Montag, 21. September 2026

Sonntag im Bildermuseum

Am Sonntagnachmittag gehen wir fast immer zum Caracan, einer spanischen Bar mit Freisitz im Leipziger Auwald. Doch angesichts des Dauerregens, war Lola gestern ganz und gar nicht begeistert von dieser Idee. 

"Will Schwimmbad gehen", sagte sie. Aber mir war fröstelig. 

"Vielleicht mal wieder ins Museum?", fragte ich vorsichtig. Denn in den letzten Monaten war das ein absolutes No-Go für sie. 

"Museum, aber nur mit Bildern".

Ja klar, was sonst, dachte ich. "Vielleicht ins Bildermuseum?, fragte ich. Und zu meiner grossen Überraschung hatte sie sofort Lust. 

Immerhin waren wir dort einmal zusammen bei der Ausstellung der mexikanischen Künstlerin Olga Costa, deren Bilder Lola begeistert hatten. Stundenlang hatte sie vor deren farbenfrohen Bildern gestanden und sich gar nicht satt sehen können. Wohingegen die hochgelobte Rembrandt Ausstellung sie eher gelangweilt hatte. 



Ich selber mag die Ausstellung alter DDR-Künstler:innen im Rahmen von Bilderkosmos # 3 im Bildermuseum (MdbK) sehr und dachte, dass ihr das vielleicht auch gefallen könnte. Also abgemacht, um 15 Uhr ging es los. Mit Regenklamotten sicher eingepackt, auf zum Kulturausflug. 

 Doch leider sagten ihr die meisten Bilder ganz und gar nicht zu. 

 

Einzig und alleine Bilder mit geometrischen Formen, so wie Hermann Glöckners 'Verklammerung' mochte sie sehr. Und einige Landschaftsbilder, u.a. der 'Schule von Barbizon'. 


Auch einige Skulpturen fand sie ganz spannend. Aber ansonsten erweckte Weniges ihre Begeisterung. 

Doch verblüfft blieb sie plötzlich an einem Werk stehen, mit dem Ausruf. "Da ist Napoleon! Kenn das, aus Geschichte!" Tatsächlich, da saß er. Ich hätte ihn nicht erkannt...

Nach einem kurzen Rundgang durch alle Etagen gingen wir dann aber doch lieber gemütlich Kuchen essen und Kaffeetrinken, in der Pinguin Eisbar am Marktplatz. Wo ich in 23 Jahren in Leipzig noch nie war. Auf jeden Fall eine schöne Neu-Entdeckung. 

 

So haben wir - dem Regen sei Dank - gesten einen ganz schönen Sonntagnachmittag verlebt. Mit Kultur & Kuchen.

Sonntag, 20. September 2026

Musst Du träumen, Mama!

Heute früh war ich trotz Ausschlafens noch etwas müde und saß mit leichten Kopfschmerzen am Frühstückstisch. Der Wetterwechsel, was auch immer. 

"Mama, Du müde?", fragte Lola. Ich nickte. 

"Musst Du Joggen gehen, Freunde treffen, oder Tanzen gehen!" Drei Möglichkeiten. Dann, du besser. Brauchst das!", sagte sie und grinste mich an. Ich nickte. Wie gut sie mich kennt.

Dennoch blieb ich etwas in mich gekehrt sitzen. In Gedanken an jemanden, den ich gerne mag. Eine Sympathie, die aber leider nicht für mich sichtbar erwidert wird. 

"Du traurig?", fragte Lola. Eine messerscharfe Leserin meiner Emotionen. Wieder nickte ich.

"Du denken an M?", fragte Lola. 

"Nein nein", sagte ich schnell. "Ich glaube, ich hätte nur gern mal wieder einen neuen Freund". 

"Mama! Du musst erst träumen von Deine Freund. Dann alles gut!"

"Selbst ist die Frau" - alleine zu Hause

Gestern musste (durfte) Lola den ganzen Tag alleine zu Hause bleiben, weil ich beruflich unterwegs war. Sie hatte sich schon die ganze Woche auf 'Sturmfrei' gefreut. Vor allem, da sie an solchen Tagen immer ihren Computer ganztägig nutzen darf - zum Musik hören, Videos gucken und für Internetrecherchen. Kein Wunder, dass sie voller Vorfreude war. 

Den ganztägigen Medienkonsum stellte ich aber unter eine Bedingung. Dass sie eine Reihe von Aufgaben im Haushalt erledigen sollte, die ich alle auf einen Zettel schrieb, mit Feldern zum Abhaken dahinter.  

"Klar, Mama! Mach ich alles!", versprach sie mir am Morgen hoch und heilig. "Bin gross. Schaff das!" Und rannte in ihr Zimmer, um Geige zu üben. Die erste ihrer 'Aufgaben'.

Gespannt stieg ich ins Auto, ob sie wohl ihr Versprechen halten würde.

Als ich am Abend die Wohnungstüre aufschloss, roch es nach gebratenen (eher etwas angebrannten) Nudeln. Beim Blick in die Küche sah alles ordentlich aus, nur auf der Anrichte zwei leere Teller und im Regal die Pfanne, mit schwarzen Resten einer Kruste. 

Oh, da war der Blumenkohl-Auflauf, den sie sich in der Pfanne warm machen sollte, wohl etwas dunkel geworden. Aber sie schien ihn wirklich aufgewärmt und gegessen zu haben. Und hatte sogar die Pfanne danach geschrubbt. Die Reste des angebrannten Essens klebten noch in der Spüle. NUn gut, wo gehobelt wird, da fallen auch Späne.

Neugierig schaute ich mich auch sonst um. Die Spülmaschine war tatsächlich ausgeräumt. Der Plastikmülleimer leer, sogar eine neue Tüte drin. Die Wäsche war zusammengelegt, die nasse Wäsche aufgehängt. Irre! 

Vorsichtig klopfte ich an ihr Zimmer. In ihrer schönsten Festtagskleidung und perfekt geschminkt saß sie vor dem Sofa und hörte tiefenentspannt Musik. Grinste mich zufrieden an und deutete stolz um sich in ihr Zimmer. Der Boden war aufgeräumt und gesaugt! Aller Krismkram lag eine Etage höher auf ihren Regalen.

Leider hatte ich keine Chance, ihre meine Freude auszudrücken, denn umgehend warf sie mich aus ihrem Zimmer. "Geh bitte, Mama. Will weiter in Ruhe Musik hören!" Und wollte auch nicht zu mir in die Küche kommen, um vom Tag zu erzählen.

Tja, hab ich als Mutter wohl bald ausgedient :-)

Dienstag, 15. September 2026

Langsam Ankommen in der 'Werkstatt'

Lola kommt langsam n der neuen 'Lernumgebung' der Lindenwerkstätten an, wo sie gerade das Eingangsverfahren (EV) begonnen hat. Um zu schauen, ob der dortige Berufsbildungsbereich (BBB) und die Werkstatt für Menschen mit Behinderung (WfbM) der richtige Ort für sie sind - so zumindest das offizielle Ziel des Eingangsverfahrens. 

Nachdem sie am ersten Tag Feuer und Flamme mit ihren Arbeitsklamotten in die Werkstatt ging, um direkt im Lindencafe in der Küche durchzustarten - so ihr Plan, waren die ersten Tage für sie doch etwas 'ernüchternd'.

Denn statt den Kochlöffel zu schwingen und hinter dem Herd zu stehen, lernte sich die neue sechsköpfige Ausbildungsgruppe erstmal in Ruhe kennen. Es galt Arbeits- und Brandschutzvorschriften kennen zu lernen, das Haus zu erkunden, alle Gruppen und die Namen der Gruppenleiter zu lernen. Und einiges an Papierkram zu erledigen. Was Lola zusehends frustrierte. 

"Langweilig", sagte sie am Ende der ersten Woche. Und plante schon, wo sie nach ihrem zweijährigen BBB  hinwechseln will. 

Mitte der zweiten Woche versteckte sie sich beim Herbstfest erstmal eine Stunde in einer Besenkammer und war nicht mehr auffindbar. 

Mein Mutterherz war in hellem Aufruhr. Denn nichts fällt mir schwerer, als Lola unglücklich zu sehen. War die Werkstatt dort doch nicht der richtige Ort für sie? War sie unterfordert? Oder von den vielen Leuten dort überfordert? Fehlten ihr Strukturen? 

Es fiel mir schwer, ihren anfänglichen Frust auszuhalten - nach 12 langen Schuljahren in der bunten und heimeligen Waldorfschule, aus der sie (fast) immer strahlend zurückkehrte. Fieberhaft überlegte ich schon die verschiedensten Alternativszenarien. 

Wie schwer es mir doch fällt, diesen Übergang und die damit einhergehenden Gefühle zu ertragen. Dass nicht immer alles gleich wunderbar ist und Lola begeistert. 

Doch als sie Ende der letzten Woche über zwei Tage lang mit dem dem Hamet e+ auf ihre handwerklich-motorischen Basiskompetenzen getestet wurde, wurde sie zufriedener. Erst war sie zwar sehr frustriert, weil sie nicht alles super konnte (wie auch), aber schien sich dann doch ganz gut geschlagen zu haben. Am Freitag  kam sie strahlend und stolz zurück nach Hause. "Super gelaufen", sagte sie. "Nur neun Fehler". Wo auch immer sie das her hatte. 

Oft ist sie in solchen Test- oder Prüfungssituationen furchbar ehrgeizig, und frustriert, wenn sie nicht alles gut kann. Wollte auch in der Schule immer eine 1 haben. Aber nachdem sie verstanden hatte, dass sie mit dem 'Hamet' nur schauen wollten, welche Komptenzen sie schon gut entwickelt hat und dass sie nicht 'durchfallen' kann, entspannte sie sich. Aber immerhin, sie hatte etwas Konkretes zu tun und konnte sich beweisen. 

Am gestrigen Montag ging sie dann zum ersten Mal wirklich vorfreudig 'zur Arbeit'. Sie scheint sich in der kleinen Gruppe immer wohler zu fühlen, mag ihre Bildungsbegleiterinnen und die Ergotherapie-Praktikantin sehr. Und hat auch zusehends Spass an den ersten kleineren Arbeiten im Gruppenraum. Eine Tasche bedrucken, einen Papierkorb aus Altpapier basteln (Up-Cycling), Pommes & Burger selber machen... 

Auch die gemütlichen gemeinsamen Runden mit Kaffee / Tee und Gesprächen, beginnt sie zu mögen.  Und so kam sie in den letzten beiden Tagen doch ganz fröhlich und zufrieden von 'der Arbeit' zurück. Und meine Mutterseele entspannte sich zusehends.

Dem Ankommen in der neuen Umgebung der Werkstatt und dem gegenseitigen Kennelernen wird dort im Eingangsverfahren doch sehr viel Raum gegeben. Was ich selber auch nicht so erwartet hatte.

Zum Glück hatte ich gestern noch ein kurzes Gespräch mit der Leiterin des Begleitenden Dienstes, die mir sehr nett und offen noch einiges über den weiteren Ablauf des BBB erklärte, wie auch berufliche Weiterentwicklungsmöglichkeiten über Praktika und den Übergang in den Arbeitsbereich nach den zwei Jahren. So dass ich langsam zu verstehen beginne, wie alles abläuft und mich in den neuen Lebens- und Arbeitsort von Lola hineinentspannen kann. 

Ich werde weiter berichten :-) 

Montag, 7. September 2026

Beim Wincent Weiss Konzert!!!

Letzten Freitag wurde Lola's Traum wahr - und wir waren beim Wincent Weiss Konzert in Magdeburg. Ein Geschenk ihrer Klasse zu ihrem 18. Geburtstag!!! 


Trotz Sommerkonzert - fiel Regen in Strömen. Doch gut gewappnet mit Greta's ultradichter Regenjacke konnte selbst der Dauerregen Lola nichts anhaben. Und ihrer Stimmung erst recht nicht. 


In selbstbewusster Lola-Manier boxte sie sich kurz vor Konzertbeginn einfach durch nach Vorne - gegen den heftigen Protest der lange schon Wartenden, und ich mich vielfach entschuldigend hinterher. 'Leider leider, meine Tochter mit Down-Syndrom, nicht aufzuhalten", murmelnd. Obgleich Lola hier durchaus aufzuhalten gewesen wäre. Aber ach, weiter vorne ist es doch viel viel Schöner. Und so lange Stehen wäre ihr nicht zuzumuten gewesen, dachte ich entschuldigend für mich. Kleiner Nachteilsausgleich sozusagen. 


 

Lolas grosser Held. Wincent Weiss. Dessen Lieder auch ich mittlerweile auswendig kann, weil sie permament im Autoradio laufen. Lieder von Einsamkeit, dem Wunsch nach Familie, nach Ankommen.. Lieder von neuer und verlorener Liebe, die ich zu meinem Erstaunen sogar ganz gerne mag. Ehrlich, authentisch, tiefen Einblick in seine Seele schenkend. Bei Lola wie auch Tausenden andere junger (und älterer) Frauen trifft er auf eine grosse Fangemeinde! Der Männerteil lag bei höchstens 20%, allesamt Begleiter oder Väter, textsicher waren die definitiv nicht.


Finally, begann das Konzert. Und Wincent Weiss direkt vor uns, auf einem Extralaufsteg, zum Greifen nah. Als er sich vom Publikum auf Händen durch die Menge tragen liess, musste auch ich unfrewillig mit anpacken, damit er nicht abstürzte :-) Sowas hatte ich noch nicht erlebt. Nur Lola war leider zu klein, um ihn auch auch zu berühren... 


Überglücklich grölte und sang sie lautstark mit, alle Songs auswendig natürlich. Sprang auf und ab. Zum Glück hörte der Regen auf, kaum dass das Konzert begonnen hatte. So dass die lästigen Regenhüllen fallen konnten.

 

Was für ein Konzert, was für eine Freude!!! Insgesamt 5 Stunden stand Lola insgesamt an diesem Abend auf den Beinen, ohne jeden Protest. Nur am Ende klagte sie über Knieschmerzen, weil sie so wild herumgesprungen war.

Nur leider konnten wir am Ende kein Foto von ihm und Lola gemeinsam machen. Was ihr ultimativer Traum gewesen wäre. Denn ich ließ mich nicht davon überzeugen, es zu versuchen. zu Lolas grossem Ärger. Aber die Wahrscheinlichkeit erschien mir einfach zu gering, ihn an irgendeinem Hinterausgang noch rechtzeitig abzupassen. 


 Danke liebe (ehemalige) Klasse 12 für dieses tolle Geschenk an Lola. Ja, was man als Mutter alles so miterleben darf (oder muss). Dem B-Ausweis von Lola sei Dank, der mir ein kostenloses Begleitticket ermöglichte. Irgendeinen Vorteil muss so eine Behinderung ja haben :-)