Mittwoch, 26. Januar 2022

Mein erstes eigenes Bett

Seit Jahren wollte ich mir ein Bett kaufen. Ein richtiges echtes Bettgestell, mit vier Beinen, Lattenrost und breiter Matratze. Doch ich konnte mich für kein Modell entscheiden. Sollte es ein elegantes weißes Designerbett werden? Ein antikes Bett aus Metall? Oder eines der schönen Holzbetten von Möbelum mit breitem Rand? Und wenn aus Holz, dann welches? Walnuss, Eiche oder einfach Buche? Ich blätterte Kataloge, recherchierte im Internet, grübelte. Doch ich konnte mich nicht entscheiden. Das Geld, das ich vor Jahren für ein Bett geschenkt bekommen hatte, einmal an Weihnachten 2010 und einmal an Weihnachten 2017 gab ich für eine Reise nach Spanien aus und für eine Paartherapie. Doch: ein Bett kaufte ich mir nicht dafür. 

Eine Zeitlang lagen die Matratzen in einem einfachen Bettkasten, den dann aber die Mädels bekamen, als sie nicht mehr im Hochbett schlafen wollten. Und die Matratze legte ich einfach auf den Fußboden. Als Übergangslösung. Und nach dem letzten Umzug kam ich auf die geniale Idee, sie einfach auf die Umzugskisten zu legen, deren Inhalt in keinen Schrank mehr gepasst hatte. Eine win-win-Situation. Die alten Akten und Bücher in den Kisten waren verstaut, und ich hatte eine Art Bett. Mit großem beigen Bettüberwurf auch als Sofa nutzbar, und wie ich fand, nicht wirklich als Provisorium erkennbar. 

Gut, es wackelte etwas. Und manchmal gaben die Umzugskisten nach. Dann schlief ich etwas schief, was ich erst daran merkte, dass ich Nackenverspannungen bekam und tagelang meinen Hals nicht mehr bewegen konnte. Dann legte ich ein grosses Buch unter, und die Stabilität und Horizontale war wieder hergestellt. Doch sollte das nun wirklich eine Dauerlösung sein? 

Ein paar Freunde erzählten mir von einer Bekannten, die seit Jahren kein Bett besitzt und immer nur auf einer Matraze auf dem Boden schläft. Was sie sehr wunderte und sie sich fragten, was da tiefenpsychologisch dahinter stecken könnte? Ich fühlte mich ertappt. Wenn meine Weigerung, mir ein festes Bett zuzulegen auch irgendwelche tieferen psychischen Blockaden offenbarte? Eine Angst vor dem Ankommen vielleicht, mich festzulegen auf einen Ort, den ich mein Zuhause nenne? Weil ich mein Leben immer nur als Provisorium empfinde, ein Leben auf Koffern, immer bereit zum neuen Aufbruch? 

Ich fand trotz intensiven Nachdenkens keine eindeutige Erklärung. Doch ich traf die Entscheidung: ich kaufe mir jetzt endlich ein Bett! Egal welches. Schluss mit dem Zögern und Zaudern. Ich will ein festes Bett. Auch um zu sehen, was das vielleicht in meinem Leben verändert. 

Und nachdem ich von meiner lieben Mutter zu Weihnachten einen runden Betrag auf mein Konto überwiesen bekam, mit dem ich mir was Schönes gönnen sollte zum Fest, war auch die Frage der Finanzierung geklärt. Die Entscheidung stand fest. Ich kaufe mir ein Bett mit dem Geld. Das dritte Mal würde ich das für ein Bett gedachte Geld nicht anderweitig ausgeben. 

Ich öffnete die Interseite des erstbesten schwedischen Möbelhauses, gab "Bett mit Aufbewahrungsfunktion" in die Suchleiste ein und befand das dritte Bett auf der Seite als ausreichend gut für meine Zwecke. Weiß, schlicht, mit großen Schubfächern für die Inhalte meiner Umzugskisten. Und es kostete genau so viel, wie ich als Weihnachtsgeld erhalten hatte. Das wird es sein. Komme was wolle. 

Und da Lola in der ersten Woche nach den Ferien keine Schule hatte, fuhren wir am Freitag gemeinsam zu besagtem Möbelhaus und erhielten knapp drei Stunden später - ich hatte in der Zwischenzeit noch einige Kleinigkeiten für unseren Haushalt erworben, die ich zwar gar nicht unbedingt brauchte, die aber so hübsch waren - vier überdimensionierte Pakete auf einem Wagen. Der so schwer und sperrig war, dass ich beim Versuch, ihn über den Parkplatz zu schieben, mehrere Autos rammte und einen kleinen Stau verursachte. 

"So eine Diskiminierung. Als Frau alleine ist man hier so was von benachteiligt, wer hat sich solche Pakete ausgedacht?" schimpfte ich lauthals, während die Autoschlange hinter mir immer länger wurde. Ein junger Mann, der gerade die Strasse kreuzte, hatte Erbarmen mit mir und übernahm den sperrigen Wagen und seine Last, als ich ihn in meiner Verzweiflung um Hilfe bat. Und verlud die Ungetüme an Kisten sogar in mein Auto, nachdem er meinen ersten Versuch beobachtet hatte, das zwei Meter lange und 50cm dicke Paket anzuheben. Was für ein Ausbund an Ritterlichkeit. Wir wir feststellten, kam er aus meiner Heimatstadt Wuppertal und hatte im selben Jahr Abitur gemacht wie ich. Wenn das kein Zeichen war! Dass mir mein Bett vielleicht ein Stück Heimat schenken würde... 

Als wir nach kurzer Autofahrt vor unserem Haus ankamen, stand ich vor der nächsten Herausforderung. Wie bitte sollte ich die Pakete nun in den zweiten Stock befördern? Alleine mit Lola? Die zwar bereitwillig die große blaue Tüte mit den hübschen Kleinigkeiten trug, aber weder die Bereitschaft noch die Kraft hatte, die Riesenpakete zu schleppen. 

Glücklicherweise kam einer meiner Nachbarn genau in diesem Moment durch die Türe, ein junger Mann, sehr schlank und zierlich, mit langen Haaren und Hipsterbrille, der aussah, als wäre er gerade aufgestanden, aber doch kräftiger als Lola schien. Vorsichtig bat ich ihn um Hilfe. Unsicher, wie er reagieren würde, und ob er die Last würde tragen können. 

"Na klar, kein Problem", antwortete er. Packte das überdimensionierte Paket, zog es flugs aus dem Auto und trug es mit einer Hand die Treppen hoch - zwei Treppenstufen auf einmal nehmend. Der Mund blieb mir offen stehen. Er sei auf einem Dreiseitenhof aufgewachsen und hatte schon früh mit anpacken müssen, erklärte er lachend. Und ehe ich mich versah, standen die vier Pakete oben vor unsrer Wohnungstüre. Aus einem der oberen Stockwerke erklang eine helle Frauenstimme: "Wo bleibst Du denn so lange?" Da sprang er schon davon... Ich rief ihm noch einen herzlichen Dank hinterher. Und verbrachte die nächste halbe Stunde damit, die vier Pakete irgendwie in unsere Wohnung zu zerren und so hinzustellen, dass ich sie auch in der richtigen Reihenfolge würde öffnen können. 

Erschöpft machte ich erstmal einen Mittagschlaf - und Punkt 16 Uhr begann ich mit dem Aufbau. Ich erinnerte mich an ein paar Einträge im Internet, dass der Aufbau etwas langwierig sei, doch die Anleitung sehr gut und hilfreich. Und es war ja nicht das erste Möbelstück des besagten Möbelhauses, das ich aufbaute. Und Lola half sogar mit. Geschickt steckte sie Schrauben rein, drehte sie mit dem Schrauber rein und schlug Gummistöpsel mit dem Hammer fest. Wobei sie mir begeistert erzählte, dass das Fach "Werken" ihr Lieblingsfach ist und sie später mal als Beruf Betten zusammenbauen will. So dass wir geschwind und voller Elan nach nur einer Stunde schon alle 6 Schubladen zusammengebaut hatten. 

Wenn ich gut war, würde ich in zwei Stunden zum Abendbrot fertig sein, überlegte ich. Und öffnete die nächste Kiste, mit der Nummer 2. Doch die in der Anleitung angegeben Holzteile waren nicht zu entdecken. Waren sie vergessen worden? Hatten sie doch andere Dimensionen als erwartet? Ich grübelte und brauchte etwa eine halbe Stunde, um auf die Idee zu kommen, dass die Teile in den drei Kisten verteilt waren und ich alle drei öffnen musste, um alle nötigen Einzelteile zu haben. 

Mein Arbeitstempo nahm langsam ab, auch Lola wollte nicht mehr helfen, und gegen 19 Uhr hatte ich gerade mal die Basis des Bettes zusammengeschraubt. Meine Arme und Handgelenke schmerzten, und mein Kopf war ganz schwummerig. 

Wütend schrieb ich im Geiste Einträge beim Möbelanbieter und beschwerte mich über den hochkomplizierten Aufbau, der für eine Frau alleine nicht zu bewältigen war. Hätte ich M. doch gefragt, ob er mir bei Kauf und Aufbau behilflich sein würde. Auch wenn er besagtes Möbelhaus nicht schätzte, so hatte er mir doch früher schon geholfen. Doch nein, dazu war ich zu stolz gewesen. Ich hatte es alleine machen wollen. Erschöpft schraubte und hämmerte ich weiter. 

Zum Glück erklärte sich Greta bereit, zum Abendbrot Pfannkuchen zu backen. Und nach einer kleinen Stärkung machte ich gegen 20.30 Uhr weiter. Wobei die Teile nicht weniger wurden, und mein Arbeitstempo noch weiter sank. Ich wusste jetzt, warum ich mir nie ein eigenes Bett besorgt hatte. Das war es wirklich nicht wert. Sehnsuchtsvoll dachte ich an meine Umzugskisten, die ich einfach hingestellt hatte. Fertig war das Bett. So ein unnötiger Aufwand. 

Da klingelte das Telefon. M. am Apparat. Was ich so treibe und ob ich heut Abend Zeit hätte? Erschöpft berichtete ich von meinem Vorhaben, meinem unermüdlichen Kampf mit den Schrauben und Seitenteilen. Er lachte. "Soll ich Dir vielleicht helfen? Und mal kurz mit dem Akkuschrauber rumkommen?" 

"Ja, bitte", sagte ich kleinlaut und wollte meinem Glück kaum trauen. 

Knappe zwei Stunden später, gegen 23 Uhr, kam er mit einem kleinen schwarzen Köfferchen bewaffnet bei mir an. Ich hatte mit all meiner Kraft weitergeschraubt, und immerhin zwei weitere Seitenteile anbringen können, nachdem ich sie dreimal wieder hatte abschrauben müssen, weil ich sie verquert herum anmontiert hatte. 

"Lass mal schauen", sagte M. Setzte den Akkuschrauber an. Und eine halbe Stunde später war das Bett komplett fertig. Sogar die Schubladen waren eingesetzt. Erschöpft und dankbar zog ich die Matraze auf den fertigen Bettkasten und ließ ich mich darauf fallen. Herrlich. Den lieben Männern und ihrer Ritterlichkeit sei Dank! 

Nun bin ich gespannt, was in meinem Leben passiert. Da ich nun jeden Tag auf einem echten, eigenen Bett schlafen kann. Was ich hoffentlich nie wieder abbauen muss. Und falls ja, bitte ich lieber gleich den lieben Mann um Hilfe. - Meine Unabhängigkeit hab ich mir ja nun ausreichend bewiesen.

Dienstag, 30. November 2021

Advent, Advent... das Kipferl rennt.

 Wie ich den Advent liebe. Den Duft von Tannengrün und Mandarinen, überall Kerzen und Teelichter (sehr stromsparend), an den Fenstern die gebastelten Sterne der Kinder.

 
Aber das Schönste: der Duft von frisch gebackenen Vanillekipferln, der die Wohnung durchzieht. Für mich ist das der Inbegriff von Advent und Weihnachten.

 

Am Sonntag habe ich eine Riesenladung gebacken. Die guten Alten, nach dem Rezept meiner Mutter. "Fränkischer Butterteig", mit Butterschmalz und Arrak. Wie sie in den Jahren meiner Kindheit immer an den Adventssonntagen auf dem Plätzchenteller lagen. Wohl rationiert, damit auch an den Weihnachtsfeiertagen noch welche da waren. 

Am besten schmeckten sie allerdings, wenn ich sie heimlich aus der grossen Keksdose stibitzte, die in der Speisekammer stand. Mit klopfendem Herzen, immer wieder aus der Tür schauend, ob auch niemand kam. Herrlich vanillig, süß und buttrig. Viel besser als Sonntags vom Teller. 

Und weil ich weiss, wie gerne auch meine Kinder welche stibitzen, stelle ich unsere Keksdose immer ganz weit hoch, hinten auf die Dunstabzugshaube in der Küche. Wo sie keiner vermutet. 

Und heute früh, als die Kinder aus dem Haus waren, ging ich zur Dose, nahm sie herunter und schaute nach, ob auch wirklich noch niemand genascht hatte... Und weil sie grad schon offen war, nahm ich mir heimlich ein Kipferl. Kurz vor dem Mittagessen schaute ich nochmal rein, nur um zu kontrollieren, und nahm mir nochmal eins. Nur eins. Und bevor ich Lola von der Schule abholte, ach, komm, noch eins. Und abends, als die Kinder im Bett waren, musste ich nochmal schauen. Und nahm, was soll's, noch eins. Wirklich nur eins. 

Vorhin habe ich nochmal nachgeschaut. Und mit Erschrecken festgestellt, dass die Dose schon halb leer ist - nach zwei Tagen! Haben die Kinder mein Geheimversteck doch entdeckt? 

Ach, es schmeckt halt nicht's leckerer als Vanillekipferl. Direkt aus der Dose! An Weihnachten werden wir dann wohl Lebkuchen essen müssen... Oder nochmal backen! 

Samstag, 20. November 2021

Lola, am Mikro!

Am Donnerstag war es - endlich - soweit! Lola hat ihren 14. Geburtstag gefeiert. Heiss ersehnt, seit 365 Tagen. Denn kaum ist die Party vorbei, plant Lola immer schon wieder den nächsten Geburtstag.


 
Dieses Jahr hat sie zwei Mikrofone geschenkt bekommen. Ebenso heiss ersehnt. Um zu Hause endlich richtig laut singen zu können!

Was sie direkt nach dem Frühstück gemacht hat. Zum Glück ohne Verstärker und Band: aber 'egal!' Mit Leib und Seele. Wie alles, was sie tut.


 
Zum Glück hat ihr der Papa 'ruhigere' und entspannendere Geschenke geschickt, so dass der Nachmittag sehr ruhig und besinnlich verlief.

'Oh Mama, nicht schon wieder fotografieren'.... 


 
Für heute, Samstag, war die 'echte Party' mit Schulfreundinnen geplant. 
 
Seit 11 Uhr standen wir in der Küche. Haben Quiche und Muffins gebacken, Fleischklösschen gebraten, Gemüse geschnippelt. Und Lola hat Käsetaschen gebastelt.

Ganz alleine. Zwar nicht als Teil ihrer Projektarbeit, dem 'Koch- und Backbuch'. Doch seit sie daran arbeitet, hilft sie viel mehr beim Kochen mit. Auch zunehmend selbständig. 

Um 15 Uhr war es soweit. Die 'Tischtennisparty' konnte starten. Wofür uns M. liebenswerterweise sein Studio überlassen hatte. Mit Flügel, Tischtennisplatte und: Mikrofon!!!! Sogar mit Verstärker. Also: so richtig schön laut! 

 Und noch bevor die Partygäste da waren, Lola legte spanische Musik auf, stellte sich ans Mikro und - sang!!! Wir nur Lola singen kann. 

Laut, schief und - voller Inbrunst!!!!

Sie war überglücklich. Noch bevor die Party überhaupt losging. Die nächsten 5 Stunden hätte sie auch alleine singen können. Sie wäre beseelt gewesen.

Mit den Partygästen bekam sie dann sogar echtes Publikum. Und sang weiter.  Laut, schräg und voller Inbrunst! Während ihre Schulfreundinnen Tischtennis spielten...

Irgendwann luchste ihr eine dann das Mikro ab. Und den Rest des Abends sangen die Mädels im Wechsel zu ihren Lieblingssongs. Als Solo oder Duo. Während die Anderen andächtig zuhörten oder lauthals mitsangen und tanzten. Je nach Song.

Was für eine schöne Party! Lola liegt jetzt glücklich und zufrieden im Bett. Und träumt wahrscheinlich davon. Oder - von der ganz grossen Bühne!

Freitag, 12. November 2021

Danke, dass Du gelebt hast!

 Heute vor 10 Jahren ist mein Vater gestorben. So eine lange Zeit schon. 

 

An manchen Tagen ist der Schmerz so stark wie damals. Auch wenn die Tränen nicht mehr so brennen. Und oft gar nicht mehr fließen.

An manchen Tagen überwiegt die Dankbarkeit, ihn als Vater und Großvater gehabt zu haben. Seine Stärke und Kraft, seine Lebenslust in uns zu spüren. 

An manchen Tagen überwiegt die Wut, dass er uns verlassen hat. 

An manchen Tagen die Angst, nicht weiter zu wissen. So wie er damals.

Heute freue ich mich vor allem, dass er gelebt hat. Dass er mir das Leben geschenkt hat. Dass er mir so viel mitgegeben hat, von seiner Neugierde, seine Begeisterung, seinem grenzenlosen Optimismus. Seiner Lust am Leben, am Abenteuer, am Neubeginn. 

Ich vermisse ihn. Ja. Aber vor allem bin ich dankbar, dass er gelebt hat. 

Er hat die Entscheidung getroffen, die er getroffen hat. Aus dem Leben zu gehen. Und ich wünschte, er hätte sie damals nicht getroffen. Hätte - in seinem Tunnel - wieder ein Licht gesehen. Wie so oft in seinem Leben vorher. 

Doch sein Licht brennt weiter. In mir. In den Kindern, seinen Enkeln. Und in der Welt. 

Und nährt neues Leben, neue Liebe und neue Hoffnung!

 

Danke, dass Du gelebt hast! 

Und mich zu der gemacht hast, die ich heute bin. Ich werde Dein Licht weiter tragen. Versprochen!

Sonntag, 7. November 2021

Huhn und Henne

Zum Sonntagsfrühstück habe ich heute spontan das 'Huhn und Henne' Geschirr gedeckt. Von dem wir früher in meiner Familie immer am Sonntag zum Frühstück gegessen haben. Da war so eine Sehnsucht in mir auf einmal, nach dem warmen Gefühl meiner Kindheit. 

Am Tisch sitzen, gemeinsam mit meinen Eltern, und die Eier löffeln. Genau richtig weich gekocht, mit der Eiermaschine von Krups. Die aussah wie ein Ufo. Und laut brummte, wenn die Eier fertig waren. Den Löffel eintauchen in das warme Eigelb, und noch ein wenig Salz aufstreuen, mit den kleinen gläsernen Salzstreuern. Aus denen denen nie etwas rauskam, weil das Salz trotz der Reiskörner immer verklebt war.

Es ist der Geschmack meiner Kindheit, die ich heute aufleben lassen wollte. Die Sehnsucht nach Geborgenheit und einem Ort, wo ich zu Hause bin. Wo ich mich an den üppig gedeckten Tisch setze und Eier esse, und meinem Vater von meinen Erlebnissen erzähle. Und er nickt, und leckt das Eigelb, das in seinem Schnauzbart hängen geblieben ist, mit der Zunge ab. Und grinst dabei. 

Vielleicht war es auch einfach der Wunsch, mich meinem Vater nahe zu fühlen. Der bald 10 Jahren tot ist. So lange schon, dass sein Bild immer blasser wird. Auch wenn das Gefühl stetig gleich bleibt. Und die Lücke auch. 

Papa, ich vermisse Dich! 

Dienstag, 2. November 2021

Schon gelacht heute?

Kennt ihr auch den November-Blues? Alles grau draussen - und drinnen auch? 

Ich kenn das zu gut. Vor allem nach diesen herrlichen sonnigen Herbsttagen. Die sich nun verabschieden... 

Da hab ich mir heute ein Lachtraining gegönnt. Ja, wirklich. 

Animiert durch den einladenden Satz "Du muss nicht 20 Jahre meditieren, um den Kopf frei zu bekommen. Drei Minuten Lachen hilft'. Auf der Seite von Cornelia Leisch.

Hab ich gestern spontan den Kurs 'Happy November' gebucht. Und war gerade zum ersten Mal dabei. 

Herrlich. Lösend. Lachend. 

Und ich fühl mich wie neugeboren... 

Falls es also auch bei Euch grad grau ist, kann ich das nur jedem empfehlen.

Samstag, 30. Oktober 2021

Alleine mit dem Zug nach Italien...

Würden meine beiden Mädels die Reise mit dem Zug nach Italien und zurück ganz alleine schaffen? Ich war sicher, tief in mir drinnen. Und doch furchtbar aufgeregt. Greta, gerade mal 15 Jahre. Zusammen mit Lola, immerhin schon 13. 

 

Vor 10 Tagen ging es los. Mit dem Zug nach München, halbe Stunde Zeit für den Umsteig. Und dann weiter über den Brenner bis nach Bozen, wo der Papa zusteigen wollte. Und schließlich zusammen nach Bologna. Bewaffnet mit Zugticket, Personalausweis, Impfausweisen, Corona-Tests, Geld zur Sicherheit, einem Haufen geschmierter Brote, Süßkram und Getränken brachte ich sie zum Zug.

Die beiden stiegen ganz entspannt in den Zug, winkten noch einmal kurz und weg waren sie. Während mein Herz pulsierte und mein Kopf sich alle möglichen Unwägbarkeiten ausmalte. Zumal draussen der Sturm tobte, mir schon auf dem Weg vom Bahnhof nach Hause Äste und Mülltonnen entgegen flogen und im Radio gemeldet wurde, dass die Regionalzüge in vielen Landesteilen still stehen und die Züge in Nordrhein-Westfalen gar nicht mehr fahren.

 

Bibbernd saß ich bei der Arbeit und versuchte, tiefenentspannt einen guten Workshop zu leiten. "Sie kommen heil und sicher an", betete ich mir innerlich vor. Auch wenn mein Kopf immer wieder die ulkigsten Fragezeichen dazwischen schob. Nein, tief atmen. Im Wissen, dass sie wohlbehalten durch diesen Sturm fahren. "Sie kommen heil und sicher an".

Und während in Leipzig und deutschlandweit die Bäume auf Strassen, Waldwege und Autos stürzten. Der Müll und die Baugerüste durch die Strassen wirbelten. Und der Verkehr an vielen Stellen zum Erliegen kam, rollten die beiden - im Auge des Orkans - durch die ganze Republik. Bekamen pünktlich den Anschluss in München. Und saßen abends zusammen mit dem Papa gemütlich in einer Pizzeria in Bologna. Der sich bestimmt eine herrlich frische Birra Morretti dazu gönnte, und ebenso erleichtert war, wie ich, dass sie gut gelandet waren.

Nach 10 Tagen Italien mit dem Papa - in Bologna, Venedig und Bozen - habe ich sie vorhin ebenso wohlbehalten wieder am Bahnhof abgeholt. Auf die Minute pünktlich sind sie angekommen. Mit welch selbstverständlicher Sicherheit die beiden durchs Leben gehen! Länder und Grenzen überschreiten. Wie stolz ich auf sie bin. Und natürlich wie dankbar, dass alles gut gegangen ist. Und sie ihre erste so positive Erfahrung mit einer Zugreise alleine machen durften.