Als ich am Samstag vom Sport zurück nach Hause komme, sitzt Lola fröhlich an ihrem Schreibtisch und 'arbeitet'.
Sie schreibt alte Texte aus ihrem Geschichts-Hefter ab, über die DDR. Von der Sowjetischen Besatzungszone, über die Staatsgründung, den Mauerbau bis zur Wiedervereinigung. Ein selbstgewähltes Projekt von ihr.
Ich freue mich über ihren Fleiß.
Auf ihrem Tisch sehe ich ein Glas mit einer limonadenartiger Flüssigkeit stehen.
"Oh, hast Du Dir Limo gekauft?", frage ich.
"Nein Mama, keine Limo!", antwortet sie fast entrüstet. "Trinke Bier!"
"Was?" frage ich entsetzt.
War sie wieder im Konsum? Letzte Woche die Berge an Süßgkeiten und jetzt ein Bier!!?
"Aber wie hast Du das geholt?", frage ich. Denn sie hat immer
noch ihren Schlafanzug an. "Hoffentlich wenigstens mit einem Mantel
drüber!"
"Ne, von deine Balkon", erklärt sie.
Oh ja,
die Reste von der Geburtstagsparty neulich. Puh, wenigstens war sie nicht im Schlafanzug auf der Strasse, so wie
neulich mal.
Dennoch. Es ist 12.30 Uhr. Keine Zeit, um Bier zu trinken. Selbst nicht für Normalbürger.
Sie nimmt demonstrativ einen Schluck aus dem Glas und schaut mich keck an. "Ja, Mama. Bin 18. Ich darf das!"
Ja, naja. Ich hatte sie immer mal eingeladen, einen Schluck Wein mit uns zu trinken. Nach dem Theaterstück in der Schule hatte sie sogar mal einen Sekt getrunken. Aber sich am Vormittag ALLEINE ein Bier zu öffnen, geht dann doch irgendwie zu weit.
So hatte ich mir das mit der Selbständigkeit wirklich nicht vorgestellt.
"Aber Lola, es ist noch vor Mittag. Da trinkt man eigentlich kein Bier", versuche ich zu erklären. Ohne sie zu sehr zu bevormunden.
"Doch, ich schon!", kontert sie und nimmt noch einen Schluck.
Ich versuche zu erklären: "Aber davon wird man ganz wuselig im Kopf. Das ist Abends mal ok, aber vormittags wird man da ganz durcheinander. Und kann gar nicht mehr klar denken. Ich trinke nie tagsüber ein Bier!", erkläre ich, tatsächlich relativ wahrheitsgemäß.
"Mama!", sagt sie vorwufsvoll. "Bin 18, und trinke Bier. Ich kann das."
Mannomann. Mal schauen, was als nächstes kommt.
Am Nachmittag stand das Bier zum Glück immer noch im Glas auf ihrem Tisch - mittlerweile schal geworden. Zum Glück scheint sie nicht auf den Geschmack gekommen zu sein.

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