Montag, 4. Juli 2011

Ausgegrenzt?

Seit etwas mehr als drei Monaten leben wir nun schon in einer Wohngemeinschaft zusammen mit 3 weiteren Erwachsenen und einem anderen (6-jährigen) Kind.

Zugegeben, es ist für unser Alter und vor allem mit Kindern eine etwas unübliche Wohnform. Aber in unserem Falle funktioniert es einfach sehr gut und ist in vieler Hinsicht eine große Erleichterung. Wir kochen zum Beispiel abwechselnd für die Kinder, passen gegenseitig auf die Kinder auf, wenn einer mal schnell was besorgen muss, und abends weggehen, ist auch unproblematisch, ganz ohne teuren Babysitter.

Und Greta ist überglücklich, in ihrer neuen Mitbewohnerin eine allerbeste Freundin gefunden zu haben. Die beiden sind ein Herz und eine Seele, beide im ultimativen Prinzessinen-Bailerina-Film und mittlerweile unzertrennlich.


Das einzig Schwierige zur Zeit ist, dass die beiden sehr oft alleine spielen wollen. Und alleine heißt: ohne Lola. "Lola stört!" krieg ich zu hören, die Kinderzimmertüre knallt zu. Weil die beiden Feen, Prinzessinen, etc.... spielen wollen. Alleine! Und Lola sitzt brüllend vor der Türe. Wenn ich versuche, die beiden davon zu überzeugen, dass Lola doch das Prinzessinnenbaby sein kann, bekomme ich zu hören: "aber du kannst doch auch so schön mit Lola spielen".


Wenn Greta und Lola alleine sind, spielen sie eigentlich immer sehr schön miteinander. Wahrscheinlich weil sie Geschwister sind, und ich niemals zugelassen habe, dass Lola raus muss oder weg etc.... Lola macht fast immer alles nach, was Greta macht, und beide haben Spaß daran, auch wenn es natürlich oft Streit gibt.


Auch in der neunen WG gibt es natürlich immer wieder Momente, wo alle Kinder zusammen spielen. Wo die Großen dankbar sind, bei ihren Vater-Mutter-Kind Spielen ein Baby zu haben.


Aber gerade in letzter Zeit sind die bewußten Ausgrenzungen doch sehr häufig geworden. Und wenn ich mitbekomme, wie Lola schluchzend vor der Türe sitzt, dann bricht es mir jedes Mal das Herz. Und ich wollte wie eine Löwin sie verteidigen, unter lautem Fauchen und Zähnefletschen. Den Großen klar machen, dass alle zusammen spielen und basta. Und doch weiß ich, dass die Kleinen eben oft nicht mitspielen dürfen. Dass die Großen einfach auch mal Zeit und Raum für sich brauchen, ohne die Kleinen. Dass das wahrscheinlich gar nichts mit Lolas Down-Syndrom zu tun hat.....


Oder vielleicht gerade doch? Weil Lola so lange noch dazu verdammt sein wird, die "Kleine" zu sein? Weil sie bei den Rollenspielen sprachlich nicht mithalten kann, weil sie nicht so schnell rennen kann, weil weil weil....

Muss ich erzieherisch eingreifen und dafür sorgen, dass alle gemeinsam spielen? Fängt da die Integration schon an?

Wie geht ihr mit so etwas um, unter Geschwisterkindern, mit den Freunden eurer großen Kinder? Ich fühle, dass ich mich für Lola einsetzen will, aber ich will auch Greta nicht ihrer Freiheit berauben.... Sollte ich vielleicht extra Zeiten einrichten, wo die Großen auch mal für sich sein dürfen, aber ansonsten spielen alle zusammen?

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Liebe Amelie!
Ja, das ist bitter für kleine Schwestern. (Ich hab´ja selbst zwei große Brüder). Und jedes meiner Kinder kennt diese Ausgrenzung nur zu gut. Als Mutter ist man da oft sehr hilflos und verzweifelt. Aber die Großen zu zwingen bringt oft nur noch mehr Wut und Streit. Lola wird da wohl ihren eigenen, manchmal einsamen Weg finden müssen. Vielleicht kannst Du ihr gelegentlich ein Nachbarskind organisieren, was natürlich für Dich wieder mehr Aufwand bedeutet und Lola auch nicht darüber hinwegtrösten kann, von ihrer Schwester abgelehnt zu werden.....
Du siehst also: auch ich bin da ratlos - ich glaube, das ist bei fast allen Geschwistern so. Es lehrt uns aber auch, zu akzeptieren, daß unsere engsten Vertrauten uns nicht verloren gehen, auch wenn wir nicht immer miteinander klar kommen...
Ich wünsche Dir viel Kraft für Dein trauriges Mutterherze...
Liebe Grüße - Annette

Isabel hat gesagt…

Das ist normal ich bin mutter von 3 kinder die ältesten 5 und 7 spielen zuzammen , die kleine gerade 3 stört auch
ich glaube es ist normal

Anonym hat gesagt…

Ach, Amelie, wenn es dich tröstet, Jan ist gerade Staatsfeind nummer 1 bei Lara und darf nie zu ihr ins Zimmer. Der sitzt auch vor ihrer Tür und heult, weil er nicht mitspielen darf. Ich fürchte, das ist gaaaanz normale Geschwisterbeziehung :(
Tengo muchas ganas de volevr a verte!
Elena

Elisabeth J.-S. hat gesagt…

Da versteh ich Dich sehr gut, glaub aber nicht, dass es mit dem Down-Syndrom zu tun hat.
Ich hab ja schon drei Grosse ... und da war das auch so, damals schon. Und heute macht die allerliebste Susanne es mit Robert genauso.
Das ist "Schicksal", das ist auch nicht gut wenn sie unter "Zwang" mit der Kleinen spielen "müssen".
Momentan beschäftige ich Robert immer wieder, er bockt dann ganz viel (weil er will ja net mit mir spielen), aber irgendwie schaffen wir es schon. Manchmal spielen wir auch etwas und sagen zu Susanne "Nein, Du jetzt nicht"...
Bei Robert wird es nie anders werden, denn er ist ja im Spielverhalten so ung.wie ein Fünfjähriger... das ist tatsächlich öfter nicht so toll für die Grossen...
Das ist ja toll, wie Ihr nun lebt. Eine mutige Entscheidung, ich wünsche Euch ein schönes Miteinander.
Elisabeth

amber hat gesagt…

liebe amelie

nein, ich denke auch nicht, dass es mit dem down-syndrom zu tun hat.
du weisst ja, ich habe 8 kinder und meine, es gehört einfach dazu, zum leben, zum üben, zum erleben...
es tut mir auch weh, aber nicht nur, wenn ich miterlebe, wie enea vom 2 jahre älteren bruder ausgeschlossen wird (das habe so nämlich noch gar nicht erlebt, wird aber sicherlich noch kommen, kommen müssen!)
ich erlebe es mit den siedlungskindern und meine, es ist ja nur sooooo "normal"!
in der regel veruche ich dem ausgeschlossenen kind eine beschäftigung mit mir zusammen anzubieten, das wird aber nicht immer angenommen und dann muss ich meinen mamaschmerz einfach mitaushalten :-)

eine spannende wohnform habt ihr da gefunden!

ganz herzlichen gruss dir

christina

Anonym hat gesagt…

Liebe Amelie,
meine Mädels sind fast so alt wie deine. Und Käthe hat auch immer die Baby- oder Katzenrolle, wenn Adeles Freundin kommt. Oder wird auch ausgesperrt.
Manchmal schicke ich Käthe mit etwas ganz besonderes in das Spiel, z.B. Prinzessinenkekse, ungekochte Nudeln im Topf, Kinderschminke,... Plötzlich ist Käthe wieder interessant und manchmal finden alle drei dann zusammen ins Spiel.
Bei uns ist es aber nicht alltäglich, dass die beste Freundin der Großen da ist. Ich kann mir vorstellen, dass die Situation schwierig ist.

Anne