Freitag, 22. November 2024

Meine Büchersucht

Heute Schnee, auch in Leipzig. Zumindest ein paar feine Flocken, die um die Mittagszeit vor meinem Fenster langtrieben. Und ich wollte doch eigentlich mit dem Fahrrad in die Stadt fahren, um mir bei Hugendubel das gestern erwähnte Buch von Hannes Ringelstädter, "Ein Steinpilz für die Ewigkeit' zu kaufen. Und jetzt das!

Egal, nach drei Stunden am Rechner und leichten Nackenkrämpfen vielleicht eine gute Abwechslung. Frische Luft. Und die ideale Gelegenheit, endlich meine neue olivgrüne Riesendaunenjacke auszuprobieren, die ich mir in einem Anfall selber zum Geburtstag gekauft habe (ja, ich kaufe mir seit ein paar Jahren selber Geschenke, da braucht man nicht ewig hoffen, ob auch das richtige dabei ist). Beim Kauf erschien sie mir ideal, ultradick und wunderbar kuschelig gegen die Winterkälte. Aber bei den milden Temperaturen der letzten Wochen fragte ich mich, ob dieses fette Jackenmonster nicht doch ein Fehlkauf war. 

Doch für heute war sie perfekt. Und eingepackt wie ein Michelinmännchen strampelte ich auf dem Rad ins Zentrum, auch ohne Lola. Voller Vorfreude auf ein Stündchen oben im Cafe bei Hugendubel: schonmal im Buch schmökern, dabei einen heißen Kakao trinken und mir endlich ein bisschen Müßiggang gönnen. Von dem ich ständig träume, ihn allen empfehle, ihn aber nie realisiere. Heute aber!

Im Buchladen empfing mich wohlige Wärme, der süssliche Geruch von frisch gedruckten Büchern und die bekannte Rolltreppe, die leise zu den Neuerscheinungen nach oben surrte. Und dieses Gefühl von Nachhause kommen und Abenteuer zugleich, das mich immer befällt, wenn ich eine Buchhandlung betrete. Soviele Tore in andere Welten, hinter all diesen Buchdeckeln. Und ich so neugierig, welche ich diesmal öffne. Denn fast immer entdecke ich etwas Neues, Ungeplantes. 

So auch diesmal. Denn die freundliche Buchhändlerin mit dem dunklen Zopf und der nach oben geschwungenen Brille teilte mir entschuldigend mit, dass das Buch von Ringelstädter leider gerade nicht vorrätig sei, warum auch immer. Ausverkauft? Oder doch nicht so bekannt. 

Schade, dachte ich. Ich hatte es mir so schön ausgemalt, beim Kakao im Buch zu lesen. Über seine Beziehung zu seinem Vater, dessen Sterben, und auch in mein Thema nochmal einzutauchen, auf humorvolle Weise. Und stand etwas enttäuscht und unschlüssig vor ihr. Als könne sie das Buch vielleicht doch noch hervorzaubern.

Da fiel mein Blick auf die Bücher von Diogenes. Zuoberst Benedict Wells: "Die Geschichten in uns."  Wovon mir schon mehrere Leute begeistert erzählt hatten. Teils Autobiografie, Teils Schreibratgeber, in dem er über seinen persönlichen Weg zum Schreiben spricht und über das Handwerk des Erzählens allgemein - Ähnlich wie Stephen King in seinem Buch 'Das Leben und das Schreiben', das mich beim Schreiben vom Buch über Lola so inspiriert hatte. Und wohl auch ihn.

Ich mag die Bücher von Benedict Wells, seinen Ton, auch wenn sie etwas düster sind und seine Protagonisten einsam, aber vielleicht gerade deswegen. Also die perfekte Gelegenheit, es mir beim Kakao dochmal näher anzuschauen. 

Zusätzlich griff ich mir noch schnell das neue Buch von Joachim Meyerhoff: 'Man kann auch in die Höhe fallen', das am Tisch daneben lag. Und über dessen Veröffentlichung ich noch gar nichts wusste. Über seine Zeit gemeinsam mit seiner 80jährigen Mutter, bei der er ein paar Monate verbracht hat und dadurch aus einer tiefen Lebenskrise herausfand, wie ich auf dem Cover las. Auch spannend, wie alle autobiografischen Bücher von Meyerhoff, von denen ich viele schon verschlungen habe. Und wegen ihrer Komik in der Tragik so liebe.

Erleichtert, dass ich so schnell neues 'Lesefutter' für den Cafebereich gefunden hatte, stieg ich eine Treppe höher. Und fand nach drei Anläufen auch endlich einen schönen Tisch. Der erste war am Fenster, mit Blick auf die Thomaskirche, aber leider zu hoch. Am zweiten setzten sich direkt zwei junge Frauen plaudernd neben mich, und lachten mir so laut ins Gesicht, dass ich Reißaus nehmen musste. Erst am dritten Tisch fand ich endlich die angemessen Ruhe und Behaglichkeit. Und verlor mich fast augenblicklich in der Welt von Benedict Wells. 

Er hat einen Sog, dem ich kaum widerstehen kann. Eine Genauigkeit der Sprache, der Worte, die so einfach und treffend sind. Dass es umso erstaunlicher war zu lesen, wie viele 'schlechte Bücher' er zunächst geschrieben hat, gestelzt, gekünstelt, schlecht gebaut. Bis er zu dieser Sprache fand. Und wie lange er an seinem Traum vom Schreiben festgehalten hat, gegen alle Widerstände und Ratschläge, nach Hunderten von Absagen, bis er nach vier Jahren reinem Schreiben kurz davor war aufzugeben. Und dann  endlich einen Verlag fand - Diogenes!

Niemals hätte ich die Kraft, gegen so viele Absagen und Widerstände meinen Traum zu verfolgen.  Wahrscheinlich bin ich doch viel zu glücklich, gehätschelt und behütet aufgewachsen. Alles ist mir immer zugeflogen. Und was es bedeutet, wirklich für eine Sache zu kämpfen, auch gegen Widerstände, weiß ich bis heute nicht. 

Und so wurde dieser Ausflug durchs Schneetreiben in die Buchhandlung wieder zu einem Erweckunsgerlebnis, auch wenn anders als erwartet, und natürlich konnte ich den Laden nicht verlassen, ohne die beiden Bücher mitzunehmen. 

"Also das Buch von Wells, das brauchen Sie in ihrem Bücherregal. Da haben Sie ein Leben lang Freude dran", sagte die Buchhändlerin mit der hochgeschwungenen Brille, als ich ihr mein Problem kommentierte, dass ich nie ohne zwei oder drei Bücher aus dem Laden gehen kann. Was natürlich immer eine ordentliche Geldinvestition bedeutet. "Und das neue Buch von Meyerhoff habe ich geliebt. Das können Sie dann auch wunderbar - zu Weihnachten - weiter verschenken, so mach ich das immer." 

Stimmt auch wieder, dachte ich. Und verließ so auch diesmal den Laden mit zwei Büchern, und einer Bestellung vom Buch von Ringelstädter. 

Und so habe ich den heutigen Abend vertieft in die Welt von Benedict Wells verbracht, und bisher keine Sekunde bereut, das Buch gekauft zu haben. Ich sah mich selber schon innerlich Romane schreiben, vielleicht inspiriert es mich ja doch noch dazu. (Bis dahin lese ich welche.)

Und das mit meinem Plan von neulich, doch mal weniger Geld auszugeben, das verschiebe ich auf später. Oder münze es so um für mich, dass es darum geht, das Geld bewusst auszugeben. Im Idealfall für Gutes, was mir meine Welt öffnet und mich wachsen lässt. Oder mich wärmt - wie meine dicke warme Daunenjacke, ohne die ich diese Reise in die Welt der Bücher heute erst gar nicht angetreten hätte. 

So, und jetzt muss ich weiter lesen.

Donnerstag, 21. November 2024

Resilienz - Können wir sie lernen?

Wie kann man es schaffen, auch angesichts von Krisen den Kopf oben zu behalten? Psychisch gesund zu bleiben? Nicht zu verzweifeln und dran zu zerbrechen - sondern vielleicht sogar gestärkt daraus hervorzugehen. 

Darum geht es in der Doku 'Die innere Kraft - Können wir Resilienz lernen', die vor 4 Jahren im MRD ausgestrahlt wurde, und bei der ich - bzw. wir als Familie - mitmachen durften. Hah, weil wir wohl so krisenerprobt sind, und uns trotz vieler Hürden im Leben bisher so wacker geschlagen haben. 

Nun ja, konkret kamen wir dazu, da Stephan Liskowsky und Dinah Münchow, zwei Freunde aus Leipzig, diese Dokumentation gemacht haben, in der es um den Umgang mit Schicksalsschlägen geht, darunter den Tod von nahen Angehörigen. Und sie noch jemanden suchten, der bereit war, sich vor die Kamera zu stellen und dort über seine persönlichen Bewältigungsstrategien zu erzählen. 

Und da sie vor Jahren schon einmal eine Doku über uns mit Lola gemacht haben ('Eine Welt ohne Behinderung'), und uns darüber gut kannten, fragten sie nochmal an. 

Konkret fragte mich Stephan im Sommer 2020, ob ich mir eventuell vorstellen könnte, über den Tod meines Vaters vor der Kamera etwas zu sagen. Denn ich hatte ihm schon viel davon erzählt, wie schwer es für mich war, und auch, dass ich seit einiger Zeit ein Buch darüber schrieb. Also wäre das sicher auch eine gute 'Promotion' für mein Buch, wenn es denn dann rauskäme. So seine Überlegung.

Ich erbat mir Bedenkzeit. Denn es bedeutete, erstmals öffentlich über den Suizid meines Vaters zu sprechen. Denn obwohl ich seit Jahren darüber schrieb, hatte ich es bisher nicht geschafft, dieses Buchprojekt in eine veröffentlichbare Form zu bringen. Hatte noch nicht einmal mit meinen Kindern offen über seinen Tod gesprochen. Hatte mich zwar persönlich seit Jahren intensiv damit auseinandergesetzt, aber nichts dazu öffentlich gemacht. Weder in meinem Blog noch als noch so kleine Publikation. Und jetzt - offen im Fernsehen, vor aller Augen? 

Aus irgendeinem Grund sagte ich ja. Schließlich wollte ich ja drüber sprechen. Endlich über das totgschwiegene Thema woanders als in Therapiegruppen oder mit guten Freunden sprechen, oder nur immer weiter darüber zu schreiben, für mich alleine im stillen Kämmerlein. Seit Jahren wuchsen die Manuskriptseiten, doch es wurde nicht fertig. Und besser fühlte ich mich immer noch nicht. Also, warum nicht diesen Sprung ins Licht der Öffentlichkeit als Gelegenheit nehmen, aus dem Dunkel ans Licht zu treten damit?

Und so sprach ich endlich offen mit meinen Kindern, erzählte davon, wie ihr Opa gestorben ist. Etwas, vor dem ich jahrelang solche Angst gehabt hatte. Und sie schauten, fragten, und nickten. Verstehen konnten sie es noch nicht, aber sie wussten es jetzt. Endlich. Und eine Riesenlast war von mir genommen. Das Tabu, das große dunkle Geheimnis hatte seine Macht verloren. 

Und dann kamen Stephan und Dinah irgendwann zum Dreh zu uns, interviewten mich, filmten uns, und so wurden wir Teil einer sehr berührenden Doku. Die ich vorhin in Teilen nochmal geschaut habe, und selber ganz berührt war von meinen Worten. Darüber, wie ich auch mit Lolas Besonderheit habe leben lernen. Und wie das Erzählen von Geschichten dazu beitragen kann, ein schweres Ereignis gut ins das eigene Leben zu integrieren. Indem ich mir eine Geschichte erzähle, die mir Kraft gibt, die dem Ereignis einen Sinn gibt. In der ich mich nicht als Opfer der Umstände wahrnehme, sondern daran wachsen kann, etwas über das Leben erkenne, das mir Kraft verleiht. 

Staunend lauschte ich meinen eigenen Worten. Manchmal muss man sich wohl selber daran erinnern... 

Aber was den Tod meines Vaters angeht, musste ich an einigen Stellen der Dokumentation doch den Kopf schütteln. Da war doch einiges nicht ganz korrekt. 

Mein Vater war nämlich noch nicht in Rente, als er starb. Er haderte also nicht mit der Rente, sondern vielmehr mit seinen nachlassenden beruflichen Fähigkeiten, die ihm die Kraft raubten, weiter zu arbeiten.

Und erstaunt hörte ich mich in der Doku sagen, dass ich wütend auf ihn sei, dass er uns einfach verlassen hat, sich 'vom Acker gemacht hat'. Während wir weiter machen mussten. Und die Sprecherin fügt hinzu, dass ich ihm immer noch nicht verziehen habe. 

Ja, sicher war ich auch wütend auf ihn. Und kam mir zutiefst verlassen vor. Sicher hat sein Tod mir zum ersten Mal vor Augen geführt, dass der Weg nicht immer nur nach vorne geht und nicht immer alles gut ausgeht, sondern man auch einfach aufgeben kann. Was mein Grundvertrauen oder meinen Optimusmus als Lebensmaxime erschüttert hat. 

Aber ich habe immer auch seine Not gesehen. Seine Einsamkeit. Seine gefährliche Fixierung auf Arbeit und Leistung als Lebenssinn. Und viele Zufälle, die zu seiner einsamen Entscheidung, auch aus Verzweiflung geführt haben. Und natürlich habe ich ihm verziehen. Sonst könnte ich ja gar nicht damit leben.... 

Hat sich meine Haltung in den letzten Jahren doch noch so geändert? 

Ich weiß es nicht. Vielleicht muss bei so einer Doku die Story auch irgendwie stimmen, auch wenn sie mit meiner subjektiven Wahrheit, die sich stetig verändert, nicht zwangsläufig übereinstimmen muss. Aber dennoch wollte ich das hier nochmal festgehalten haben. Denn ich will nicht in die Film-Annalen eingehen als die Frau, die ihrem Vater seinen Suizid nie verziehen hat.

Denn ich glaube wirklich, dass im Verzeihen und Vergeben ein großes Heilungspotential liegt. Und somit eine Grundlage für Resilienz. 

Weiterhin erzähle ich noch im Film, dass ich einen Roman darüber schreiben will. Und ja, damals stimmte das. Nachdem ich mit meinem autobiografischen Buch nicht zu einer für mich stimmigen Fassung fand, begann ich tatsächlich, einen Roman darüber zu schreiben. Wo ich meine Geschichte nochmal in der 3. Person erzählte, um eine gewisse Distanz zum Geschehen und Erleben zu haben. 

Doch daran bin ich genauso kläglich gescheitert bzw. musste irgendwann feststellen, dass mich das Schreiben darüber ständig re-traumatisierte, statt mich zu heilen. Ich steckte in einem Narrativ fest, das mir nicht half zu leben, gesund zu leben. Sondern mich krank machte.

Und so habe ich meinen Buchplan vor knapp zwei Jahren endgültig begraben. Das erste Schreiben über seinen Tod und meine Beziehung zu ihm war zwar unendlich wichtig für mich gewesen, wirklich therapeutisch. Aber der jahrelange Versuch, es immer wieder neu und besser zu schreiben und zu veröffentlichen, hat mich krank gemacht. 

Und so tat ich, 'was dem Leben dient' (wie mir meine damalige Supervisorin riet), und hörte auf mich täglich mit dem Tod meines Vaters zu beschäftigen. Und seitdem geht es mir um soooo viel besser, als in all den Jahren meines verzweifelten Schreibversuchs. Die mich ihm zwar nah bleiben liessen, aber mit in den 'Tod' zogen (gefühlsmäßig). 

Ja, Schreiben muss also nicht immer heilsam sein, wie ich jetzt weiß. 

Und dennoch ist da noch diese offene Frage in mir. Wie ich seinen Tod doch noch in eine Geschichte verwandeln kann, mit der ich gut leben kann, und durch die ich sogar habe wachsen können. Und die ich irgendwann auch aufschreiben kann. Nun, ich muss wohl noch darüber nachdenken. Aber nicht heute. Und morgen vielleicht auch nicht. 

Jetzte bestell ich mir gleich erstmal das Buch von Hannes Ringelstetter, 'Ein Steinpilz für die Ewigkeit', über das ich eine so hervorragende Rezension bei MDR-Kultur gehört habe. Ein Buch, in dem er - auch mit Humor - über das Sterben und den Tod seines Vaters schreibt. Und das braucht es, glaub ich, auch für dieses Thema - das Gegengewicht des Lachens und des Lichts. Was mir bisher schreibend nicht gelungen ist. Aber gut... ich hab ja noch ein paar Jährchen.

Mittwoch, 20. November 2024

Lolas eigener Musikaccount

Seit Jahren nutzt Lola meinen Musikstreaming-Account. Jeden Tag. Hat Dutzende von Playlists und Lieblingssongs. Das schöne daran: sie kennt sich richtig gut aus mit Musik.

Das Dumme daran: ich bekomme seit Jahren nur noch Vincent Weiss, Lena oder 'Bibi und Tina'-Hörspiele vorgeschlagen, wenn ICH mal Musik hören will. 

Egal wann - beim Kochen, Chillen und auf irgendeiner Party, stehe ich hilflos da, wenn es um die Musikauswahl geht. Zumindest von Musik, die MEINEN Musikgeschmack treffen würde. 

Und - zumindest früher - habe ich SEHR gerne Musik gehört. Aber NICHT Vincent Weiss. 

Die KI erkennt einfach nicht, dass ich seit Jahren meinen Account mit meiner Tochter teile. 

Während Lola seit Jahren jede Party mit ihrer Musik rockt (wenn die Gäste das zulassen). Und dabei wirklich für Stimmung sorgt! (Je nach Altersgruppe und Musikgeschmack). 

Aber nun, heute, am 20. November 2024 habe ich es endlich geschafft, und Lola ihren eigenen Musikaccount eingerichtet. Yeah!!! 

In knapp einer Stunde hab ich ihre gesammelten Playlisten (Nr. 1- 50) und ihre Lieblingssongs ihrem EIGENEN Account hinzugefügt. Einfach ein paar Mausklicks. Kein Hexenwerk. Auch für mich schaffbar. 

Und das, nachdem ich mich seit Jahren vor diesem Schritt so gefürchtet habe. Weil ich befürchtete, dass es furchtbar kompliziert ist. Für mich als 'digital dummy'. 

Doch unglaublich! Ich hab es geschafft.

Eine Stunde Konzentration -  und nun kann ich endlich wieder MEINE Musik hören. UNd bekomme in ein paar Tagen oder Wochen hoffentlich endlich Musikvorschläge, die MEINEM Musikgeschmack entsprechen. 

Mal schauen, wie lange die KI braucht, um zu erkennen, dass ich mich nicht mehr in der musikalischen Symbiose mit meiner Tochter befinde.

Vielleicht lösch ich auch einfach meinen Account und eröffne einen neuen. Und fang nochmal ganz von vorne an!

Meine Gleitsichtbrille ist weg!

Vor ein oder zwei Jahren fing es an. Ich konnte erst die Bedienungsanleitungen nicht mehr lesen, dann erschien mir das Licht beim Frühstück immer öfter zu dunkel, um die kleinen Buchstaben der Zeitung zu entziffern. Dann musste ich auch die Bücher immer weiter weghalten von mir, um das Bild scharf zu stellen. Aber vor allem konnte ich beim Autofahren - wo ich seit Jahren eine Brille tragen muss - nicht mehr gut den Tacho oder den Navi erkennen. Und ich fühlte mich ersmtals in meinem Leben wirklich 'behindert' - sehbehindert. Ein für mich komplett neues, und wie ich fand, furchbares Gefühl: nicht mehr alles erkennen zu können. 

Ein paar Jahre habe ich das nun ertragen, aber im Frühjahr war es soweit. Und in einer Hauruckaktion ließ ich mir beim Optiker eine Gleitsichtbrille anfertigen. Eigentlich war ich mit Lola dort, die mal wieder eine neue Brille brauchte, weil ihre Augen jedes Jahr ein bisschen schlechter werden. Aber plötzlich hatte ich das Gefühl, dass ich mich auch mal um MICH kümmern muss, nicht immer nur um das Wohl der Kinder. Und zu meinem Wohl gehört es definitiv dazu, gut gucken zu können. 

Und so entscheid ich mich im Laden einfach für das erstbeste Modell, das mir gefiel. Liess mir mittelgute (und vor allem mittelteure, aber immer noch ordentlich teure) Gläser anfertigen, und eine Woche später war ich stolze Besitzerin einer Gleitsichtbrille. Und hatte endlich wieder einen scharfen Blick. Sowohl in die Ferne, als auch in der Nähe. Ein herrliches, fast erhebendes Gefühl, wieder alles sehen zu können.

Gut, zuerst stolperte ich ein wenig im Treppenhaus. Musste mich daran gewöhnen, den Kopf mit den Augen mitzudrehen. Aber der Vorzug des klaren Blicks überwog alles. Rein ästhetisch sehe ich mich immer noch nicht als Brillenträgerin, weswegen ich sie selten anzog, wenn ich unter Menschen war. Oder eben erst im Kinosaal, im Auto oder am Frühstückstisch. 

Doch vor allem war ich unendlich dankbar, dass sich diese Form der leichten Sehbehinderung so einfach beheben lässt. Indem man eine Brille aufsetzt.

Einziger Nachteil. Ohne Brille kann ich nun wirklich gar keine Bücher mehr lesen. Die Augen haben sich schnell an die neue Sehhilfe gewöhnt, ohne die ich jetzt wirklich unfähig bin, die Buchstaben zu erkennen. Die Augenmuskeln scheinen sich abgebaut zu haben, die mit etwas Mühe das Scharfstellen vorher noch erlaubten. Aber - dafür hab ich ja meine Brille. 

Hah, bis heute Abend!!! 

Denn als ich vorhin meine Brille suchte, um ganz gemütlich in der Badewanne ein Buch zu lesen, im heißen Wasser meinen etwas schmerzenden Rücken zu entspannen und mir nach dem gestrigen Geburtstagsmarathon einen schönen Feierabend zu gönnen, da fand ich sie nicht. Nirgends!!!! 

Ich glaube, mich zu erinnnern, dass ich sie ins Auto mitgenommen habe, wo ich sie meist aufsetze (aber auch nicht immer). Aber ich bin mir nicht sicher. Meine letzte bewusste Erinnerung an sie ist um die Mittagszeit, da lag sie auf dem Tisch. Danach - sosehr ich auch grüble, ich kann nicht rekonstruieren, was ich mit ihr gemacht habe, oder wo ich sie eventuell hingelegt oder liegengelassen habe. 

Ein Desaster. Nicht nur, weil ich jetzt nix mehr lesen kann. Sondern vor allem, weil ich mir jetzt noch so ein Ding kaufen muss. Und ja, das war defintiv nicht vorgesehen im Jahresbudget. (Schon die erste Ausgabe riss ein Loch hinein). 

Selbst das Baden und anschließende angestrengte Meditieren half nicht, die Brille per Manifestation wiederauferstehen zu lassen oder mich per Selbsthynose an ihren Verbleib zu erinnern. Sie ist und bleibt verschwunden. 

Und so hoffe ich nun inständig, dass ich sie morgen irgendwo in den Kinderzimmern entdecke, die ich noch nicht abgregrast habe. 

Alternativ würde ich mir einen Geldsegen von 10.000 Euro wünschen, mit dem ich den Kauf einer neuen Brille locker finanzieren kann. 

Warum genau 10.000 Euro? Das war mein Silvesterwunsch, um den ich mich selber kümmern muss. Die anderen 12 Wünsche hatte ich ins Feuer geworfen, da kümmert sich jetzt zum Glück das Universum drum. 

Einzige offene Frage: wie kommen 10.000 Euro zu mir? Habt ihr vielleicht eine Idee? Ich hab ja noch knapp 6 Wochen Zeit.... Da wär dann eine schöne neue Gleitsichtbrille ganz entspannt drin. 

Ich werde mir heute Nacht auf jeden Fall vor dem Schlafengehen diese Frage stellen (sicherheitshalber auch nochmal die nach dem Verbleib der Brille), und dann hoffentlich im Traum Antwort erhalten. Denn im Schlaf haben wir ja bekanntlicherweise Zugang zu so viel mehr Informationen als bei bewusstem Verstand. Und ich hoffe auf präzise und verständliche Antworten. 

In diesem Sinne, gute Nacht! Lesen kann ich ja jetzt eh nix mehr.

Montag, 18. November 2024

Sweet seventeen!

Yeah, Happy birthday!!! Lola hat heute ihren 17. Geburtstag gefeiert! Und was für ein schöner Tag war das wieder. 

Denn Lola liebt ihre Geburtstage. Ein Jahr lang bereitet sie immer minutiös vor, was sie an ihrem Geburstag macht. Was wir essen, wen sie einlädt. Und natürlich was sie sich wünscht. Und sie hat immer soooo viele Wünsche über das Jahr. 

Und in diesem war das vor allem ein Fahrradrucksack. So einer, den man auf dem Rücken tragen, aber auch an den Gepäckträger klippen kann. Klar, so gerne wie sie Rad fährt. 

Und sie war überglücklich, dass sie ihn endlich endlich auch bekommen hat. Von der geliebten Oma Claudia!!! 

Darüber freute sie sich sogar noch mehr als über das Handy, das sie nun endlich auch bekommen hat. Ein erstes, eigenes Handy. Was ich bisher so lange hinausgezögert habe. Aus Unsicherheit darüber, wie sie damit umgeht, und wie ich sicher stellen kann, dass sie nicht die ganze Zeit am Handy hängt (wie ihre Geschwister leider allzu oft). 

Vielleicht lag ihre fehlende Begeisterung auch daran, dass das Handy tatsächlich morgens noch nicht auf ihrem Geburstagstisch lag. Denn - wie gestern schon erzählt, kam das Paket zu spät. Vorhin hat es mir der Postbeamte aber zum Glück in die Hand gedrückt. Und Lola freute sich auch am Nachmittag riesig darüber. Auch wenn es noch verpackt und nicht gebrauchsfertig ist. 

 

Und so ging Lola heute Morgen - nach dem Auspacken der Geschenke - überglücklich mit ihrem gestern gebackenen Kuchen in die Schule. Schick im roten Glitzerkleid und mit Lederjacke, bereit sich feiern zu lassen. 

Sooft schleicht sie gebückt, unter ihrer Kapuze, fast unsichtbar durch die Schule, legt sich in irgendeine Ecke. Aber nein, heute stolzierte sie erhobenen Hauptes, fast salutierend, in die Schule. Empfing von allen Seiten herzliche Glückwünsche, und wurde von der Klasse mit einem Lied auf den Lippen empfangen. Ach, wie sie das immer geniesst, im Mittelpunkt zu stehen.

Und nach der Schule hatte sie - wie jedes Jahr - wieder zum Geburtstag eingeladen. Diesmal zu einer "Wohnzimmerparty - mit Tanz & Film, Pizza & Pommes" - bei uns zu Hause. Und um halb vier Uhr standen hier 12 junge Mädels auf der Matte, und tanzten und lachten, und quirlten durch das Wohnzimmer. Lola strahlend mittendrin, begeistert ihre Geschenke auspackend. Um dann wieder Musik zu machen. Das lässt sie sich an ihrem Jubeltag natürlich nicht nehmen - da werden ihre spotify Lieblingssongs rauf und runter gespielt. Und alle tanzen!

Zur Feier des Tages guckten dann noch alle gemeinsam - 'Bibi und Tina - Der Film'. Den sie alle schon einmal zusammen geguckt haben, bei Lolas 10. Geburtstag. Es war wie ein kleiner Revival. Nochmal - Kind sein. Und alle grölten mit. Herrlich. Lagen zusammen auf unserm grossen Sofa, futterten Chips und - Pizza. Und Lola war glücklich!

Geburtstag ist für sie immer DER Tag des Jahres. Und ich freu mich, dass es auch dieses Jahr wieder so schön für sie war. Und alle ihre Freundinnen aus der Klasse auch gekommen sind. Denn ihre Geburstage haben sich als 'Super Parties' herumgesprochen, wo immer alle hinwollen.

Auch wenn ICH gegen Mittag, als ich mit dem Beamer kämpfte, der kein Signal empfing, kurz in Panik geriet, ob das überhaupt mit dem Film klappen würde. Gerade eben total matt vom Aufbauen, Pizza backen und Aufräumen aufs Sofa gefallen bin. Und jetzt noch ganz heldenhaft mich an die Installation des Handys machen werde, denn das kann Lola leider wirklich nicht alleine. 

Und bin ehrlich gesagt auch sehr froh bin, dass nur einmal im Jahr Geburstag ist!


Sonntag, 17. November 2024

Ein Sonntag zum 'rumfaulen'

 Endlich wieder ein herrlicher 'fauler' Sonntag, tiefenentspannt. Bei schönstem grauen Novemberwetter, was jeden Schritt nach draussen kategorisch ausschloss, so dass wir - ohne jedes schlechte Gewissen - ausschlafen, lange frühstücken und 'rumfaulen konnten, wie Lola immer so schön sagt. 

Bei ihr bedeutet das konkret: dass sie in ihrem Zimmer sitzt, Musik oder Hörspiele hört, und dabei 'Bibi und Tina' Bücher abschreibt. Seitenweise. Sie hat schon ganze Ordner voll kopierter Bücher in Schönschrift. Sie liebt das. Ganz gewissenhaft die Seiten und Texte zu kopieren. Als wäre das ein bezahlter Job.

Gegen Mittag wollte sie jedoch zusammen mit mir einen Kuchen backen, für ihre Klasse morgen. Denn zum Geburtstag bringen die Kinder immer noch jeder einen Kuchen mit. 

Und so backten wir gemeinsam aus ihrem 'Koch-und Backbuch' den Schoko-Kirsch-Kuchen. Natürlich mit glutenfreiem Mehl, damit sie den morgen auch mitessen kann. 

Und ich freute mich, dass sie endlich mal wieder zusammen mit mir in der Küche stehen wollte. Teig mixen, Schokolade schmelzen, Zutaten abmessen, verquirlen. Denn gemeinsam backen macht einfach Spass. Und sie war endlich mal wieder ganz liebevoll und eifrig. Statt wie so oft meine Wünsche oder Ideen mit einem barschen, 'Nö'. Kein Bock.'  zu quittieren. 

Da sie selber die Idee entwickelte hatte, für ihre Klasse den Kuchen zu backen, hatte sie natürlich Lust. Obwohl ich sie dann doch noch daran erinnern musste, weil sie so im Zimmer bei ihren Hörspielen versunken war.

Mir fällt es oft schwer, diese Gratwanderung, ihr Autonomie zuzugestehen, d.h. sie selbständig über ihre Interessen entscheiden zu lassen (die oft fast auschließlich aus Film gucken, lauter Musik hören und tanzen bestehen) und dazu, sie zu einer gewissen Selbständigkeit im Leben anregen bzw. fast zwingen zu müssen. Wie mal selber was kleines zu kochen, ihr Zimmer aufzuräumen, alleine zur Schule zu fahren, oder etwas beim Konsum einzukaufen. 

Und in nächste Zeit möchte ich sie noch mehr dazu anregen, mehr Schritte in diese Selbständigkeit zu gehen. Und über ihren Schatten der Bequemlichkeit zu springen. Und die Dinge, die ihre Altersgenossen längst alleine machen, auch alleine in Angriff zu nehmen. 

Heute aber bin ich froh, dass wir so einen gemütlichen Sonntag hatten. An dem ich eben sogar noch ganz entspannt ihren Geburtstagsfrühstück gedeckt und die Geschenke darauf drapiert habe. Die zum Teil aus kleinen Briefchen bestehen mit ausgedruckten Bildern von Geschenken! Denn leider sind einige der per Internet bestellten Geschenke nicht angekommen. Worüber ich gestern noch ganz verzweifelt war.

Aber auch das konnte meine Stimmung an diesem tiefenentspannten Sonntag nicht trüben. Und ich hoffe, Lola's morgen früh auch nicht.

Samstag, 16. November 2024

Kartoffelbrei und Fischstäbchen

 Ich musste heute den ganzen Tag arbeiten. Was aber bedeuetete, dass Lola den ganzen Tag über alleine wäre. Weil Greta ja in Spanien ist und Pavel mit M unterwegs. 

Ein kurze Zeit verbringt sich öfter mals alleine in der Wohnung, aber mehr als drei Stunden bisher nicht.

Würde sie es einen ganzen Tag lang alleine schaffen? Und vor allem, würde sie es hinkriegen, sich selber was zum Mittag zuzubereiten? Ich war unsicher.

Und so fragte ich M., die Tochter von Freunden, ob sie Zeit und Lust hat, mittags mal rumzukommen. Und gemeinsam mit Loli was zu kochen. 

Und M. hatte zum Glück Zeit und Lola war gleich begeistert, denn sie mag M sehr. Sie sind beide gleich alt, sprechen beide spanisch, lieben es zu tanzen und - Musik. 

Mittags haben sie dann gemeinsam gekocht. Kartoffelbrei, Spinat und Fischstäbchen. Lola's Leibgericht. Und dafür das wunderbare Koch- und Backbuch genutzt, das Lola im Rahmen ihrer Achtklassarbeit vor zwei Jahren selber erstellt hat. Mit allen Zutaten, Fotos der Zubereitung und kurzen Beschreibungen. 

 

Als ich vorhin wieder nach Hause kam, chillte Lola entspannt in ihrem Zimmer. Die Wohnung roch nach Fischstäbchen, und die Küche war blitzeblank aufgeräumt. 

Auf meine Frage, was die beiden sonst noch gemacht hatten, bekam ich leider keine Antwort. "Nix, Mama. Lass mich in Ruhe. Will nicht sagen." 

Klar, doofe Frage. Wessen sechszehnjährige Tochter erzählt ihrer Mutter auch so genau, was sie mit Freunden gemeinsam gemacht hat. 

 So soll es sein. Wie schön, dass alles so super geklappt hat! 

Wirklich Zeit, dass sie mehr mit Gleichaltrigen unternimmt. Und wenn es nur für ein Stündchen mit Freunden ist. Auch wenn ich noch ein bisschen nachhelfen muss, mit dem 'Socialisen'.... 

Und toll, dass sie den Rest des Tages ganz enspannt alleine zu Hause verbracht hat. Sie wird doch langsam groß. Auch wenn sie viel lieber gerne kleine wäre manchmal... 

Aber das ist wohl so, in dieser Phase des Erwachsen-Werdens. In der man bei ihr, anders als bei den Geschwistern, die von ganz alleine unabhängig werden wollen, so viel mehr 'nachhelfen' muss.