Donnerstag, 28. Mai 2026

Das Ende der Schulzeit naht...

Lola's Schulzeit neigt sich dem Ende zu. 12 lange Schuljahre in der inklusiven Waldorfschule, von der Lola gerade nur schweren Herzens Abschied nehmen kann.

Seit April ist Lola zwar noch offziell an der Schule, aber - anders als der Rest ihrer MitschülerInnen, die gerade ihre Realschulprüfungen hatten bzw. sich intensiv auf das Abitur im nächsten Jahr vorbereiten, macht sie für zwei Monate berufliche Praktika - außerhalb der Schule.

Was natürlich eine tolle Möglichkeit ist, in verschiedene berufliche Tätigkeiten hineinzuschnuppern und Arbeitserfahrungen zu sammeln, aber diese Zwischenzeit zwischen Schulzeit und Ausbildung bzw. Berufsbildungsbereich (BBB) in der Werkstatt, ist für Lola oft nur schwer auszuhalten. 

Ihr fehlt ihre Klasse, der Schulclub, die Schule, sie vermisst sie schrecklich. Gleichzeitig will sie sich gerne auf das Neue konzentrieren und die Schule am liebsten 'vergessen' (so sagt sie selber). Da es Ende Juni aber nochmal eine Abschiedswoche gibt, wo sie alle zusammen als Klasse zelten gehen und natürlich die große Abschlussfeier mit Zeugnisübergabe stattfindet, ist das mit dem Vergessen gar nicht so einfach für sie.   

Umso schöner ist es, dass sie bei verschiedensten Praktika auf andere Gedanken kommt und - so viel Freude hat.

 
Im Mai hat Lola ein vierwöchiges Praktikum in ihrem alten Kindergarten an der Heilandskirche gemacht - in der Hauswirtschaft! Und ihre alte Kindergartengruppe - die Pfarrhausflöhe - tatkräftig unterstützt. 
 
Sie durfte helfen beim Vorbereiten der Obstrunde, beim Tischedecken und der Essensausgabe, beim Abwaschen von Geschirr und beim Aufhängen und Zusammenlegen von Wäsche. Und hatte nicht nur große Freude dabei, sondern ist den Erzieherinnen eine echte Hilfe gewesen.

Jeden Morgen haben sie ihr eine Liste mit Tätigkeiten hingelegt, die sie zu erledigen hatte. Und mit wachsender Geschwindigkeit hat sie die ihr übertragenen Aufgaben immer selbständiger erledigt - so dass sie am Ende der vier Wochen oft schon weit vor der Zeit fertig war mit allem. Unglaublich! 

Nichts war zu spüren vom Zögern, sich Verkriechen, Verweigern, Bummeln, Weglaufen, was sie in der Schule oft zeigte. Nein, sie erfüllte ihre Arbeiten zuverlässig - und bis auf ein für sie typisches 'Mittagstief' (wo sie einmal sogar einschlief) und gelegentlichen 'Schuldrigkeiten', zeigte sie eine hohe Einsatzbereitschaft und schnelle Auffassungsgabe für die ihr übertragenen Aufgaben. Wahnsinn! 

Sie verstand sich auch super mit den total sympathischen Erzieherinnen, zeigte Humor, hatte Spass und kam immer gerne. Was für ein Erfolg!

Am Ende des Praktikums erzählte eine leitende Mitarbeiterin, dass zu Lolas Kindergartenzeit dort auch eine Hauswirtschaftskraft mit einer Behinderung beschäftigt war. Und wer weiß, vielleicht sei das ja auch mal eine Möglichkeit für Lola... Wow, wie toll wäre das denn?
 

Aber gut, jetzt wird Lola erstmal für zwei Jahre den Berufsbildungsbereich (BBB) einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung (WfbM) absolvieren und sich noch etwas weiter 'qualifizieren'. Wahrscheinlich im Bereich Hauswirtschaft und Küche, was ihr am meisten Spass macht. Und dann, mal schauen... 

Vielleicht kann sie in den nächsten Jahren die Kita an der Heilandskirche im Rahmen eines Praxisbausteins oder vielleicht sogar eines kleinen Arbeitsverhältnisses oder Außenarbeitsplatzes unterstützen? Noch Zukunftsmusik. Aber für mich zumindest ein echter Traum.

Gerade ist Lola erstmal für vier Tage auf dem Hof einer Bekannten an der Saale und hilft ihr bei der Versorgung der Tiere und bei allem, was so anfällt in Küche, Garten und Hof. Hier ein kleiner Eindruck von Montag, als ich sie dorthin gebracht habe, und sie sich sofort mit den drei Hunden angefreundet hat und nicht mehr von deren Seite wich.

 'Meine Traum wird wahr', sagte Lola mir, als wir ankamen. Denn vom Leben auf einem Bauernhof mit ganz vielen Tieren träumt sie schon seit Jahren. Es gehört fest zu ihrer Vision der Zukunft. Und ich habe mich riesig gefreut, dass sich meine Bekannte bereit erklärt hatte, dass Lola ein paar Tage mit dem Hof lebt und 'hilft'.

Morgen hole ich sie wieder ab und bin gespannt, wie es dort gelaufen ist, was sie erlebt hat und ob sie sich auch dort hat helfend einbringen können :-) Oder ob es doch eher als Tierstreichel-'Working'-Holiday gelaufen ist.

Sonntag, 17. Mai 2026

Mutter-Tochter an die Ostsee!

 
Am Himmelfahrtswochenende haben Lola und ich das Auto gepackt - und sind an die Ostsee gefahren. Kleine Mutter-Tochter-Auszeit. Ohne Computer und (Lolas) Handy. Natur pur.

Nur auf der Autofahrt durfte Lola ihr Handy nutzen: Musik hören, Videos gucken, Spiele spielen. 6 Stunden Medienkonsum pur. Doch kaum angekommen, ruhte das Handy für 3 Tage. Und wir hatten endlich mal wieder Zeit nur für Quatschen, Spielen, Spazieren, Steine sammeln, Malen, Lecker essen gehen...
 

Nachdem wir schon am ersten Abend das schöne 'Strandrestaurant' in Nienhagen ausprobiert hatten, wo Lola Lachsfilet mit Kartoffelgratin essen durfte und hellauf begeistert war, wollte sie von nun an jeden Tag dorthin. 'Meine Lieblingsrestaurant'. 

Gut, so üppig war das Urlaubsbudget dann doch nicht, aber am letzten Tag schlemmten wir nochmal dort, was Lolas absolutes Urlaubshighlight war! Vielleicht sollte ich das zu Hause auch mal wieder kochen :-)

Zu Hause sitzt Lola in letzter Zeit leider sehr viel vor dem Computer, wo sie ständig etwas recherchiert: Infos über Tiere, Natur, Geschichte, ihre Lieblingsbücher oder -serien abschreibt. Alles durchaus spannende Dinge, wo ich auch nicht wirklich etwas sagen kann. Aber sie ist kaum noch zu anderem zu bewegen. So dass es schön war, im Urlaub nicht ständig in Konkurrenz zu ihrem 'Computer-Baby' gehen zu müssen. Sondern einfach etwas zusammen unternehmen zu können.

Endlich konnten wir in Ruhe quatschen. nur wir zwei beide. Ohne Pavel. "Du immer nur mit Pavel reden. Über Pavel-Themen", beschwerte sich Lola zurecht. Aber diesmal durfte sie bestimmen. Ganz ohne Geschwisterkonkurrenz. 

Und so spielten wir beim Wandern am Strand von Warnemünde stundenlang 'Stadt Land Fluß' oder 'Wer bin ich?' (mit den Tieren von Woodwalkers, ihrem Lieblingbuch). Oder sie erzählte mir von ihrer Klasse, ihrer Kunstfahrt nach Italien, von Spanien und ihren Brüdern, wovon sie nicht müde wird, mir wieder und wieder zu erzählen.

Oft finde ich es gar nicht so einfach, mich auf die Gespräche mit ihr einzulassen. Zumal ich die meisten Dinge ja schon kenne, die sie mir immer wieder erzählt. Während ich selber beim Laufen am liebsten vor mich hinträume, nachdenke oder Fotos mache. Was sie oft verärgerte. 

"Nicht schon wieder Fotos machen, Mama. Komm jetzt!", schimpfte sie. Und ich spürte, wie ich selber ärgerlich wurde. Denn ich mag es überhaupt nicht, wenn mir jemand etwas verbietet. Und Fotos schießen macht mir einfach Spaß. Den Moment festhalten. Die Suche nach einem starken Ausschnitt. Es lässt mich die Farben und Kontraste noch intensiver wahrnehmen.

 

Während Lola einfach da war und guckte und sich freute. Sie brauchte das nicht festzuhalten.

Und eeigentlich war es ja auch ungerecht. Denn ich durfte mein Handy benutzen, sie aber nicht :-(

 Aber bis jetzt ist es einfach noch nie gelungen, dass sie das Handy einfach nur als Kamera nutzt. Sie will dann auch gleich chatten, Musik hören, telefonieren, und ist gar nicht mehr davon wegzubekommen. Weswegen diese Handysperre oft die einzige Möglichkeit ist, wieder normal mit ihr interagieren zu können.

 

Und während ich meine Fotos schoß, rannte Lola quietschend und hüpfend vor Freude über die Seebrücke von Heiligendamm, sich drehend im Wind. Oder sammelte Unmengen von Feuersteinen - die sie zu Hause anmalen und dann verkaufen will :-) (So ihr neuer Plan, um zu Geld zu kommen). 

Und beim ersten Strandspaziergang wollte sie natürlich auch gleich ihre Füße ins Wasser stecken. Am liebsten wäre sie ganz rein gesprungen. Nur nachdem sie dann den Rest des Spaziergangs mit Sand in ihren Schuhe zu kämpfen hatte, da wir kein Handtuch zum Abtrocknen dabei hatten, ärgerte sie sich selber über ihre Idee. Und zog nicht nochmal ihre Schuhe aus. 


Begeistert war sie auch vom 'Gespensterwald', diesen verknorpelt und feenartig verwachsenen Buchen, Eichen und Eschen, die ihre langen Arme nach oben recken - und im Nebel sicher ganz unheimlich aussehen.


 Ach, schön war's! 

 Auch wenn ich heut Abend doch etwas platt bin von der langen Autofahrt und der vielen 1:1 Zeit, was ich gar nicht mehr gewöhnt bin. Aber für unser Mutter-Tochter-Verhältnis war es super. Denn zu Hause streiten wir gerade oft sehr viel rum oder motzen uns an. Und davon war in diesen Tagen kaum etwas zu spüren.

Gerade eben kam sie zu mir ins Wohnzimmer, kroch zu mir auf's Sofa und gab mir einen Kuss. 'Schlaf gut Mama, bis morgen!" Das hat sie lange nicht gemacht...