Montag, 31. August 2026

Zurück aus Spanien


Am Freitag ist Lola nach sieben Wochen unterwegs quer durch Europa endlich wieder zurück nach Leipzig gekommen! Zusammen mit Greta, mit dem Flieger aus Gijón in Nordspanien, der letzten Station ihrer grossen Reise. Wo sie Urlaub bei der spanischen Großfamilie Urlaub gemacht haben - und wie es das Glück wollte, Zeugen der totalen Sonnenfinsternis werden durften, direkt am 'Hausstrand', an den sie jeden Tag zum Baden gehen :-) 

 Fünf Wochen war ich alleine in Leipzig, ohne Lola. Habe den See und den Garten genossen, endlich in Ruhe an meinem neuen Buch (über Lolas inklusive Schulzeit :) schreiben können, hab Freunde getroffen, war wandern. Konnte entspannt in den Arbeitsalltag starten, mal ohne aus dem Nebenzimmer von lauter Musik gestört zu werden, oder mich in langen Diskussion darüber zu verfangen, warum es sinnvoll ist, vor dem Schlafen gehen zu duschen und die Zähne zu putzen. Wirklich. Jeden Tag! 

Doch so schön die Lolafreie Zeit war, so sehr habe ich sie doch auch vermisst. Was ich erst jetzt so richtig gemerkt habe, da sie wieder da ist. Ihre Jubelschreie über ihr aufgeräumtes Zimmer, ihr leidenschaftliches Geigenspiel ganz für sich alleine, ihre Freude jeden Tag an jeder noch so kleinen Kleinigkeit. So schön, ihre Energie und ungebremste Lebensfreude wieder um mich zu haben! 

Ja, klar, auch das viele Erinnern, dass wir jetzt rausgehen wollen. Während sie noch ewig etwas suchen, abschreiben, anziehen muss. Aber sie ist viel kooperativer und entspannter als noch vor den Ferien, und das Zusammenleben mit ihr ist einfach gerade eine echte Freude. Wie schön, dass sie wieder da ist! 

Und morgen, wird es spannend. Denn da beginnt sie das Eingangsverfahren für den Berufsbildungsbereich in den Lindenwerkstätten. Wo sie unbedingt hinwollte. Um eines Tages, so ihr Traum, im Lindencafè zu arbeiten und dort Pizzas zu backen :-) 

Einen Pizzaofen haben die dort zwar noch gar keinen. Aber was noch nicht ist, kann ja noch werden. Und wo eine Lola, da ist auch ein Weg!

Ich werde berichten :-)




Mittwoch, 29. Juli 2026

Auf Weltreise durch Frankreich

Lola's grösster Wunsch war, nach dem Schulabschluss eine Weltreise zu machen :-) 

Ich hatte darüber nachgedacht. Überlegt, Sponsoren zu gewinnen, einen Projektantrag zu stellen, mir eine Auszeit zu nehmen. Ach, was wär das für eine Gelegenheit! Lola berichtet selber darüber, macht Fotos, stellt sie in einen eigenen Blog.

Befreundete Dokumentarfilmer waren begeistert: das könnte man ja auch filmisch begleiten. 

So viele gute Ideen. Aber es fehlte an Zeit, an Energie. Kurz: das Leben kam dazwischen. 

Und Lola ist es gewöhnt, dass ihre Ideen nicht in die Realität umgesetzt werden, zumindest nicht sofort. 

Mit leichtem Protest ließ sie sich ein auf meine und Pavel's Idee, im Sommer doch einfach wieder nach Frankreich zu fahren. Wo wir seit drei Jahren begeistert hinfahren. Nachdem Lola 2023 den Impuls dazu gab, weil sie unbedingt nach Paris wollte!

Und so packten wir das kleine Auto, verstauten Zelte und Koffer und ab nach Frankreich. Diesmal in die Provence, bzw. ins Department Alpes-de-Haute-Provence, in die Ausläufer der französischen Alpen zum 'Lac de Serre Poncon'. Campingplatz direkt am See.

Aus Platzgründen ohne Tische und Stühle, als wahrscheinlich einzige Camper auf dem ganzen Platz. 

Jahrelang hat mir das auch meine Pfadfinderehre verboten, so etwas spiessiges wie Campingstühle zu nutzen. Aber - seitdem wir nun regelmäßg fahren - schaue ich doch immer wieder neidisch zu den anderen Zeltern, die entspannt am Tisch sitzen und essen und spielen und lesen. In diesen breiten gemütlichen Camperstühlen, ein Bierchen in der Armlehne.

 

Und so herrliches das Baden im See und im Pool auch war, Wanderungen mussten sein. Natürlich - ähnlich klassisch - ohne App, nur mit Karte. Aber ach, nachdem wir in einem alten Eisenbahntunnel landeten, natürlich ohne Ausgang (nach 1km im Stockdunkeln kehrten wir um), installierte ich mir doch lieber eine Wander-App, und wir kamen endlich zum gesuchten Wasserfall, des 'Cascade costeplane', an einem kleinen  Zufluss zur Ubaye. 

Das Beste am Campingplatz war für Lola natürlich die Großbildleinwand, auf der sie die WM-Spiele gucken konnte. Wo sie als einzige Spanierin auf dem Platz lautsark den Sieg der Spanier gegen Belgien bejubelte - zum Leidwesen der zahlreichen begeisterten Belgienfans.

Kleiner Abend-trip nach Barcelonette, wo wir über Hindernisse balancierten und mitten in eine lautstark schreiende Gruppe von Kellnern gerieten, die mit Wein um sich spritzten - beim 'Course de garcons" - dem städtischen Kellnerlauf, wie wir am Ende feststellten :-) Nachdem wir uns schon sehr über die Rüpelhaftigkeit der Leute dort gewundert hatten.

Nach einer Woche zogen wir weiter, an die Provence d'azur. In ein wunderschönes Ferienhaus in La-Londe-les-Maures, das uns eine ganz liebe Schweizer Klientin überlassen hatte, deren Satzstreifen-Buchprojekt ich betreuen durfte. Wie herrlich, an der Oleanderhecke oder unter dem Feigenbaum auf der Terrasse zu sitzen, im eigenen Zikadenkonzert!

Bei großer Hitze lagen wir tagsüber eigentlich vor allem am Strand, vielmehr im Wasser, oder wanderten über den 'sentier littoral' bis zur göttlichen 'Plage de Leoube'. Karibikstrand mitten in Frankreich!


 Hier konnte man es aushalten! Unter Pinien, im kühlen Wind im Sand liegen, oder über Algenwälder und durch Fischschwärme hindurch schnorcheln...


Lola strahlte wieder! Nachdem sie am Tag zuvor einen Hitzschlag erlitten hatte - mit Fieber, Kopfschmerzen und Magenproblemen, ein echter Hitze-Schock! Welch Erleichterung, als es ihr wieder besser ging. Von nun an musste sie täglich literweise Wasser trinken, um ja nicht wieder zu dehydrieren.

Da Lola aber trotz dieser Massnahmen die Hitze nicht bekam, und sie nachhaltig Verdauungsprobleme hatte, sagte ich die geplante folgende Campingwoche an den Calanques bei Marseille ab. Und wir fuhren zu Freunden an die Drôme, wo es zwar auch tags heiss ist, aber nachts angenehm kühl. Und wir endlich wieder entspannt schlafen und - tags wandern konnten! 


Erfrischung direkt in der Drôme, unterm Wasserfall bei 'Le claps'.

Und als die Sonne im 'Forêt de Saoû' dann doch ungehindert brannte, half der zum Sonnenschirm umgenutzte Regenschirm, der im Urlaub ansonsten funktionslos gewesen wäre.

Am Ende unser dreiwöchigen Reise brachte ich die überglückliche Lola zu Ricardo nach Oberbozen - in den italienischen Alpen. Wo die Bozener ihre Sommerfrische geniessen. Und lecker schlemmen.

Mit Blick direkt auf die Dolomiten.


 Und hier setzt Lola nun ihre Weltreise fort - diesmal in Italien! Bevor sie in zwei Wochen nach Spanien aufbricht. So dass es zwar keine Welt- aber doch eine tolle lange Reise durch Südeuropa wird.

Sonntag, 5. Juli 2026

Bye bye Rubikon...

Gestern war es soweit - und hat Lola bei einem rauschenden Abschlussfest das Ende ihrer Schulzeit gefeiert! 12 Jahre inklusive Waldorfschule.

'Nie wieder Schule gehn', lachte sie. Stolz, den Waldorfabschluss geschafft zu haben. Mit all den vielen Praktika, Auftritten, Jahresarbeiten, Kunstfahrt, und allem was dazugehört.

Vor allem bedeutet es aber den Abschied von ihrer '12. Klasse', den sie seit Monaten schon betrauerte. Lange unvorstellbar für sie, woanders zu sein als in der Schule, mit ihrer Klasse. Die zuletzt eine so außergewöhnliche Klassengemeinschaft hatte. Wo alle willkommen waren und fast alles gemeinsam gemacht wurde. Wo aber auch alle sehr eigen, individuell und besonders waren, jeder auf seine Art. Eine fantastisches Beispiel, wie Autonomie in Gemeinschaft gelebt werden kann. 

So viele Erinnerungen hat die Klasse in ihrem gemeinsamen Abschlussbuch vereint, selbstgemalt und gestaltet. Fotos aus 12 Schuljahren, von Fahrten, Theaterstücken, Praktika, aber auch allen ehemaligen MitschülerInnen, darunter auch einige von Lolas besten Freunden, die ja leider viel zu früh die Klasse verlassen haben.


 Bei der Überreichuung der Abschlusszeugnisse gab der Klassentutor noch jedem der SchülerInnen einen persönlichen Satz über ihn bzw. sie mit. Der den Jugendlichen in seiner Besonderheit charakterisierte, auch für die Klasse. Und für jede/n so treffend und berührend war, dass es mir ganz ans Herz ging. So ein Geschenk!

Eine Epoche geht für Lola zu Ende, auch für mich als Mutter, die ich sie jeden Morgen in die Schule begleitet habe, dort immer engagierte Lehrer, andere liebe Eltern, quirlige SchülerInnen auf den Gängen traf.

Eine Gemeinschaft geht zu Ende. Die uns fehlen wird, sehr sogar. Trotz aller Herausforderungen, die die Schulzeit immer auch mit sich brachte.

Zum Glück war Lola gestern vor allem glücklich über das schöne Fest. Sie hatte wohl in den vergangenen Monaten genug Abschied genommen, alles schon durchfühlt und beweint, dass sie gestern einfach nur fröhlich Party machen konnte. Und bis um 3 Uhr morgens mit ihrer Klasse so wild und wirklich non-stop-getanzt hat, dass ihr heute die Beine schmerzten! So soll es sein! 

'Bye bye Rubikon'... war der umgedichte Refrain des Liedes, das wir als Eltern noch zum Abschied sangen. Und endete auf 'jetzt sind wir frei, frei, frei' Mal schauen, was das für Lola bedeutet, deren Möglichkeitenraum doch eher begrenzt ist.

Hier noch ein Foto von Lola's Einschulung vor 12 Jahren :-)  Mit dem Link zu einem älteren Post aus dem Jahr 2014.

Mittwoch, 1. Juli 2026

Bundesweite Elternbefragung: Mehrheit wünscht sich inklusive Bildung

Heute wurde vom 'Deutschen Institut für Menschenrechte'  die Studie "Inklusive Bildung zwischen Wunsch und Wirklichkeit" veröffentlicht. Aus der hervorgeht, dass eine Mehrheit der befragten 7.500 Eltern inklusive Bildung für ihre Kinder bevorzugen - wenn die Bedingungen stimmen. 

Sehr spannende und wichtige Untersuchung!

 Auf der Seite des Intituts finden sich auch viele interessanten Fakten zum aktuellen Stand der inklusiven Bildung in Deutschland sowie ein spannendes Interview mit den Autorinnen Susanne Kroworsch und Britta Schlegel.

Hier im Blog habe ich ja immer wieder über unsere Erfahrungen mit der Inklusion in Lolas Schule berichtet. Und kann nur bestätigen: wenn die Rahmenbedinungen und die personellen und fachlichen Ressourcen stimmen, kann das super sein. 

 Wenn nicht, kann allerdings auch eine Förderschule oder später eine 'Werkstatt für Menschen mit Behinderung (WfbM) ein guter Ort für ein Kind bzw. einen Erwachsenen mit Behinderung sein. 

 Lola zumindest hat sich bisher auch in Arbeitsbereichen der Werkstatt oder in rein 'exklusiven Angeboten' ihrer Schule immer sehr wohl gefühlt. Und dort viel gelernt und viel Selbstbewusstsein gewonnen. Und beginnt ja auch jetzt den Berufsbildungsbereich in den Lindenwerkstätten. Weil sie da unbedingt hinwollte!

Am besten fand ich bisher eine gute Mischung: zum Beispiel ihre Werkstufenklasse nur mit Kindern mit Förderbedarf (für 12 Schulstunden die Woche) innerhalb der sonst inklusiven Schule. Oder auch den geschützen, hochstrukturierten Arbeitsbereich des Lindencafès, aber mit Publikumsverkehr aus dem Viertel. 

Denn solange die personellen und finanziellen Ressourcen und auch das fachliche Know-How nicht vorhanden sind, wie Menschen mit Behinderung gut inklusiv begleitet werden können, sei es schulisch und am Arbeitsplatz, kann das mit der Inklusion auch gründlich daneben gehen....

Mittwoch, 3. Juni 2026

Träume - Schäume?

 Wie lebt man, wenn große Träume schwer zu realisieren sind - weil man eine Behinderung hat? 

Lola ist 18 Jahre alt, hat Down-Syndrom, und will hoch hinaus: berühmte Sängerin werden, mit ihrem Mann auf einem Bauernhof leben und drei Kinder bekommen. Sie will Chefin einer Pizzabäckerei werden und eine Weltreise machen.

Ihre Träume inspirieren sie! Wieder und wieder malt sie sich aus, wie sie Konzerte gibt, umjubelt von ihren Fans. Probt Abend für Abend auf ihrer Zimmerbühne. Gerade war sie eine Woche auf einem Bauernhof mit Tieren, um ihrem Traum ein Stück näher zu kommen. Sie spielt Geige und lernt backen. 

Lola glaubt fest daran, eines Tages ihren Traum leben zu können - und ihre Visionen geben ihr Kraft, auch gegen alle Widrigkeiten in ihrem Leben, die sie oft geflissentlich ignoriert. 

Dass ihre Schritte winzig sind, sie weit davon entfernt ist, berühmt zu sein, keinen einzigen Song mit Text singen kann, Elternschaft für sie sicher schwierig wird und an Chefsein nicht zu denken, interessiert sie nicht. 

Illusionen - die Enttäuschung vorprogrammiert? Oder inspirierende Visionen, die ihrem Leben 'Sinn' verleihen? 

Spielen wir uns nicht alle im Grunde etwas vor? Halten an Visionen, Illusionen, Tagräumen fest, die uns Kraft und Flügel verleihen? Je höher und unerreichbar, desto besser? 

Vielleicht hat Lola damit intuitiv ein Geheimrezept für Lebenszufriedenheit entdeckt: Ich träume, also bin ich.

Donnerstag, 28. Mai 2026

Das Ende der Schulzeit naht...

Lola's Schulzeit neigt sich dem Ende zu. 12 lange Schuljahre in der inklusiven Waldorfschule, von der Lola gerade nur schweren Herzens Abschied nehmen kann.

Seit April ist Lola zwar noch offziell an der Schule, aber - anders als der Rest ihrer MitschülerInnen, die gerade ihre Realschulprüfungen hatten bzw. sich intensiv auf das Abitur im nächsten Jahr vorbereiten, macht sie für zwei Monate berufliche Praktika - außerhalb der Schule.

Was natürlich eine tolle Möglichkeit ist, in verschiedene berufliche Tätigkeiten hineinzuschnuppern und Arbeitserfahrungen zu sammeln, aber diese Zwischenzeit zwischen Schulzeit und Ausbildung bzw. Berufsbildungsbereich (BBB) in der Werkstatt, ist für Lola oft nur schwer auszuhalten. 

Ihr fehlt ihre Klasse, der Schulclub, die Schule, sie vermisst sie schrecklich. Gleichzeitig will sie sich gerne auf das Neue konzentrieren und die Schule am liebsten 'vergessen' (so sagt sie selber). Da es Ende Juni aber nochmal eine Abschiedswoche gibt, wo sie alle zusammen als Klasse zelten gehen und natürlich die große Abschlussfeier mit Zeugnisübergabe stattfindet, ist das mit dem Vergessen gar nicht so einfach für sie.   

Umso schöner ist es, dass sie bei verschiedensten Praktika auf andere Gedanken kommt und - so viel Freude hat.

 
Im Mai hat Lola ein vierwöchiges Praktikum in ihrem alten Kindergarten an der Heilandskirche gemacht - in der Hauswirtschaft! Und ihre alte Kindergartengruppe - die Pfarrhausflöhe - tatkräftig unterstützt. 
 
Sie durfte helfen beim Vorbereiten der Obstrunde, beim Tischedecken und der Essensausgabe, beim Abwaschen von Geschirr und beim Aufhängen und Zusammenlegen von Wäsche. Und hatte nicht nur große Freude dabei, sondern ist den Erzieherinnen eine echte Hilfe gewesen.

Jeden Morgen haben sie ihr eine Liste mit Tätigkeiten hingelegt, die sie zu erledigen hatte. Und mit wachsender Geschwindigkeit hat sie die ihr übertragenen Aufgaben immer selbständiger erledigt - so dass sie am Ende der vier Wochen oft schon weit vor der Zeit fertig war mit allem. Unglaublich! 

Nichts war zu spüren vom Zögern, sich Verkriechen, Verweigern, Bummeln, Weglaufen, was sie in der Schule oft zeigte. Nein, sie erfüllte ihre Arbeiten zuverlässig - und bis auf ein für sie typisches 'Mittagstief' (wo sie einmal sogar einschlief) und gelegentlichen 'Schuldrigkeiten', zeigte sie eine hohe Einsatzbereitschaft und schnelle Auffassungsgabe für die ihr übertragenen Aufgaben. Wahnsinn! 

Sie verstand sich auch super mit den total sympathischen Erzieherinnen, zeigte Humor, hatte Spass und kam immer gerne. Was für ein Erfolg!

Am Ende des Praktikums erzählte eine leitende Mitarbeiterin, dass zu Lolas Kindergartenzeit dort auch eine Hauswirtschaftskraft mit einer Behinderung beschäftigt war. Und wer weiß, vielleicht sei das ja auch mal eine Möglichkeit für Lola... Wow, wie toll wäre das denn?
 

Aber gut, jetzt wird Lola erstmal für zwei Jahre den Berufsbildungsbereich (BBB) einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung (WfbM) absolvieren und sich noch etwas weiter 'qualifizieren'. Wahrscheinlich im Bereich Hauswirtschaft und Küche, was ihr am meisten Spass macht. Und dann, mal schauen... 

Vielleicht kann sie in den nächsten Jahren die Kita an der Heilandskirche im Rahmen eines Praxisbausteins oder vielleicht sogar eines kleinen Arbeitsverhältnisses oder Außenarbeitsplatzes unterstützen? Noch Zukunftsmusik. Aber für mich zumindest ein echter Traum.

Gerade ist Lola erstmal für vier Tage auf dem Hof einer Bekannten an der Saale und hilft ihr bei der Versorgung der Tiere und bei allem, was so anfällt in Küche, Garten und Hof. Hier ein kleiner Eindruck von Montag, als ich sie dorthin gebracht habe, und sie sich sofort mit den drei Hunden angefreundet hat und nicht mehr von deren Seite wich.

 'Meine Traum wird wahr', sagte Lola mir, als wir ankamen. Denn vom Leben auf einem Bauernhof mit ganz vielen Tieren träumt sie schon seit Jahren. Es gehört fest zu ihrer Vision der Zukunft. Und ich habe mich riesig gefreut, dass sich meine Bekannte bereit erklärt hatte, dass Lola ein paar Tage mit dem Hof lebt und 'hilft'.

Morgen hole ich sie wieder ab und bin gespannt, wie es dort gelaufen ist, was sie erlebt hat und ob sie sich auch dort hat helfend einbringen können :-) Oder ob es doch eher als Tierstreichel-'Working'-Holiday gelaufen ist.

Sonntag, 17. Mai 2026

Mutter-Tochter an die Ostsee!

 
Am Himmelfahrtswochenende haben Lola und ich das Auto gepackt - und sind an die Ostsee gefahren. Kleine Mutter-Tochter-Auszeit. Ohne Computer und (Lolas) Handy. Natur pur.

Nur auf der Autofahrt durfte Lola ihr Handy nutzen: Musik hören, Videos gucken, Spiele spielen. 6 Stunden Medienkonsum pur. Doch kaum angekommen, ruhte das Handy für 3 Tage. Und wir hatten endlich mal wieder Zeit nur für Quatschen, Spielen, Spazieren, Steine sammeln, Malen, Lecker essen gehen...
 

Nachdem wir schon am ersten Abend das schöne 'Strandrestaurant' in Nienhagen ausprobiert hatten, wo Lola Lachsfilet mit Kartoffelgratin essen durfte und hellauf begeistert war, wollte sie von nun an jeden Tag dorthin. 'Meine Lieblingsrestaurant'. 

Gut, so üppig war das Urlaubsbudget dann doch nicht, aber am letzten Tag schlemmten wir nochmal dort, was Lolas absolutes Urlaubshighlight war! Vielleicht sollte ich das zu Hause auch mal wieder kochen :-)

Zu Hause sitzt Lola in letzter Zeit leider sehr viel vor dem Computer, wo sie ständig etwas recherchiert: Infos über Tiere, Natur, Geschichte, ihre Lieblingsbücher oder -serien abschreibt. Alles durchaus spannende Dinge, wo ich auch nicht wirklich etwas sagen kann. Aber sie ist kaum noch zu anderem zu bewegen. So dass es schön war, im Urlaub nicht ständig in Konkurrenz zu ihrem 'Computer-Baby' gehen zu müssen. Sondern einfach etwas zusammen unternehmen zu können.

Endlich konnten wir in Ruhe quatschen. nur wir zwei beide. Ohne Pavel. "Du immer nur mit Pavel reden. Über Pavel-Themen", beschwerte sich Lola zurecht. Aber diesmal durfte sie bestimmen. Ganz ohne Geschwisterkonkurrenz. 

Und so spielten wir beim Wandern am Strand von Warnemünde stundenlang 'Stadt Land Fluß' oder 'Wer bin ich?' (mit den Tieren von Woodwalkers, ihrem Lieblingbuch). Oder sie erzählte mir von ihrer Klasse, ihrer Kunstfahrt nach Italien, von Spanien und ihren Brüdern, wovon sie nicht müde wird, mir wieder und wieder zu erzählen.

Oft finde ich es gar nicht so einfach, mich auf die Gespräche mit ihr einzulassen. Zumal ich die meisten Dinge ja schon kenne, die sie mir immer wieder erzählt. Während ich selber beim Laufen am liebsten vor mich hinträume, nachdenke oder Fotos mache. Was sie oft verärgerte. 

"Nicht schon wieder Fotos machen, Mama. Komm jetzt!", schimpfte sie. Und ich spürte, wie ich selber ärgerlich wurde. Denn ich mag es überhaupt nicht, wenn mir jemand etwas verbietet. Und Fotos schießen macht mir einfach Spaß. Den Moment festhalten. Die Suche nach einem starken Ausschnitt. Es lässt mich die Farben und Kontraste noch intensiver wahrnehmen.

 

Während Lola einfach da war und guckte und sich freute. Sie brauchte das nicht festzuhalten.

Und eeigentlich war es ja auch ungerecht. Denn ich durfte mein Handy benutzen, sie aber nicht :-(

 Aber bis jetzt ist es einfach noch nie gelungen, dass sie das Handy einfach nur als Kamera nutzt. Sie will dann auch gleich chatten, Musik hören, telefonieren, und ist gar nicht mehr davon wegzubekommen. Weswegen diese Handysperre oft die einzige Möglichkeit ist, wieder normal mit ihr interagieren zu können.

 

Und während ich meine Fotos schoß, rannte Lola quietschend und hüpfend vor Freude über die Seebrücke von Heiligendamm, sich drehend im Wind. Oder sammelte Unmengen von Feuersteinen - die sie zu Hause anmalen und dann verkaufen will :-) (So ihr neuer Plan, um zu Geld zu kommen). 

Und beim ersten Strandspaziergang wollte sie natürlich auch gleich ihre Füße ins Wasser stecken. Am liebsten wäre sie ganz rein gesprungen. Nur nachdem sie dann den Rest des Spaziergangs mit Sand in ihren Schuhe zu kämpfen hatte, da wir kein Handtuch zum Abtrocknen dabei hatten, ärgerte sie sich selber über ihre Idee. Und zog nicht nochmal ihre Schuhe aus. 


Begeistert war sie auch vom 'Gespensterwald', diesen verknorpelt und feenartig verwachsenen Buchen, Eichen und Eschen, die ihre langen Arme nach oben recken - und im Nebel sicher ganz unheimlich aussehen.


 Ach, schön war's! 

 Auch wenn ich heut Abend doch etwas platt bin von der langen Autofahrt und der vielen 1:1 Zeit, was ich gar nicht mehr gewöhnt bin. Aber für unser Mutter-Tochter-Verhältnis war es super. Denn zu Hause streiten wir gerade oft sehr viel rum oder motzen uns an. Und davon war in diesen Tagen kaum etwas zu spüren.

Gerade eben kam sie zu mir ins Wohnzimmer, kroch zu mir auf's Sofa und gab mir einen Kuss. 'Schlaf gut Mama, bis morgen!" Das hat sie lange nicht gemacht...