Freitag, 13. Februar 2026

Auszeit in Halle-Neustadt

Diese Woche hatte ich ein paar Tage kinderfrei - alle Kinder ausgeflogen in diverse 'Lager' (Schulclub, Chor), und ich gönnte mir mal nen kleinen Trip ganz alleine. 

Um meine Serie an Misserfolgen nicht abreissen zu lassen, hab ich mir die schönste Stadt der Umgebung ausgesucht: Halle-Neustadt. Ein wahres Zeugnis sozialistischen Wohnungsbaus.

Drei Ballspieler: Rudolf Hilscher

Um ehrlich zu sein, ich hatte eigentlich einen Kurztrip nach Halle gemacht, und mir da ein kleines feines AirBnB gemietet. Das beste und günstigste, was mir die Plattform am Abend vorher ausgespuckt hat, als ich im Umkreis von 150 km um Leipzig eine Unterkunft gesucht hab. 

Denn ich wollte mal wieder raus aus den vier Wänden, durch Cafes und Strassen bummeln - und an meinem neuen Buch weiterschreiben. Ohne durch Aufräumattacken, liebe Freunde, Bürokram und sonstige Haushaltsaufgaben - davon abgehalten zu werden.

Chemiebrunnen: Irmtraud Ohme


Und das mit dem Schreiben klappte in Halle auch ganz gut - drei Kapitel in drei Tagen! Was die Qualität angeht, bin ich noch nicht so sicher. (Ich frag gleich mal Chat-GPT, was es davon hält). Aber mein Pensum war geschafft. Puh! 

Nur das mit dem schön Ausgehen, Bummeln, Cafes, Ausstellungen, das fand nicht auch noch Platz in den Tagen leider. Denn wenn man alleine ist, und keine klaren Aufgaben hat (außer schreiben), ist der Tag nullkommanix vorbei: mit Aufstehen (1 h), Duschen (1h), Frühstücken (1h), Überlegen, wo man hingeht (1h), langsam losgehen (1h), nochmal umdrehen (1h), usw.. Was lob ich mir die Kinder. Die halten einen wenigstens auf Trab.

Wenigstens am Abreisetag wollte ich noch ein bisschen von Halle sehen (außer der Saaleaue, die kannte ich mittlerweile). Und wie es das Schicksal wollte, fiel mein Blick auf einen Stadführer, der im AirBnB stand: Halle-Neustadt! Da, wo man nie aussteigt oder immer schnell dran vorbeifährt. Vergleichbar mit Berlin-Marzahn oder Grünau in Leipzig.

Nasreddin Brunnen: Bernd Göbel

Aber gut: man muss antizyklisch Urlaub machen: und dahin fahren, wo alle wegwollen. Und da der Stadtführer natürlich der Ansicht war, dass Halle-Neustadt unbedingt einen Besuch wert ist und nicht nur schöne Feinschmecker, sondern auch Kunst-Touren anbot, stapfte ich los. Um mir die dort angespriesene Skulpturen-Kunst im öffentlichen Raum anzuschauen. 

Denn die vielen Skulpturen von DDR-Künstlern sind mir auch schon in Leipzig immer wieder aufgefallen und ein Foto wert gewesen. Sozialistische Kunst unter freiem Himmel - natürlich allesamt Freikörperkultur.

Turnende Kinder


Und obgleich der dreistündige Fussmarsch im Regen durch gewaltige Häuserschluchten sich doch empfindlich zog, hab ich alle versprochenen Skulpturen, Brunnen und bemalten Häuserwände abgewandert - viele sogar abgelichtet - und mich durchaus an den Werken erfreut. Und wieder einen Blick in eine vergangene Zeit erhaschen können.

Und als ich kurz etwas schwächelte, hab ich ein spontanes Päuschen in der Passage 13 eingelegt, einem Kulturzentrum / Nachbarschaftstreff auf der Neustädter Allee - und einen tollen Ort kennengelernt, wo jeder der mag Billard, Tischtennis oder Theater spielen kann. Malen, Basteln oder Handwerken. Mit allen Utensilien, die das Herz erfreuen. So was sollte es überall geben!

Spontan wurde ich ich von den herzlichen Leuten eingeladen,  doch bei einem Quiz mitzumachen: gemeinsam mit einer bunten Mischung an Schülern, Senioren und liegengebliebener Heimatloser (wie mir). 

Doch nachdem ich im Quizteil zur Allgemeinbildung, nur 3 von 8 Punkten bekam - und alle anderen besser abschnitten als ich - hab ich mich unauffällig davon gemacht, mit dem Hinweis, dass ich leider leider keine Zeit mehr hab. Muss ja noch Skulpturen angucken! 

 

Turnende Kinder

Wenn Ihr also auch mal was anderes wollt, als die ewig kuratierten, gut klimatisierten, pädagogisch wertvollen Museen und Ausstellungen, dann macht Euch einfach mal zu Fuss auf: nach Halle-Neustadt! Denn bei schönem Wetter und mit guten Schuhen ist es durchaus einen Besuch wert.


Die Idee wird zur materiellen Gewalt, wenn sie die Massen ergreift: Josep Renau


Frauenbrunnen: Gerhard Lichtenfeld


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