Gestern musste (durfte) Lola den ganzen Tag alleine zu Hause bleiben, weil ich beruflich unterwegs war. Sie hatte sich schon die ganze Woche auf 'Sturmfrei' gefreut. Vor allem, da sie an solchen Tagen immer ihren Computer ganztägig nutzen darf - zum Musik hören, Videos gucken und für Internetrecherchen. Kein Wunder, dass sie voller Vorfreude war.
Den ganztägigen Medienkonsum stellte ich aber unter eine Bedingung. Dass sie eine Reihe von Aufgaben im Haushalt erledigen sollte, die ich alle auf einen Zettel schrieb, mit Feldern zum Abhaken dahinter.
"Klar, Mama! Mach ich alles!", versprach sie mir am Morgen hoch und heilig. "Bin gross. Schaff das!" Und rannte in ihr Zimmer, um Geige zu üben. Die erste ihrer 'Aufgaben'.
Gespannt stieg ich ins Auto, ob sie wohl ihr Versprechen halten würde.
Als ich am Abend die Wohnungstüre aufschloss, roch es nach gebratenen (eher etwas angebrannten) Nudeln. Beim Blick in die Küche sah alles ordentlich aus, nur auf der Anrichte zwei leere Teller und im Regal die Pfanne, mit schwarzen Resten einer Kruste.
Oh, da war der Blumenkohl-Auflauf, den sie sich in der Pfanne warm machen sollte, wohl etwas dunkel geworden. Aber sie schien ihn wirklich aufgewärmt und gegessen zu haben. Und hatte sogar die Pfanne danach geschrubbt. Die Reste des angebrannten Essens klebten noch in der Spüle. NUn gut, wo gehobelt wird, da fallen auch Späne.
Neugierig schaute ich mich auch sonst um. Die Spülmaschine war tatsächlich ausgeräumt. Der Plastikmülleimer leer, sogar eine neue Tüte drin. Die Wäsche war zusammengelegt, die nasse Wäsche aufgehängt. Irre!
Vorsichtig klopfte ich an ihr Zimmer. In ihrer schönsten Festtagskleidung und perfekt geschminkt saß sie vor dem Sofa und hörte tiefenentspannt Musik. Grinste mich zufrieden an und deutete stolz um sich in ihr Zimmer. Der Boden war aufgeräumt und gesaugt! Aller Krismkram lag eine Etage höher auf ihren Regalen.
Leider hatte ich keine Chance, ihre meine Freude auszudrücken, denn umgehend warf sie mich aus ihrem Zimmer. "Geh bitte, Mama. Will weiter in Ruhe Musik hören!" Und wollte auch nicht zu mir in die Küche kommen, um vom Tag zu erzählen.
Tja, hab ich als Mutter wohl bald ausgedient :-)

1 Kommentar:
Wow! Beim Lesen war ich nicht sicher, wie deine Erzählung endet. Aber ich bin beeindruckt! Bravo Lola! So wünsche ich es mir auch einmal für meine Tochter mit DS. Sie ist aber 'erst' 14 Jahre alt und immer noch total ungern alleine zu Hause.
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