Lolas Lieblingsspruch seit ihrem 18. Geburstags. 'Bin erwachsen - ich darf das!", mit dem sie auf ihren vielen neuen Rechten beharrt. Gut, Recht hat sie.
Aber sie hat auch Pflichten, dachte ich mir heut. Als sie mal wieder zu spät zum Frühstück kam, und ihren Toast nicht aus dem Toaster nehmen wollte. "Zu heiss, kann nich. Du machen!", während sie sich schon bequem auf den Sessel fläzte.
Ich, gerade noch gemütlich Bch lesend, wollte schon aufspringen, wie immer, die überfürsorgliche Mutter. Aber heute, nein. 'Sie kann das doch selbst', dachte ich mir.
Ein Riesengeschrei, Gewimmer, Flehen und Diskutieren von Lola, warum das nicht geht. Heute nicht und morgen auch nicht.
Aber ich - blieb hart. Ich sah es einfach nicht mehr ein.
Nach 10 Minuten(!) Diskussion, als ich kurz mal zum Luftholen aus der Küche ging, holte sie den Toast dann doch schwupps raus und legte ihn auf ihren Teller. Was für ein Akt, aber immerhin.
Mittags dasselbe. Als ich sie bat, die in der Pfanne bratenden Nudeln in der Pfanne umzurühren und ein paar Eier reinzuschlagen, während ich kurz das Bett neu bezog, dasselbe:
'Kann nicht, zu heiss. Du machen, Mama!" Als ich darauf bestand, Riesengeschrei, Heulen, kreischende Vorwürfe, das sei meine Aufgabe. Ich kochte innerlich.
Aber - ich blieb hart.
Und als ich kurz mal raus ging, frische Luft schnappen, schlug sie schwupps zwei Eier in die Pfanne, deckte den Tisch und goß sogar ihre glutenfreien Nudeln ab. Was gerade noch in ihren Augen eine Zumutung und Gefährdung für sie gewesen war.
"Nich gucken, Mama. Ich kann das alleine machen!", sagte sie lapidar, als ich sie besorgt beim Abgießen des kochenden Wassers beobachtete.
Chacka! Selbst ist die Frau. Aber was für ein Akt.
Nachmittags wiederholte sich das Spiel. Lola im Garten. Plättete mit ihrem Jackenärmel die Maulwurfshügel, statt mit Handschuhen die Erde in einen Eimer zu schippen und ins Beet zu kippen.
Ich war diesmal wirklich verärgert, denn die Jacke lässt sich nicht gut waschen, und auf dem festgestampftendrückten Boden wächst auch kein Gras mehr.
"Egal. Meine Jacke. Meine Gras. Will nicht", war Lolas erboster Kommentar. Stocksauer schaufelte ich selber die Erde weg, hatte keine Lust mehr auf ihr Geschrei. Vielleicht auch keine Kraft mehr.
Doch als sie nach 20 Minuten anfingen zu quengeln, sie wolle wieder nach Hause, wurde es mir zu bunt.
"Wir gehen, wenn die Beerensträuchter eingepflanzt sind, die Hibikushecke geschnitten und das vertrocknete Chinagras abgeschnitten ist. Und wenn Du mir hilfst, schaffen wir das schneller. Du entscheidest."
Und ohne sie weiter zu beachten, schaufelte ich Pflanzlöcher für die Himbeeren und Stachelbeeren. Und war froh, auf einmal nichts mehr von ihr zu hören. Bis ich es am Gartenzaun schnippen hörte.
Ich glaubte meinen Augen kaum. Da stand sie doch tatsächlich mit der Gartenschere und schnitt die gesamte Hibikushecke auf Brusthöhe ab. Brachte alle abgeschnittenen Zweige in der Schubkarre auf den Kompost! Und kürzte dann auch noch das Chingras. Unglaublich, so viel hat sie noch nie alleine im Garten geholfen. Und, sie schien sogar Spass daran zu haben.
"Ich bin fertig, Mama. Gehen wir?", fragte sie am Ende. Klar, das machten wir dann natürlich auch. Leider, denn eigentlich wäre ich bei dem schönen Wetter noch gern länger geblieben. Aber gut, ihren Fleiss musste ich (leider) belohnen.
Hatte mein Insistieren am Vormittag auf ihren Pflichten und dem Einsatz ihrer Fähigkeiten doch gefruchtet?
Weit gefehlt, denn als ich ihr am Abend sagte, sie müsse gleich nach dem Abendessen noch Duschen und Haare waschen, wieder ein Orkan an Protest und Ausreden und wütenden Flüchen. Unglaublich. Echt kräftezehrend.
Aber: ich blieb hart.
"Lola, heute hast Du schon dreimal einen Riesenaufstand gemacht, weil Du keine Lust auf etwas hattest, um das ich Dich gebeten habe. Aber am Ende musst du es ja doch machen. Spar Dir doch einfach Deinen Protest. Ist reine Energieverschwendung."
Doch ihre Litanei ging weiter.
"Alternativ kannst Du aber auch die Wäsche aufhängen", meinte ich lapidar und begann, die Wäsche aus der Waschmaschine zu holen, um sie ihr in die Hand zu drücken.
"Ich muss gehen", sagte sie und verschwand aus der Küche.
"Duscht Du dann gleich?", rief ich ihr hinterher.
'Mal gucken', sagte sie. Doch eine Viertelstunde später rauschte die Dusche im Bad, und ohne weiteren Protest duschte sie, wusch sich die Haare und föhnte sich auch noch.
Frisch und sauber duftend kam sie dann stolz in die Küche und warf sich die langen, noch nassen Haare nach hinten. Was für ein Erfolg!
Also, ich hoffe, dass es morgen alles leichter wird.
Aber wahrscheinlich muss ich zwei Monate lang jeden Tag viermal so konsequent sein, damit sie vielleicht auch mal ohne Protest etwas macht, worum ich sie bitte. Vielleicht aber auch nicht.
Drückt mir die Daumen, dass ich weiter die Kraft finde, trotz ihrer Proteste konsequent zu bleiben. Den. es scheint ja zu wirken.
In diesem Sonne - frohe Ostern!

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