber-Stopp-Runter-Strich) (wird manchmal zur 1)
- die 6 (geht sicher)
- die 8 (haben ganz lange nachspuren geübt, und dann konsequent darauf geachtet, dass sie in der Mitte beginnt und dann nach rechts oben loslegt, bis die Bewegung 'automatisiert' ist. Es geht noch nicht sicher, aber immer besser...)

Rechnen:
- vor allem erstmal nur +1 bis 8
- also 1+1=, 2+1=, 3+1=, ...
- im Kopf kann sie das sicher bis 5+1
- langsam versteht sie, dass +1 immer die nächste Zahl in der 1er-Reihe erzeugt, aber noch nicht sicher...
- geübt haben wir auch mit den Fingern rechnen nach 'Yes we can'; das klappt schon ganz gut, aber nur mit Unterstützung


Mengenerfassung:
- Mengen (bis 8) als Rechensteine vor sie legen und spontan sagen bzw zählen lassen
- Steine wegnehmen oder dazutun und zählen lassen (auch gerne immer nur einen oder zwei)
- so versteht sie langsam die Mengen-Zahlen-Korrespondenz (aber noch lange nicht sicher)


Lesen und Schreiben:

- Lola kennt sicher die Kieler Lautgebärden und Großbuchstaben aller Vokale und die  Konsonanten (M, R, S, P, N)
- wir arbeiten mit dem - wie ich finde- hervorragenden Leselehrgang 'Lulu lernt lesen', der sehr sehr kleinschrittig und vor allem lautgetreu vorgeht


- Lesen und Schreiben bekannter Wörter, z.B. ROSE, NASE, ROSINE, POPO, PIPI, PUMA, MELONE, SALAMI...
- Lesen kleiner Sätze mit Klein- und Großbuchstaben. z.B. Oma und Opa lesen. Lola malt. Nina und Lisa malen.
- Schreiben kleiner Vokale (i, o, u gehen ganz gut, a und e fallen ihr noch schwer)
- das Nachschreiben von Silben (MA, NE, LA), die man ihr nur kurz vorsagt bzw. zeigt, fällt ihr noch sehr schwer, ist aber eine sinnvolle Übung, um ins eigene Schreiben (statt Abschreiben) zu kommen. 


Eigenständiges Arbeiten:
- Lola hat von mir immer etwa 4 Blätter mit Aufgaben bekommen für ca. 1 Stunde 'Unterricht' und 2 davon immer recht selbständig gelöst (mit kleinen Erinnerungshilfen); bei den anderen brauchte sie oft Unterstützung
- gut alleine kann sie Wörter mit Großbuchstaben nachschreiben (etwa 6 bis 7 Wörter)
- sie macht auch gerne alleine Rechenaufgaben (+1) (etwa 6 bis 8 Aufgaben)
- beim Einüben neuer Buchstaben (z.B. Kleinbuchstaben) und dem Schreiben schwieriger Zahlen (ca. 15-20 Mal) braucht sie unbedingt Unterstützung, weil sie alleine oft aufgibt, verweigert und vor allem viele Fehler macht und sich eine falsche Schreibweise angewöhnt
- wenn sie bei Ende der Stunde noch nicht fertig war, musste sie aber trotzdem weiter machen (langsam arbeiten und verweigern hat sich also nicht bewährt...)

Schreiben mit Lineatur bzw. Kästchen:
- Schreiben (Zahlen und Worte) sollte Lola am besten auf Extra Papier mit Hilfslinien, weil ihr das sehr bei der Orientierung ('im Raum') und bei der Genauigkeit hilft
- Damit hat sie aufgrund ihrer schlechten Feinmotorik einfach Probleme. Fordert man das genaue Schreiben aber ein, kann sie sehr genau auf der Linie schreiben!!!!
- Papier kann man z.B. beim Waldorf-Online-Shop Sedulus bestellen (http://www.sedulus.de/index.php/de/Schreib-Lineaturen-Einzelbogen-Papiere-und-Lineaturen-Bogenware/l-KAT99)
- die haben auch super Förderhefte, besonders auch fürs Rechnen mit ganz großen Kästchen (http://www.sedulus.de/index.php/de/Foerderheft-Rechnen-20-x-20-mm/c-KAT15/a-FRH20)
- das wird bei vielen Waldorfschule von Anfang an verwendet und hilft vor allem den Förderschülern!!!

So, das waren viele Details Aber für Eltern ähnlich alter Kinder oder für Lehrer bzw. Sonderpädagogen hoffentlich hilfreich und interessant.  

Denn, was viele Eltern aus den integrativen Schulen berichten, ist, dass ihre Kinder mit DS oft systematisch unterschätzt werden!!!Aber so viel Freude am Lernen und Wachsen haben, wenn sie endlich in ihrem Wunsch nach Weiterentwicklung ernst genommen werden...

Freitag, 5. Februar 2016

Der Knoten ist geplatzt!!!

 Lola fährt Ski!!! Leider noch ohne Beweisfoto, da gestern so starker Schneefall war, dass ich meine Kamera nicht gezückt habe. Aber hier immerhin eines vom Lift, den sie mittlerweile ganz alleine und souverän benutzt... Und danach, mit Unterstützung der Skilehrer und guter Motivation, alleine die Piste hinunter sauste! Strahlend und voller Stolz!


Und was hat den Knoten beim Skifahren zum Platzen gebracht? Ja, es war wohl vor allem die Arbeit an mir und meinem Umgang mit Lola. Denn ich war manchmal so wütend und sauer auf Lola, als sie beim Skifahren nicht mitmachte, dass auch sie immer weiter verhärtete, schrie und bockte. Je mehr ich kochte und schimpfte, desto dichter machte sie und verweigerte sich irgendwann nur noch. Lag nur noch schreiend im Schnee. 

Bis Sabine, die Leiterin, irgendwann zu mir kam und meinte, ob ich nicht einfach mal zur Skihütte gehen will und mir einen Kaffee holen. 'Nein', schimpfte ich. 'Ich will ja eben, dass Lola mit MIR kooperiert und lernt, das zu tun, was ich mir wünsche...' Innerlich war ich aber so fest und hart, dass keine Verbindung mit ihr möglich war. Ich sah nur noch ihre Verweigerung und gar nicht mehr ihre vielen kleinen Fortschritte.Und konnte sie auch gar nicht motiveren, das Skifahren nochmal zu versuchen.

'Was wünscht DU dir denn?", fragte mich Sabine. Und da brach plötzlich in einem Schwall aus Wut und Ärger und Tränen aller Frust aus mir heraus. Während Sabine zuhörte. Und verstand. Und als ich mich wieder beruhigt hatte und der ganze Druck weg war, beugte ich mich zu Lola. Und da war auch sie ganz ruhig. Und ließ sich ohne Widerstand ihre Skibrille aufsetzen. Und als eine der Skilehrerinnen kam, und fragte: 'Lola. Willsch etz Ski fahre mit mia...', da nickte Lola. Und fuhr ohne jeden Protest die Piste hinunter... Dreimal hinter einander. Ganz stolz und glücklich.    



Am Abend war dann Faschingsparty - und Lola der witzigste Clown aller Zeiten! Ein Talent zum Schauspielern hat sie ja eh...


Und nicht zu vergessen. Jeden Vormittag sind alle Kinder im 'Lernstübchen'. Zwei Schulstunden Lesen, Schreiben, Rechnen. Wo es vor allem darum geht, eigengesteuert arbeiten zu lernen. Jedes Kind bringt seine eigenen Aufgaben mit und arbeitet daran. Lola schreibt ganz alleine ohne Unterstützung Worte nach (OPA, LISA, PUMA, ROSA, ...), rechnet sicher bis 6, mit kleiner Erinnerung und übt gerade alle Zahlen bis 10 sicher und richtig herum schreiben. Mit großer Begeisterung! Und ich freue mich so für sie...