Sonntag, 6. April 2025

Selbst ist die Frau!

Während ich heute den ganzen Tag arbeiten musste, ist Lola am Vormittag alleine mit der Tram zur Schule gefahren, um dort einen Schoko-Kirsch-Kuchen beim Flohmarktstand der Werkstufe zu verkaufen! Den sie gestern SELBER zu Hause gebacken hat (mit kleiner Unterstützung). Und kam anschließend mit der Tram wieder zurück. Zufrieden und stolz. 

Am Abend ist sie alleine (nur ein kleines Stück begleitet von Pavel) zum 18. Geburtstag einer Freundin im Caracan gelaufen, einem Biergarten im Auwald. Als ich später dazu kam, um noch etwas mitzufeiern und sie abzuholen, saß sie fröhlich zwischen den ihr fast gänzlich unbekannten Partygästen und las 'Alea Aquarius'. Die Partymusik entsprach nicht ganz ihrem Tanzgeschmack... Nur bei ABBA und Helene Fischer tanzte sie wild mit!

Sie wird langsam selbständig! WOW! Und das, wo ich sie sonst am Wochenende nur mit Hilfe grosser Überredungskünste dazu bekomme, überhaupt das Haus zu verlassen. 

Heute hingegen, hatte sie ihren eigenen Plan. Und keine angestrengte Mutter hinter ihr, die sie drängt. Und ganz alleine machte sie sich auf. Weil sie es SELBER wollte

Donnerstag, 3. April 2025

Lindencafe in Leipzig

In anderthalb Jahren macht Lola ihren Schulabschluss. Und schon länger steht die Frage im Raum, was sie später mal machen will. Wo sie arbeiten will.

Sängerin! Malerin! Sind Lolas Wünsche... 

Oder vielleicht doch erstmal was 'Bodenständiges'? Ist die Idee der realistischen Mutter. 

Vielleicht ja ein inklusiver Arbeitsplatz auf dem ersten Arbeitsmarkt?

Letzte Woche kam eine Dame vom Integrationsfachdienst (IFD), die Arbeits- und Praktikumsplätze auf dem ersten Arbeitsmakt vermitteln, zur Hospitation in Lolas Klasse. Ihr Feedback: aktuell schwer vorstellbar. Nachdem Lola sich im Werkstufenunterricht verweigert hatte, eine Zitronenpresse mit ihrer Schulkameradin zu teilen. Und kurz darauf für 20 Minuten auf der Toilette verschwand.  "Das können die MitarbeiterInnen am Arbeitsplatz dort nicht leisten". 

Lola hat oft leider sehr genaue Vorstellungen! Und ihr Durchhaltevermögen ist stimmungs- und tagesformabhängig. Die Einschätzung wunderte mich nicht.

Vielleicht doch erstmal was im 'geschützeren Bereich'? Ein Arbeitsplatz, wo sie Erfahrungen haben mit Menschen mit Lernschwierigkeiten? Gute überschaubare Strukturen bieten? 

Vor zwei Jahren hat sie ein Betriebspraktikum in der Küche eines Kindergartens gemacht hat, wo Menschen mit und ohne Beeinträchtigung gemeinsam gearbeitet haben. In der Trägerschaft der Diakonischen Unternehmensdienste. Das lief super.

Gemeinsam mit Lola überlege ich. Sie wollte doch mal Koch werden, im Restaurant arbeiten. "Ja, Café arbeiten!", ruft Lola.

Vielleicht wäre ja das Lindencafe was? Ein sehr schönes Stadtteilcafe in Lindenau, in dem Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam arbeiten. In Trägerschaft der Diakonie. 

Tags drauf rufe ich an und frage, ob Lola dort vielleicht ein Betriebspraktikum machen könnte. 

Vorgestern kam die Zusage. Ja, sie darf! Anfang Mai wird sie also für zwei Wochen im Lindencafé ein Praktikum machen, im Bereich Café und Catering. Und sie freut sich riesig. Und ich auch. 

Denn als zukünftigen Arbeitsort könnte ich mir dieses schöne Cafe wirklich gut für sie vorstellen. Auch wenn unsere Berufsberaterin in der Schule meinte, ich solle doch lieber erstmal nach Perspektiven auf dem ersten Arbeitsmarkt schauen. Aber vielleicht gewinnt sie dort erstmal Arbeitserfahrungen. Und dann schauen wir weiter...