Mittwoch, 4. Dezember 2024

Selbst ist die Frau...

Erstmals seit Jahren ist Lola ganz alleine in einen Laden gegangen und hat etwas gekauft. 

Normalerweise weigert sie sich strikt, alleine irgendwo hin - oder reinzugehen, um etwas zu kaufen. Weder will sie im Laden sprechen noch alleine bezahlen. 'Nein, Du machen, Mama. Kann nicht!" Wie oft bin ich schon daran verzweifelt.

Doch gestern hat sie gleich dreimal alleine etwas gekauft. 

Zuerst gebrannte Mandeln auf dem Weihnachtsmarkt. Dann ihr glutenfreies Brot beim Bäcker. Und zum krönenden Abschluss ist sie sogar ganz alleine in den Bioladen gegangen und hat sich dort - von ihrem Taschengeld - eine Apfelschorle gekauft.

Ich wollte selber nicht in den Bioladen, sondern hielt nur kurz mit dem Auto an und ließ sie rausspringen. Und sie ging souverän rein und holte sich ihre geliebte Apfelschorle. Und stieg anschließend zufrieden wieder ins Auto, als hätte sie nie etwas anderes gemacht. Und meinte: 'Mama, ich morgen Einkauf machen. Ganz alleine. Du warten draussen."

Plötzlich, ohne dass ich darauf bestanden hätte. 

Wieso plötzlich dieser Schub an Selbständigkeit? Den ich mir als nächsten wichtigen Entwicklungsschritt bei ihr 'vorgenommen' hatte. Sie dahin zu bringen, endlich mal alleine einzukaufen!  

Weil wir uns neulich mal beim Abendessen darüber unterhalten haben, dass sie das ja schon längst könnte? Weil sie endlich ein eigenes Handy hat, und sich dadurch erwachsener und ernst genommener fühlt? Weil ich endlich zu Hause darauf bestehe, dass sie in höflichem Tonfall mit mir redet und mich nicht mehr 'anherrscht'? Also ihr ein respektvolles Verhalten 'abverlange' bzw. ihr zutraue, dass sie sich so verhält, wie ihre Geschwister auch?

Wohl eine Mischung aus allem. Vor allem aber, weil sie es auf einmal selber wollte. Und es sich selber zugetraut hat. Und sich nicht mehr hinter der Fassade von der armen kleinen Lola versteckt hat, die nichts kann und hilflos ist, hinter der sie sich so oft verkriecht. 

 

Bestimmt hat auch mein veränderter Blick auf sie - liebend, aber auch fordernd - etwas in ihr bewegt. 

Heute kam sie ganz selbstverständlich mit der Tram alleine von der Schule nach Hause. Alles auf einmal überhaupt kein Problem mehr.

Immer wieder wundere ich mich über diese plötzlichen Entwicklungssprünge bei ihr, manchmal nach Jahren der Stagnation. Auf einmal, puff, kann sie alles. Als wäre es nie anders gewesen.

Dienstag, 3. Dezember 2024

Advent Advent, ein Lichtlein brennt....

Und jetzt ist er da, der Advent. Mit Kerzen überall in der Wohnung, leckeren Plätzchen und Tannenduft. Endlich wieder zu Ruhe kommen, nach den arbeitsreichen, grauen Novemberwochen... Und so langsam kommt auch das passende Gefühl dazu auf in mir.

Und obgleich die Wohnung noch nicht gross weihnachtlich dekoriert ist, haben wir einen wunderschönen Adventskranz, den die Kinder SELBER auf dem Adventsmarkt gebunden haben.

Letztes Jahr haben sie ihn auch schon gemeinsam mit Greta gebastelt, und ich hatte gedacht, dass da sicher Greta den Großteil beigetragen hat. Aber der diesjährige Kranz hätte schöner nicht sein können! Allein das Werk von Pavel und Lola.

Und dank der Oma haben wir auch einen wunderschönen Kalender. Nicht wirklich einen Adventskalender, aber einen sehr schönen, informativen Silvesterkalender!!! Für diejenigen, die 'Dinner for One' gar nicht erwarten können... Mal was anderes!

Und der Weihnachtsmann hat auch schonmal Hallo gesagt :-)



Donnerstag, 28. November 2024

Stürmisch draussen - und drinnen?

Draussen weht ein eiskalter Wind. Wetterumschwung vom milden Herbst zum Winter. Und auch meine Stimmung ist gestern auf den Tiefpunkt gesunken. 

Soll ich das hier so schreiben? Mich so zeigen? Soll ich überhaupt all diesen grauen bis schwarzen Zwischentöne hier zeigen? Das will niemand lesen. Alle haben doch selber genug Herausforderungen zu bewältigen. 

 

Amelie, schau auf das Schöne, die Fülle. Empfange die Geschenke des Lebens, jeden Tag neu! Schau einfach hin! Tönt es in mir....

Nimm Dir ein Beispiel an Deinen Kindern!

 Lola nimmt ihr Mikro, stellt die Musik ohrenbetäubend laut an und hüpft grölend durch ihr Zimmer. Sie feiert die größte Party ever. In ihrer Fantasie singt sie im Stadion auf der Bühne, tausende Fans stehen unter ihr und feiern sie! Beglückt und erschöpft kommt sie nach dem 'Konzert' in die Küche, welch ein Erfolg!

'Instant' gute Laune, indem sie sich einfach auspowert. Und sich ihre Fans vorstellt.

 Oder Pavel. Mit seinem Basketball geht er jeden Tag auf den Platz und 'trainiert'. Körbe werfen, Dreier, Fünfer! Für die NBA, dabei ist er noch nicht einmal in einem Verein. Er übt Dunkings im Kinderzimmer, montiert den Korb genauso hoch, dass er gerade den Ball reindonnern kann. Erschöpft und voller Erfolge kommt er zurück. In seiner Fantasie kurz ein NBA Star! 

Wo ist meine Fantasie geblieben? Meine Kraft, mich von meinen inneren Bildern leiten zu lassen? Mir das Leben einfach schön vorzustellen. 

Ich bin erwachsen, denke ich. Ich kenne den Schmerz, der folgen wird. Die Enttäuschung. Ich ahne, dass es auch dieses Mal nicht klappt. Ich bereite mich innerlich vor auf die Ablehnung, und erstarre. Ich denke überhaupt so viel. All diese Fragen und veralteten Bilder, die durch meinen Kopf klappern. Am liebsten mitten in der Nacht. Und mich am schlafen hindern. 

Dabei weiß ich, dass der Glaube hilft. Das tiefe Wissen, getragen zu sein, geführt zu werden. Dass wir aus Fehlern und Rückschlägen lernen. Dass sie mich zu der gemacht haben, die ich bin. Dass es von meiner Perspektive auf das Leben abhängt. 

 

Sehe ich die Fülle, die Liebe, die Zuwendung, die Geschenke, schenkt mir das Leben umso reicher. Im Kleinen wie im Großen. Und an vielen Tagen gelingt es mir. Und ich schwebe. Und egal wie bescheiden mein Leben, egal, wie viele Chancen ich habe verstreichen lassen, ich sehe all das, was ich gewonnen habe. Was ich geschenkt bekam. Voll Dankbarkeit. 

Nur heute nicht... 

"Warum?", würde Lola fragen. 

"Ich weiß es nicht", würde ich heute antworten. "Ich weiß es nicht."

Dienstag, 26. November 2024

Handydiät wirkt Wunder!

Irgendwann hat es mir dann doch gereicht. Und der Tag war heute!

Ich hatte genug von Lolas unwirscher Art, ihrem motzigen Ton, ihren Kreischanfällen, wenn ich ihr sage, sie soll mal das Tablet ausmachen. Dem ständigen Bitten und Betteln, dass sie den Film ausmachen soll. 

Und so hab ich heute einfach ihre Handyzeit auf NULL gesetzt und in ihrem Tablet wieder einen Code gespeichert, den nur ich kenne. 

Als sie heute nach der Schule nach Hause kam, hatte sie also keinen  Zugang zu den von ihr so heiss geliebten digitalen 'Geräten'.

Da sie in der Schule nicht gut mitgemacht hatte, und eine Schulstunde komplett auf der Toilette war, weil sie 'kein Bock auf Eurythmie hatte', war das sowieso die logische Konseuqenz, mit der sie gerechnet hatte. 

Sie darf nämlich unter der Woche nur dann abends Musik hören und ihr Tablet nutzen, wenn sie in allen Schulfächern gut dabei ist und auf ihrer Token-Liste 'grüne Punkte' bekommt. Ein System, was wir vor einiger Zeit eingeführt haben, und was Wunder gewirkt hat, was ihre schulische Beteiligung angeht. 

Also, warum nicht genauso konsequent zu Hause sein?

Handy und Musik ja, aber nur dann, wenn sie auch zu Hause 'mitmacht', sprich: etwas im Haushalt erledigt, ihre Sachen aufräumt, ohne Protest duscht, halbwegs freundlich und höflich ist. Klar, Teenager, aber ihr Tonfall war in letzter Zeit doch weit jenseits dessen, was ich bei ihren Geschwistern durchgehen lassen würde. Weil ich oft viel zu 'verständnisvoll' mit ihr bin. 

Was mich aber am Ende stocksauer und wütend auf sie macht, siehe gestern, und was ihr auch überhaupt nicht gut tut. Weil sie auf die Weise sich einen Umgangston in engen Beziehungen angewöhnt, den kein Mensch ertragen würde. Egal wie gern er sie hat. 

Und oh Wunder: statt zu protestieren und zu motzen über den Handyentzug, war sie heute super freundlich, liebevoll, zugewandt. Ging ohne Protest duschen, sang sogar unter der Dusche, fragte freundlich um Nachschlag beim Essen, war lustig und liebevoll. So wie ich sie auch kenne, von früher, wie sie aber länger schon nicht mehr durchgehend ist. 

Erstaunlich, wie klar sie sich doch der Grenze bewusst zu sein scheint, die sie in letzter Zeit ständig mit ihrem Verhalten überschritten hat. Und wie schnell sie sich anpassen kann. 

Vielleicht tut ihr der viele Handykonsum aber auch einfach nicht gut. Womit sie ja nicht die einzige wäre. 

Ich will nun einfach konsequent ihre Medienzeiten reduzieren und auch 'regulieren', und viel konsequenter sein, wenn sie mal wieder über die Stränge schlägt so wie in den letzten Tagen, und nur noch motzt und  schimpft. 

Schön, wenn es am Ende doch so einfache Lösungen gibt. Warum nur bin ich nicht vorher darauf gekommen, oder hatte die Kraft, das einfach mal durchzuziehen? Handy und Tablet aus und weg! Punkt. Diese ständige Angst vor ihrem Protest.... 

Montag, 25. November 2024

Handyterror

Lola heute zu Hause. 24 h, mit Frauenleiden. Am Morgen schwach, mit Bauchweh und bettlägerig. Jammernd. 'Kann nich Schule gehn. Bauchweh, schlafen...'

Doch kaum hatte sie das neue Handy in der Hand, war sie quietschfidel. Hat Mails gecheckt und versendet, Spiele gespielt und natürlich Musik gehört. Und als ihre Handyzeit zu Ende war, hat sie mich irgendwie überredet, auch noch das Tablet zum Musik- und Hörspielhören nutzen zu dürfen. Und da ich ja in Ruhe arbeiten wollte, hab ich mich breit schlagen lassen. Und sie hat gefühlt die ganze Zeit mit den Kopfhörern dagesessen und Hörspiele gehört. Bauchweh und Müdigkeit wie weggeblasen. 

Und Mittags klar, da durfte sie auch noch einen Film gucken. Und war danach so überdreht, (wie immer nach dem Film gucken,) dass sie nur noch mit sich selber redete, alles nachspielte, und mir gegenüber total laut und aggressiv wurde, vor allem als ich ihr sagte, dass wir gleich noch zum Einkaufen und zum Geigen wollen.

Und ich hatte mir letzte Woche doch vorgenommen, ihr gegenüber strenger zu sein. Konsequenter. Diesen harschen Ton mir gegenüber nicht mehr hinzunehmen. Ihr da ENDLICH klare Grenzen zu zeigen. Ihr das Tablet auch mal konsequent wegzunehmen oder ihr Handy zu sperren, wenn sie so aggressiv wird. 

Letzte Woche gelang mir das auch einen Tag lang. Und da war sie tatsächlich auf einmal viel freundlicher, respektvoller und selbständiger! Ich weiß also, dass es wirkt!

Aber heute? Bin ich wieder total eingeknickt. Hab mich von ihr anmaulen lassen. Türen knallten. 'Raus hier aus meine Zimmer!", motzte sie mich an.

Und in mir brodelte es. Die Wut auf sie, auf diesen Ton, diese respektlose Art. 

Aber neben ein paar müden Androhungen und beschwichtigendem 'Loli, ich mag nicht, dass Du so mit mir redetst', konnte ich ihr Null-komma-Nix entgegen setzen. Keine Grenze, keinerlei Konsequenz.

Wie ich mich darüber ärgere! Vor allem über mich selbst.

Nach dem vollkommen unverdienten Abendfilm, den sie aus Gewohnheit natürlich auch noch schauen durfte, ist sie noch eine Stunde lang wach geblieben und gerade erst gegen 22.30 uhr eingeschlafen. Eine Stunde später als sonst.

Ich muss was ändern! Nur was? Und wie? 

Wenn ich nur endlich konsequent sein könnte....

Meditation 'to go'

Vor einiger Zeit meldete sich ein alter Studienfreund aus 'Bonner Zeiten' bei mir. Er sei demnächst in Leipzig, zu einem Seminar zum 'holotrophen Atmen'. Ob er bei uns übernachten könne? Ja, klar.

Wir gingen gemeinsam aus. Und beim Gin Tonic erzählte er mir, dass er gerade Stress in seiner Ehe habe. Und über das Atem-Seminar eine Bewusstseinserweiterung suche. Endlich in guten Kontakt zu seinen Gefühlen und seinem Inneren kommen wollte. Vielleicht würde das ja auch seiner Partnerschaft auf die Sprünge helfen. Was 'holotrophes Atmen' dazu beitragen konnte, verstand ich allerdings nicht so ganz. 

Ich empfahl ihm einen Gestalttherapeuten, der auch tibetische Meditation anbietet. Das erschien mir vielversprechender. Um sich auch durch innere Arbeit weiter zu entwickeln. Denn oft sind es ja eigene unverarbeitete Themen, die wir in unseren Beziehungen re-inszenieren.

Über die Jahre hörten wir uns sporadisch. Ab und zu bekam ich Urlaubsfotos, auf denen die Familie unterschiedlich fröhlich wirkte.

Im Oktober lud er mich zu seinem runden Geburstag nach Berlin ein. In seine schicke Loftwohnung im Prenzlauerberg, mit Blick auf den Fernsehturm. Ich fragte mich gespannt, wie es ihm ging - auch in seiner Ehe.

Seine Frau öffnete mir strahlend die Türe und begrüßte mich herzlichst. Die jahrelange Begleitung durch den Therapeuten hatte wohl vieles in Bewegung gebracht, erfuhr ich beim Sprizz und freute mich. Vom holotrophen Atmen erzählte sie nichts. 

Mein alter Freund wirkte tiefenentspannt und fröhlich - hatten ihm die tibetischen Meditationen gut getan?

Beim Abschied fragte er mich, ob ich am nächsten Abend auch beim Rausfeiern dabei sein wollte - in einem Berliner Club, zum 'Barfusstanz'? Er würde dort tanzen, zwischen 17 uhr und 4 Uhr. Das würde ja ein Partymarathon werden!

22 Uhr kam ich zum Club, mein 'erstes Mal' in der Berliner Clubszene. Als ich Ende der 90er Jahre in Berlin studierte, war ich nur in den Kellerbars unterwegs, aber in keinem der Clubs. Ich war von der gestrigen Party zwar noch müde, hatte keine große Tanzlust, aber ich wollte doch wenigstens einmal im Leben in einem Berliner Club gewesen sein.

Beim Einlass stellte ich brav meine Schuhe in ein Regal und betrat auf Socken den Dancefloor, einen kurzfloorigen Teppich, während mir die Türsteherin noch zuraunte, dass Rauchen im hinteren Clubabteil erlaubt sei, ansonsten aber keine anderen Drogen.

Alles voller Nebel, tanzende und zuckende Leiber aller Altersgruppen, in der Ferne das DJ-Pult. Ich fühlte mich fremd. Zum Glück tanzte gerade mein alter Freund heran, wild mit den Armen um sich rudernd, tanzte aber auch gleich wieder weg, auf dem Weg zu den Toiletten.

Als er endlich zurück kam, sagte er nur kurz, dass die anderen Freunde schon weg seien. Und warf wieder rhythmisch Arme und Beine in alle Richtungen, im Beat der Bässe. Seine Augen im Wechsel in die Ferne und ins Innere gerichtet. Blickkontakt oder gar Gespräch unmöglich. Voll im Tanzflow, wahrscheinlich seit 17 Uhr. War das seine innere Arbeit? Seine Tanzmeditation!

'Ich frag mich, wie Du das durchhälst, nach der Party gestern!", raunte ich ihm zu, in der Hoffnung auf eine Antwort. 

"Tanzen, einfach tanzen. Ganz im Hier und Jetzt! ", lachte er. Und zappelte weiter. Ich tat mein Bestes, reckte meine Arme, schüttelte meine Beine, drehte mein Becken. Versuchte, mich vom Beat mitreißen zu lassen. Keine Chance. Der Beat ergriff mich nicht. War ich zu alt?

Außer mir schien niemand vom Tanz-unmut betroffen zu sein. Überall zappelten die Arme, schlängelten sich die Leiber, fuhren die Finger wabernd auf und ab, durch den Dunst und das blitzende Licht.

"Ich frag mich, wie die alle so eine Tanzenergie aufbringen", rief ich ihm zu. "Drogen sind ja nicht erlaubt".

Er lachte. "Das sagen sie am Eingang. Aber alle nehmen hier was". Und warf sich gegen den aus der Maschine hervorquellenden Nebel. 

"Häh?", brachte ich fassungslos hervor. Als würde man mir den Vorhang meiner naiven Gutgläubigkeit wegziehen. "Hast Du denn auch was genommen?", setzte ich gegen den Beat hinterher. Und ging davon aus, dass er verneinen würde. 

"Na klar", sagte er. Die Hände in Fäusten gegen die Decke schüttelnd. "Zum Start erstmal LSD und vorhin noch MDMA." 

"MD.. was?", fragte ich. Und vergaß meine Arme und Beine zu bewegen. 

"Ecstasy", lachte er mich an und schloß wieder seine Augen, um sich wild zuckend den Bässen zu überlassen. 

Für eine Sekunde erstarrte ich. Fassungslos. Bevor ich wie maschinenhaft meinen Oberkörper zu bewegen begann. Deswegen war er so wortkarg, bewegte sich so absurd und konnte keine Sekunde mit dem Tanzen innehalten. 

Während er sich weiter um sich drehte und ins "Hier und Jetzt" schlängelte, wurden meine Bewegungen immer monotoner. Bis ich mich ernüchtert in eine Ecke der Tanzfläche zurückzog.

Das war also seine Form der Meditation. Er hatte mir von Bewusstseinserweiterung erzählt, besserem Kontakt zum Körper, zum Inneren. Über 'holotrophes Atmen'. Tibetische Meditation, hatte ich gedacht.

Wohl zu langwierig auf Dauer. Wenn man es auch mit einer Pille oder zwei haben kann. Eben - to go, oder - to dance.

Als ich mich von ihm verabschiedete, nickte er nur kurz, und tanzte zuckend weiter. Ob er sich überhaupt daran erinnern wird, dass ich da war? Wahrscheinlich nicht. Ganz im 'Hier-und-Jetzt'.

Samstag, 23. November 2024

Voll der Samstag

Was für ein voller, reicher Samstag!

Zusammen mit Lola habe ich heute die Weihnachtszeit eingeleitet - passend zum kalten Winterwetter draussen - und Plätzchen gebacken. Die klassischen Mürbeteigplätzchen zum Ausstechen. Die Lola heute vormittag unbedingt backen wollte!

Ich war eigentlich im Samstagshausputzmodus. Alles stand kreuz und quer, voller Eimer , Wischlappen und Staubsauger. Die Kücher war gerade gesaugt und gewischt. Da kam Lola und wollte UNBEDINGT Plätzchen backen. Jetzt! 

Puh dachte ich,  jetzt? Wirklich? Ja, jubelte sie. Plätzchen backen! Und da konnte ich natürlich nicht nein sagen. Wenn sie schonmal von sich aus backen will. Das muss ich ja unterstützen.

Und obwohl das Ausrollen des 'glutenfreien' Teiges doch etwas bröckelig war, und Lola so einige Nerven gekostet hat (und mich natürlich auch), stachen wir endlich herrliche Plätzchen aus. Und Lola war glücklich. 

Auch wenn die feinteiligen Eulen, Katzen und Einhörner, die sie als Ausstecher von ihren Freundinnen zum Geburtstag geschenkt bekommen hat, sich nicht wirklich bewährt haben. Ein paar einbeinige Katzen und ein Einhorn ohne Horn haben wir aber geschafft.

Und beim Spaziergang durch den Johannapark rannte Lola auf einmal quer über die blätterübersäte Wiese, warf jauchzend die bunten Blätter nach oben und tanzte hindurch. Dass mir selber das Herz lachte, sie in solcher Innnigkeit und Freude zu erleben. 

Immer wieder unglaublich und herrlich ansteckend ihre pure Lebensfreude - auch wenn sie  fünf Minuten vorher noch gejammert und geklagt hat über schwere Füße und Bauchweh, und dass sie nie über ihre 'Themen' reden kann, sondern immer nur Pavel erzählt. (Der ja um einiges mitteilungsintensiver und auch wortgewandter ist als sie)

Nachdem wir Pavel aber bei einem Freund abgesetzt hatten, nutzte Lola die Gelegenheit und erzählte mir auf dem Rückweg eine eigene, selbst ausgedachte Geschichte über 'Bibi und Tina'. Mit Wettreiten, Besuch der Pferdemesse, gemeinsamem Kuchenbacken und "Treffverbot" für Tina mit Alex, wegen ihrer schlechten Schulnoten. Bis ihr 'der Mund schmerzte vom Reden', wie sie sagte. 

Ich war begeistert! Und wirklich erstaunt, wie flüssig und detailreich sie erzählte. Sogar in ganzen, manchmal sogar komplett richtigen Sätzen. Da ist das viele Hören der Bibi-und-Tina-Hörspiele ja doch für etwas gut.

 
Und Zuhause erwartete  Lola im Postkasten noch ein ganz besonderes Geschenk. Ihre Hausmutter aus ihrem Praktikum in der Lebensgemeinschaft in Sassen hat ihr zum Geburtstag ein Päckchen geschickt, mit vielen liebevollen Kleinigkeiten aus dem 'Dorf'.
 

Lola freute sich riesig und jubelte, entdeckte in der Dorfzeitung viele bekannte Gesichter, über die sie mir gleich erzählte. Was für eine schöne Überraschung. Und eine wunderbare Erinnerung an diese Zeit, die für sie so schön und beglückend war. Vielleicht bald ja mal wieder.  Tausend Dank dafür!