Donnerstag, 6. Dezember 2012

Pränatale Diagnostik, und dann?

Zu Beginn meiner Schwangerschaft mit Pavel, von dem wir damals noch nicht wussten, dass er ein Pavel werden würde, stellte sich uns die Frage, was wir an PND machen lassen wollten und was nicht. Zumindest stellte meine Frauenärztin diese Frage, wiederholt. Obwohl ich sie immer als recht zurückhaltend empfunden hatte, schien sie plötzlich sehr darauf bedacht, diesmal nichts unentdeckt zu lassen.

Schon beim ersten Besuch, ging es darum, was wir denn machen würden, wenn... das Kind nochmal eine Trisomie haben sollte. M. und ich hatten das Thema noch nicht im Detail miteinander besprochen, aber für mich war es klar.

"Also, wir würden uns schon sehr freuen, wenn das Kind diesmal keinerlei genetische Besonderheit hätte. Aber wenn es so ist, dann wäre es eben so. Ich würde es auf gar keinen Fall abtreiben wollen, falls es das ist, was Sie wissen wollen. Das hieße ja, dass ich Lolas Leben nicht lebenswert finde. Nein, NIEMALS!!!"

Und damit war das Thema für mich geklärt. Für meine Ärztin allerdings nicht.

Im Laufe des Gesprächs und der folgenden Termine legte sie mir eine Chorionzottenbiopsie sehr ans Herz, damit wir auf jeden Fall Sicherheit hätten. Die sei ABSOLUT risikofrei heutzutage. Was? Soweit mir bekannt, gibt es dabei ein Fehlgeburtsrisiko von 1 -3%!!! Das soll kein Risiko sein? Wenn ich das Kind sowieso behalten will?

Bei jedem Termin fand sie eine andere Auffälligkeit, die sie in einem extra-Ultraschalltermin nochmal abklären wollte, um sicherzugehen....

Und schickte mich, um ganz sicherzugehen, auch schon in der 18. Woche zur Feindiagnostik. Obwohl zu diesem Zeitpunkt der Fetus noch gar nicht ausgereift genug ist, um Fehlentwicklungen feststellen zu können, am Hirn, Herzen und anderen Organen, weswegen die Feindiagnostik gemacht wird, zumindest die, die dem WOHLE des Neugeborenen dient.

Nein, eine so frühe Feindiagnostik dient allein dazu, möglichst früh eine Trisomie feststellen zu können und ... zu verhindern! (Mit medizinischer Indikation, und die ist durch Trisomie 21 gegeben, kann auch nach der 12. Woche noch abgetrieben werden! Und im letzten Jahr haben ca. 2.500 Frauen aufgrund einer medizinischen Indikation zwischen der 12. und der 23. Woche abgetrieben!!!)

Meine Ärztin wollte nicht verstehen. Sie respektierte unsere Entscheidung NICHT. Wir wollen das Kind, egal mit wie vielen Chromosomen.

Wir sind dann zur Feindiagnostik gegangen, in der 21. Woche, ganz normal. Ich übrigens zum ersten Mal. In den anderen beiden Schwangerschaften hatte ich darauf verzichtet. Einfach um vorher schon bescheid zu wissen, falls was wäre. Es war aber nix. Alles perfekt.

Und dann habe ich die Frauenärztin gewechselt. Dass sie meine Entscheidung nicht einfach respektieren wollte, hat mich schon sehr entsetzt.

Wie viele Frauen werden wohl von ihren Ärzten auf diese Art und Weise zu Entscheidungen getrieben, die sie NIEMALS alleine getroffen hätten? Erst recht nicht, wenn sie wüssten, wie schön das Leben mit einem Kind mit Down-Syndrom sein kann.... Entsetzlich. Für die Kinder. Und die Frauen. Die eine solche Entscheidung sicher in tiefste Depressionen stürzt.


Kommentare:

Alexandra hat gesagt…

Ja, das war bei uns auch so. Wir haben nach Marlene auch die Frauenärztin gewechselt und die neue auch über die Gründe informiert. Da tat sie auch super verständnisvoll, aber als wir dann meinten, wir wollten keine weiterführende PND, war es mit ihrem verständnis nicht mehr so weit her.
Mit Gustav waren wir dann schließlich doch zum Organultraschall, aber erst in der 28. SSW (woraufhin die Empfangsdame dort meinte: "Na, das ist aber ganz schön spät!" - udn ich sie fragte: "Ganz schön spät für eine Abtreibung, oder was?"...). Bei diesem Organultraschall waren wir soooo froh, dass wir uns so etwas mit Marlene erspart haben, denn der tolle Ultraschallprofi meinte doch wörtlich zu uns: "Ich würde so ein Kind mit Down-Syndrom trotzdem nicht nehmen, denn man kann zwar die Herzfehler operieren, aber dann bekommt es vielleicht noch Leukämie dazu..." Als ich wieder zum Denken in der Lage war, dachte ich, es geht bei diesen ganzen Untersuchungen doch tatsächlich nur um das perfekte Kind, für das es sich lohnt, die viele Liebe zu investieren.
Dabei sind wir so froh, Marlene mit ihrem schweren Herzfehler und ihrem langsamen Lerntempo und ihrer übergroßen Liebe zu haben!
Und wie Du neulich schriebst: So ein gesundes Kind ist auch nicht ohne!
Schöne Grüße nach Leipzig,

Alexandra (die zur Zeit auch jede Stunde nachts von einem normalchromosomigen Kind geweckt wird)

Nicolás Britos hat gesagt…

Impresionante. Me resulta difícil imaginar una situación así en otros lugares que no sean Alemania... no sé por qué. Probablemente me equivoque.

schlawittchen hat gesagt…

Unverschämt! Gut, dass du die Ärztin gewechselt hast. Zwar ist ihre Ansicht durchaus nachvollziehbar, aber dass sie eure Entscheidung nicht akzeptiert, ist einfach unklar...

Schade, dass so viele Menschen so unsicher im Umgang mit behinderten (, fremdsprachigen, alten, ...) Menschen sind. Eigentlich traurig für die Menschheit, oder?