Mittwoch, 15. November 2017

Energietankstelle gefällig?

5 Uhr Nachmittag. Es ist schon dunkel. Die Kinder spielen in ihren Zimmern. Und ich? Könnte einen Artikel in der Zeitung lesen. Etwas Schönes kochen. Oder den Geschirrspüler ausräumen.

Aber ich fühle mich so kraft- und saftlos, dass ich zu nichts in der Lage bin. Dabei war der Tag eigentlich schön. Und gar nicht so energieraubend.

Habe ein erquickliches Seminar in der Uni gehalten. Ohne dass mich die Studierenden ausgebuht haben.

Habe mit meinem ehemaligen Chef angenehm zu Mittag gegessen und Möglichkeiten einer Weiterbeschäftigung eruiert (noch ohne Aussicht auf Erfolg, aber egal).

War mit Pavel im 'kleinen Garten', habe in der Erde gewühlt und Zweige zerhexelt. Derweil Pavel Steine zerkloppt hat, um einen Weg zu "pflastern". (Jetzt liegt alles voller Steinbrocken, aber egal).

Während Lola und Greta beim Geigen waren und alleine mit der Straßenbahn wieder nach Hause gekommen sind.

Ein runder, schöner, voller Tag.

Und ich? Bin ohne jede Energie.

Kennt ihr das?

Warum nur? denke ich. 

Was kann ich machen, um mich besser zu fühlen? Mich aufzupumpen, mit neuer Energie? Da muss es doch Tricks geben, Tipps.

Hab ich den falschen Job?

War die Gartenarbeit doch zuviel?

Denke ich zu viel nach, während ich etwas tue? Müsste ich mich mehr auf das Hier und Jetzt konzentrieren?

Mehr Sport, das ist es. Mehr Sport machen.

Wirklich?

Oder sollte ich mich vielleicht einfach einen Moment auf das Sofa legen? Mich einfach einen Moment lang auf das Sofa legen. Und - nichts tun! Nichts denken. Nichts fragen. Nichts lösen. Einfach: nichts.

Und wie wunderbar, liegt es sich da. Beine hoch. Kissen unter den Kopf. An die Decke starren. Ruhe, Endlich Ruhe.

Bestimmt 5 Sekunden. Da kommt Greta ins Wohnzimmer. "Mama, was machst DU denn da?" fragt sie und starrt mich entgeistert an.

"Ähm. Ich glaube, ich liege auf dem Sofa."

"Und was MACHST du da?"

"Nichts", sage ich. So selbstverständlich wie möglich.

"Na, dann ist ja gut", sagt sie und geht in die Küche, um sich etwas zum Naschen zu holen.

"Und was gibt's zum Essen heute?"

"Weiß ich noch nicht...", antworte ich.

Und denke: Nichts.