Freitag, 21. April 2017

Ein Tick anders...

Ein sehr schöner Bericht über die junge Frau Samantha, die seit 8 Jahren in einem Fachgeschäft für Tiernahrung arbeitet. Und mit ihrer warmen und herzlichen Art das Geschäft so richtig belebt...

Mehr zu lesen auf der Seite des Wendlandes.

Montag, 20. Februar 2017

Hüttenzauber....


Endlich wieder im Schwarzwald. Winterurlaub im Bärental... Diesmal zusammen mit Uta, meiner besten Freundin, und ihrer Familie.

Hier im Bärental, auf der Hütte, haben wir uns kennen gelernt. Vor 25 Jahren.  Verbrachten die Herbstferien mit unseren Familien hier. Später feierten wir sogar Weihnachten gemeinsam hier oben.


Als junge Studentinnen fuhren wir alleine auf die Hütte. Zogen uns vor der Welt zurück. Liefen zu zweit hoch zum Feldsee durch den Herbstwald. Und redeten über Simone de Beauvoir, die neueste Liebschaft und ihre Schattenseiten...Und träumten von einer kleinen Hütte hier oben, wo wir uns zurück ziehen könnten, um Bücher zu schreiben.


Jetzt ist die Hütte voll, wenn wir beide mit unseren Familien hinfahren. 12 insgesamt.


Und wie immer - verbringen wir die Tage mit ausgedehntem Frühstück. Langen Wanderungen. Nachmittäglichen Karten-Spiel - und abendlichen (S...) runden - allerding letzteres ohne Kinder.


Als hätten wir nie anderes gemacht. Dabei war noch im letzten Jahr der Weg zum Raimartihof mit Lola und Pavel ein Ding der Unmöglichkeit. Nach 1 km bin ich entnervt umgedreht und die Großen sind alleine marschiert.


Doch dieses Jahr haben wir alle zusammen den Weg geschafft. 4 km Wanderung unten vom Michelhof bis hoch zum Raimartihof. Mit Brotzeit in der Sonne.  Und 4 km wieder zurück mit wilder Schnellballschlacht...


Naja. Lola immer zum Weitergehen zum Überreden war manchmal höchste Kunst...  Aber nachdem sie (als sie wieder einmal zurückblieb, um in einen Gebirgsbach zu schauen) auf einer Brücke ausrutschte und in den Bach fiel - und zum Glück mit einigen Schrammen, nassen Schuhen und einem gehörigen Schrecken davon kam, lief sie zuverlässig und zügig an meiner Hand. Und liess sie nicht mehr los. (Wie auch kleinere Unfälle ihre Wirkung haben können...)

Danke für diesen wunderbaren Ort!!! Und für die schöne Zeit(en), die wir dort alle miteinander verbracht haben.

Donnerstag, 9. Februar 2017

"Und bring Schlafsachen mit..."

... stand unten auf der Einladung zum Kindergeburtstag bei Lolas Schulfreundin.

'Schlafsachen? Mit Übernachtung? Mitten in der Woche? Mein Herz schlug höher, als ich das las. In krakeligen Kinder-Buchstaben ganz unten rechts. Lola ist auf einer Übernachtungsparty eingeladen!

"Amelie, meinst du Lola kriegt das nicht hin", fragt mich A. lachend, die Mutter ihrer Freundin, als ich sie zögernd darauf anspreche. "So ein Quatsch, die Kinder kennen sich doch". Und ihre Augen strahlen, ohne jede Frage.

Und ich schlucke meine Zweifel und meine wohlwollenden Hinweise hinunter, die alle durch meinen Kopf wirbeln. (Lola hat noch NIE irgendwo alleine übernachtet. Ohne Greta, ihre grosse Schwester. Ohne mich. Wie soll das gehen???)

Lola ist voller Vorfreude! Überlegt sich, was sie ihrer Freundin schenken will. Was sie alles mitnehmen muss. Zählt die Tage rückwärts. Ist auf einmal ganz selbständig. Schon morgens. Alleine Klamotten aussuchen, anziehen, nach dem Essen alleine Zähne putzen, Haare kämmen, anziehen. Und los! Ohne erinnern. Wie verwandelt. Alleine die Vorfreude auf diesen Geburtstag! Da alleine übernachten. Mit ihren Schulfreunden... (Da kommt keine Frühförderung, Ergotherapie und Logo zusammen hinterher. No way!)

Vor drei Tagen dann noch der beiläufige Hinweis der Mutter ihrer Freundin, ob ich Lola doch bitte ein Bahnticket mitgeben kann. Die Kinder würden zum Gebeurtstag gemeinsam von der Schule nach Hause fahren. Mit Straßenbahn und Bus. Alleine (!) Das sei ja kein Problem für Lola, oder?

Da muss ich wirklich schlucken. Mir jeden Kommentar verbeißen. Alles wirbelt in meinem Kopf herum. (Ob ich das den anderen Kindern zutrauen kann. Ob Lola wirklich mitgeht, nicht irgendwo sitzen bleibt. Oder oder oder... )

Aber die Mutter der Freundin ist absolut sicher, dass die Kinder das gemeinsam hinkriegen. Und ich denke nur: "Loslassen, Amelie. Loslassen." Du musst deinem Kind vertrauen. Sie wird das schaffen...  Und ich sage: "Nein, nein. Lola findet das bestimmt toll!"

Und gestern war dann der grosse Tag. Und Lola ist mit ihrem komplett selbst gepackten Rucksack mit Zahnbürste und Kuscheltier zur Schule. Ist am Nachmittag mit ihren Freunden zusammen mit der Bahn zum Geburtstag gefahren. Hat dort einen herrlichen Tag mit Kuchen und wilden Spielen verbracht. Ohne jeden Zwischenfall. Und ist abends - als Allererste - in ihren Schlafsack eingekuschelt eingeschlafen. Und heute wohlbehalten, glücklich und wie selbstverständlich wieder in der Schule angekommen.

Gerade eben kam per SMS die Frage eines anderen Schulfreundes: 'Lola, wann übernachtest du endlich auch mal bei mir?"

Na, das kann ja lustig werden....

Montag, 9. Januar 2017

Aber Mama, ist Gott nicht schon ausgestorben?

Eine kleine Anekdote aus der Reihe "Pavel, und wie er die Welt sieht. Aus dem Leben eines Vierjährigen"


Pavel, Lolas kleiner Bruder, fragt mich beim Zubett-bringen: "Mama, Ostern ist eine Jahreszeit, stimmt's?"

"Nein, das ist ein Kirchenfest. So etwas wie Weihnachten. Oder Pfingsten."

"Und was ist da passiert?"


"Naja", zögere ich etwas, "da wurde Jesus gekreuzigt. Also, getötet. (Und dann ist er wieder auferstanden.)"

"Und wer ist Jesus?"

"Naja, das kleine Baby. Das in der Krippe geboren wurde. Weswegen wir Weihnachten feiern?"

"Aber warum haben die denn das Baby getötet?"

"Nicht das Baby. Das ist irgendwann ein Mann geworden, und den haben sie getötet."


"Und warum?"

"Naja, er ist durch die Lande gezogen. Und hat den Menschen gesagt, dass Liebe das Wichtigste ist. Und der Glaube. Und dass jeder geheilt werden kann, wenn er nur glaubt. Er hat sein Brot mit den Menschen geteilt. Hat sie von Krankheiten geheilt. Und gemacht, dass sie einfach wieder aufstehen können und laufen. Und hat allen erzählt, dass er der Sohn Gottes ist. Das hat manchen Menschen nicht gefallen. Da haben sie ihn getötet."

"Aber Mama. Das ist doch gut. Warum haben sie ihn deswegen denn getötet?"

"Naja, weil die Menschen Angst hatten vor ihm. Und weil sie an einen anderen Gott glaubten."


"Aber Mama, wann ist Gott denn geboren?"

"Gott wurde nicht geboren. Und hat auch keinen Körper."

"Ist Gott denn schon ausgestorben?"

Ich lache. "Nein. Er ist im Hintergrund. Wie eine Energie, die alles durchströmt. Immer schon."

"Kann ich ihn anfassen?"

"Nein, aber du kannst ihn spüren. Wenn du betest."

"Kann ich dann seine Spur sehen?"

"Na so ähnlich. Du kannst dich ihm ganz nahe fühlen."


Ich spreche ein kurzes Gebet, mit geschlossenen Augen und gefalteten Händen. "Und beim Beten, da hab ich mich ganz verbunden gefühlt mit Gott."

"Hast du ihn wirklich gesehen gerade? Wie sieht er aus?"

"Nein, das ist nur wie eine Wärme."

"Und wieso haben die Jesus dann getötet? Wieso ist er nicht weggelaufen?"

"Sie haben ihn verraten. Seine Freunde haben ihn verraten."

"Und wieso ist er dann nicht einfach über die Mauer gesprungen?"

"Ich weiß auch nicht Pavel.... Vielleicht fragt Du morgen mal im Kindergarten, was die sagen, wieso Jesus getötet wurde. Und dann erzählst du es mir."

"Aber die wissen das nicht, Mama. Die wissen das nicht...."

Mittwoch, 21. Dezember 2016

Lola geht Kekse kaufen

Sonntag Nachmittag. Es dunkelt schon. Wir sitzen zu Hause, Pavel immer noch im Schlafanzug. Keine Lust, einen Fuß vor die Tür zu setzen. Nur Greta ist bei einer Freundin und Lola traurig, weil auch sie zu einer Freundin möchte. Oder wenigstens auf den Spielplatz. Im Regen? Es ist doch sooo gemütlich zu Hause, denke ich...


Aber "Lola, magst du vielleicht Kekse kaufen gehen? Bei Jens, im Cafe WB?" Lola springt sofort begeistert auf und ehe ich mich versehe, hat sie sich Schuhe und Jacke angezogen und wartet nur noch auf das Geld zum einkaufen. Lange, sehr lange ist es her, dass ich sie das letzte Mal alleine zum Bäcker geschickt habe. Weil der nahe gelegene leider zugemacht hat und der andere immer so voll ist. Und Jens, bei dem es auch Brötchen gibt, so weit weg ist. Und man am Spielplatz vorbei muss, ohne da abzubiegen... Bisher habe ich Lola diesen Weg noch nicht zugetraut.


"Also, Lola. Du weisst, wo Jens ist, oder? Da, wo wir immer im Sommer Eis essen gehen. Am Spielplatz vorbei... "

"Mama, bin nicht doof!", sagt Lola und schaut mich ärgerlich an.

"Ich wollt  ja nur sicher gehen. Und wenn du wieder da bist, musst du unten klingeln. Weisst du wo unsere Klingel ist?"

"Mama", sagt Lola in noch ärgerlicherem Ton. "Ich nicht doof!!!!"

Und ich hebe entschuldigend die Hände. Und bin erstaunt, wie klar sie auf einmal ist.


Unten an der Haustüre zeige ich trotzdem zur Sicherheit nochmal unsere Klingel, gehe sicher, dass sie ran kommt. Und  passe auf, dass sie sicher über die Strasse kommt. Jetzt muss sie eigentlich immer nur die Strasse entlang (ca. 8 Minuten Fußweg). Und zielstrebig läuft sie los, mit ihrer Geldbüchse in der Hand. Fast beschwingt hüpfend, durch den Regen...


Doch ich kann es nicht lassen, ihr auf der anderen Strassenseite unauffällig zu 'folgen'. Denn es dämmert schon fast, und falls sie doch einfach auf dem Spielplatz bleibt oder sonstwohin läuft, ...

Doch Lola läuft zielstrebig zum Bäcker, direkt am Spielplatz vorbei. Von weitem sehe ich, wie sie freundlich alle Passanten grüsst, die grinsend an ihr vorbei gehen.

Vor dem Café WB angekommmen, bleibt sie eine Weile stehen und bewundert die Auslage. Erst als andere Kunden den Laden betreten, geht sie auch rein. Und setzt sich an einen der Cafetische, wie ich von außen beobachten kann. Nimmt eines der Bücher aus dem Regal und beginnt zu 'lesen'. Die Verkäuferin spricht sie, wirkt aber etwas verunsichert und kehrt an den Tresen zurück. Lola scheint die von mir aufgetragene Bestellung: "eine Tüte Vanillekipferl" noch nicht überbracht zu haben.


Und so sehe ich sie da sitzen. Ganz gemütlich, lesend im Buch. Eine ganze Weile. Gefühlte 10 Minuten. Und ich da draussen werde langsam ungeduldig. Was, wenn sie da jetzt gar nicht mehr raus will? Wenn sie, wie die anderen Kunden, einfach am Tisch sitzen bleibt? Vielleicht sogar einen Kakao bestellt? Ich will mich nicht zu erkennen geben, sie an die Kekse erinnern. Will nicht, dass sie mich bemerkt. Aber nach einer Weile, scheint sie Kontakt zur Verkäuferin aufzunehmen, die ihr auf einmal einen Tüte mit Keksen bringt. Genau die, die ich wollte.  Und Lola zahlt. Und: tritt den Rückweg an. Schnell muss ich mich hinter einer Litfasssäule verstecken, damit sie mich nicht entdeckt.

Und schnurstracks läuft sie wieder nach Hause. Ordnet noch ihre Mütze neu, rüttelt an mehreren Türen, grüsst freundlich weiter alle Passanten. Und: beginnt auf einmal wild vor sich hin zu schimpfen. Lauthals, als würde sie mit mir streiten. Ich höre nur: 'Mama, nein sagen. Darf nicht! Darf nicht. Rüber gehen. Darf.... " Und sehe, entgegen meiner Anweisung, wie sie vor dem Spielplatz schon die Strasse überquert und auf die andere Strassenseite wechselt, auf der sich unser Haus befindet. Nicht erst weiter unten an der Strasse, wo es besser einsichtlich ist. Und es scheint mir fast, als würde sie mit sich selber und ihrem schlechten Gewissen schimpfen, dass sie da nun doch schon früher über die Strasse geht. Denn kaum ist sie drüben, ist sie wieder leise und rennt blitzschnell weiter bis zu uns. Dass ich kaum hinterher komme. Klingelt unten an der Türe, Greta öffnet. Und ist wieder zu Hause.


Und dort kann ich es dir dann nicht nehmen, dass sie die Kekse auch noch hübsch auf einem Teller dekoriert. Dazu SELBER Äpfel aufschneidet, die Kerne mit dem Messer entfernt und alles zum Adventskaffetrinken ins Wohnzimmer bringt. (Ach ja, ich hatte noch ganz vergessen zu sagen, dass ihr derzeitiger Berufswunsch 'Koch' ist. In einem Krankenhaus.)

Wie sie mich immer wieder überrascht....

Freitag, 11. November 2016

Leonard Cohen by PM

Mein Vater hatte das grosse Glück, gemeinsam mit meiner Mutter im Jahr 2009 (glaube ich) Leonard Cohen auf einem Konzert in Berlin erlebt zu haben. Und - zutiefst beeindruckt davon - hat er diesen Text verfasst. Für seine damalige Internetseite 'Profmahlstedt.de', die es nun schon länger nicht mehr gibt.

Und heute, möchte ich diesen Text mit Euch teilen. Weil er so viel über Leonard Cohen sagt. Aber noch viel mehr über meinen Vater. Der vor genau 5 Jahren gestorben ist.


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Leonard Cohen am Wochenende zur Deutschen Einheit
Der Besuch der Feiern zur Volljährigkeit des wiedervereinigten Deutschland waren schon auch ein Anlass für uns gewesen, nach einem bayrisch-schwäbischen Wochenende schnell wieder nach Berlin in unsere neue-alte Heimat zu kommen. Aber der feierliche Rahmen zwischen Siegessäule und Brandenburgertor mit den bekannten Fress- und Saufbuden unterschied sich nur marginal von vorhergehenden Ereignissen und weitergehende Informationen zum Anlass des Festes konnten wir auch nicht finden. Schade, schade. Nur arm an Hingabe und auch nicht sexy stellte sich hier Wowis Berlin dar, 

 ... aber da war ja noch Leonard Cohen und die O2-Arena in Friedrichshain.
Mein Bauchgefühl vor der Veranstaltung war zumindest indifferent. Da erwarte ich einen Meister der leisen Töne und eher verhaltene Rhythmen, den lange dunkel depressiven Poeten, über Jahre im buddhistischen Kloster Entschwundenen, nun plötzlich auf einer Welttourneé aus Gründen akuten Geldmangels nach Betrug durch eine Managerin, die mal eben 5 Mio USD verbraten hatte.
Und ich finde eine knackvolle Arena mit 12000 Zuhörern in einer Kollektion, die man in dieser Menge eigentlich nie antrifft. Kein Krach, kein Krawall, offene erwartungsvolle Gesichter. Ein freundlicher Herr – eine Reinigungskraft muss man wohl sagen - bemüht sich die Spuren eines umgefallenen Wasserbechers zu beseitigen – das habe ich ehrlich noch nie in einer derartigen Umgebung erlebt.
Nun bin ich kein erklärter LC-Fan und kenne weder seine Poesie noch seine Lieder näher, kann wohl manche bekannte Lieder mitsummen,  verzichte ziemlich schnell die Texte verstehen zu wollen und gebe mich ganz dem Erlebnis der Stimme und der Körpersprache hin.
LC wirkt zart und fast gebrechlich, seine Bewegungen machmal fast tapsig auf der Bühne, die schlanken Hände sind schon vom Muskelabbau des Alters gezeichnet. Wenn er wie alle Bandmitglieder als Markenzeichen den Hut trägt, dann wirkt er fast maffiös, aber jedesmal wenn er wie so häufig den Hut abnimmt, dann erstrahlt ein fast jungenhaftes, schelmenhaftes Gesicht, das mit großen  Augen das riesige Interesse der 12000 fast amüsiert und dankbar erlebt. LC nimmt sehr häufig den Hut ab. Bei jedem Solo seiner Bandmitglieder lauscht er andächtig, nimmt den Hut vor die Brust und freut sich mit uns über ausdrucksvolle Soli, wunderbare Musik. Zuerst dachte ich, es sei nur eine ungewohnte Art, seine Band vorzustellen. Zumeist passiert das ja am Ende und nicht am Anfang.
Aber nein, das ging im gesamten Konzert so. LC konnte andächtig vor dem Flamencogitarristen und seinen stimmungsvollen Soli knien, um dann Stimme und Körper gemeinsam für die Fortführung der Botschaft zu erheben.
Und dann diese dunkle Stimme, die wohl erst in den letzten Jahren eine unverkennbare Rauigkeit gewonnen hat mit unnachahmlicher Modulationsfähigkeit und Dynamik. So hockt er oft mit gekrümmtem Rücken am Boden, haucht mit geschlossenen Augen Verse in das Mikro, das er zumeist mit der linken Hand zu Seite abdeckt, um sich konkordant zur Intensität seiner Botschaft bei langsam stärker werdender Stimme zu erheben und dann in voller Größe höhere Stimmlagen zu erreichen, die dann als Abschwung eines Spannungsbogens rasch wieder abfallen.
Dieses Zusammenspiel von Körper und Stimme fasziniert mich ungeheuer, es ist in der Tat „ body and soul“. Das ist wohl das besondere und einzigartige eines Life-Konzertes, das man durch keine Aufzeichnung bewahren kann. Dazu gehört natürlich auch die Reaktion des Publikums, das spätestens die fünf Zugaben als „standing ovations“ zelebriert. Gebannt lauschen wir der Botschaft eines weisen musikalischen Genies, der in seinem langen Leben als Lyriker, Schriftsteller, Folksänger und zwischenzeitlicher Mönch das Leben in voller Breite gelebt hat und uns amüsiert lächelnd an seinen Erkenntnissen teilnehmen lässt. 
Die letzte Zugabe hören wir von der Band a capella, sie stehen da in einer Kette Arm in Arm und LC schenkt uns ein letztes Lächeln : Good bless you, good luck!
Und dann verläßt er nach 3 Stunden wahrhaft anstrengenden Konzertes die Bühne nicht etwa würdevoll gemächlichen Schrittes, nein, er hüpft wie ein junges Reh über die Bühne die Treppe hinunter und davon, lacht , schwenkt fröhlich winkend seinen Hut, wohl neuen Konzerten entgegen.
Mario Adorf soll gesagt haben:
Ein Mann ist dann erfolgreich, wenn er immer etwas mehr Geld verdient, als seine Frau ausgibt. Eine Frau ist dann erfolgreich, wenn sie einen derartigen Mann gefunden hat.
Diese wichtigen Zusammenhänge haben uns einen wunderbaren Abend beschert.

Von PM (ProfMahlstedt).

Von der anderen Seite

Es sind dunkle Zeiten. Dunkelheit auch in mir. Ich wollte, es wäre anders.

Gestern auf dem Fahrrad wurde mir ganz traurig. Und ich dachte, wer denn noch lebt, in dieser Zeit. Der etwas von dem Licht in sich trägt. Ein Mensch von Größe. Ein Mensch, der mir ein Vorbild sein kann. Bei dem ich Liebe spüre, echtes Engagement und Hingabe. Ein Mensch, der für etwas steht. Immer seltener anzutreffen in diesen Tagen. In dieser Zeit.

Leonard Cohen. Dachte ich. Leonard Cohen ist so ein Mensch. Der mit seiner Stimme tief ins Gefühl dringt. Mit seinen Worten etwas Göttliches streift. Leonard Cohen, den mein Vater kurz vor seinem Tod auf einem Konzert in Berlin gesehen hat. Und wie verwandelt war davon.

Der mir - gerade 17 Jahre alt - den ersten langen Frankreichurlaub hinweg das Gefühl gegeben hat, auf der anderen Seite zu stehen. Während wir Dosennudeln aus der Mikrowelle aßen und uns tief in die Augen schauten. Und Cohen sang 'Suzanne takes me down'...

Leonard Cohen, ist so ein Mensch, dachte ich. Gestern auf dem Fahrrad. Und dass ich ihn sehen will, noch einmal sehen. Bevor auch er stirbt. Ihn spüren. Seine Nähe, seine Kraft und Weisheit. Hinter diesen Worten, die ich nicht greifen kann. Die mich aber verwandeln.

Und heute morgen schlage ich die Zeitung auf. Und lese: Leonard Cohen ist tot.

Und da ist endgültig etwas in mir zerbrochen. Und die Tränen sind aus mir geflossen. Tränen, die ich sa lange schon zurück gehalten habe.

Um Leonard Cohen. Um meinen Vater. Um all die Großen. Die gestorben sind in diesen Tagen, Wochen, Jahren.

Die uns voraus gegangen sind. Und uns zurück gelassen haben. In dieser Welt.

Für die nun wir die Verantwortung tragen. Wir allein.

Und wenn ich mich umschaue, dann weiß ich. Dass es Zeit ist, diese Welt wieder zum Leuchten zu bringen. Auch wenn ich noch nicht weiß, wie. Und woher ich die Kraft nehmen kann.

Vielleicht von der anderen Seite.

Doch wer, wenn nicht wir. Wer, wenn nicht ich.

Diese Zeilen für meinen Vater. Und für Cohen. In Liebe.

"It's over now
the water and the wine.
We were broken then,
now we're borderline.
I wish there was a treaty
I wish there was a treaty
between your love and mine."

Die letzten Zeilen aus Leonard Cohen's letztem Album. "Darker than me".