Mittwoch, 29. Juli 2026

Auf Weltreise durch Frankreich

Lola's grösster Wunsch war, nach dem Schulabschluss eine Weltreise zu machen :-) 

Ich hatte darüber nachgedacht. Überlegt, Sponsoren zu gewinnen, einen Projektantrag zu stellen, mir eine Auszeit zu nehmen. Ach, was wär das für eine Gelegenheit! Lola berichtet selber darüber, macht Fotos, stellt sie in einen eigenen Blog.

Befreundete Dokumentarfilmer waren begeistert: das könnte man ja auch filmisch begleiten. 

So viele gute Ideen. Aber es fehlte an Zeit, an Energie. Kurz: das Leben kam dazwischen. 

Und Lola ist es gewöhnt, dass ihre Ideen nicht in die Realität umgesetzt werden, zumindest nicht sofort. 

Mit leichtem Protest ließ sie sich ein auf meine und Pavel's Idee, im Sommer doch einfach wieder nach Frankreich zu fahren. Wo wir seit drei Jahren begeistert hinfahren. Nachdem Lola 2023 den Impuls dazu gab, weil sie unbedingt nach Paris wollte!

Und so packten wir das kleine Auto, verstauten Zelte und Koffer und ab nach Frankreich. Diesmal in die Provence, bzw. ins Department Alpes-de-Haute-Provence, in die Ausläufer der französischen Alpen zum 'Lac de Serre Poncon'. Campingplatz direkt am See.

Aus Platzgründen ohne Tische und Stühle, als wahrscheinlich einzige Camper auf dem ganzen Platz. 

Jahrelang hat mir das auch meine Pfadfinderehre verboten, so etwas spiessiges wie Campingstühle zu nutzen. Aber - seitdem wir nun regelmäßg fahren - schaue ich doch immer wieder neidisch zu den anderen Zeltern, die entspannt am Tisch sitzen und essen und spielen und lesen. In diesen breiten gemütlichen Camperstühlen, ein Bierchen in der Armlehne.

 

Und so herrliches das Baden im See und im Pool auch war, Wanderungen mussten sein. Natürlich - ähnlich klassisch - ohne App, nur mit Karte. Aber ach, nachdem wir in einem alten Eisenbahntunnel landeten, natürlich ohne Ausgang (nach 1km im Stockdunkeln kehrten wir um), installierte ich mir doch lieber eine Wander-App, und wir kamen endlich zum gesuchten Wasserfall, des 'Cascade costeplane', an einem kleinen  Zufluss zur Ubaye. 

Das Beste am Campingplatz war für Lola natürlich die Großbildleinwand, auf der sie die WM-Spiele gucken konnte. Wo sie als einzige Spanierin auf dem Platz lautsark den Sieg der Spanier gegen Belgien bejubelte - zum Leidwesen der zahlreichen begeisterten Belgienfans.

Kleiner Abend-trip nach Barcelonette, wo wir über Hindernisse balancierten und mitten in eine lautstark schreiende Gruppe von Kellnern gerieten, die mit Wein um sich spritzten - beim 'Course de garcons" - dem städtischen Kellnerlauf, wie wir am Ende feststellten :-) Nachdem wir uns schon sehr über die Rüpelhaftigkeit der Leute dort gewundert hatten.

Nach einer Woche zogen wir weiter, an die Provence d'azur. In ein wunderschönes Ferienhaus in La-Londe-les-Maures, das uns eine ganz liebe Schweizer Klientin überlassen hatte, deren Satzstreifen-Buchprojekt ich betreuen durfte. Wie herrlich, an der Oleanderhecke oder unter dem Feigenbaum auf der Terrasse zu sitzen, im eigenen Zikadenkonzert!

Bei großer Hitze lagen wir tagsüber eigentlich vor allem am Strand, vielmehr im Wasser, oder wanderten über den 'sentier littoral' bis zur göttlichen 'Plage de Leoube'. Karibikstrand mitten in Frankreich!


 Hier konnte man es aushalten! Unter Pinien, im kühlen Wind im Sand liegen, oder über Algenwälder und durch Fischschwärme hindurch schnorcheln...


Lola strahlte wieder! Nachdem sie am Tag zuvor einen Hitzschlag erlitten hatte - mit Fieber, Kopfschmerzen und Magenproblemen, ein echter Hitze-Schock! Welch Erleichterung, als es ihr wieder besser ging. Von nun an musste sie täglich literweise Wasser trinken, um ja nicht wieder zu dehydrieren.

Da Lola aber trotz dieser Massnahmen die Hitze nicht bekam, und sie nachhaltig Verdauungsprobleme hatte, sagte ich die geplante folgende Campingwoche an den Calanques bei Marseille ab. Und wir fuhren zu Freunden an die Drôme, wo es zwar auch tags heiss ist, aber nachts angenehm kühl. Und wir endlich wieder entspannt schlafen und - tags wandern konnten! 


Erfrischung direkt in der Drôme, unterm Wasserfall bei 'Le claps'.

Und als die Sonne im 'Forêt de Saoû' dann doch ungehindert brannte, half der zum Sonnenschirm umgenutzte Regenschirm, der im Urlaub ansonsten funktionslos gewesen wäre.

Am Ende unser dreiwöchigen Reise brachte ich die überglückliche Lola zu Ricardo nach Oberbozen - in den italienischen Alpen. Wo die Bozener ihre Sommerfrische geniessen. Und lecker schlemmen.

Mit Blick direkt auf die Dolomiten.


 Und hier setzt Lola nun ihre Weltreise fort - diesmal in Italien! Bevor sie in zwei Wochen nach Spanien aufbricht. So dass es zwar keine Welt- aber doch eine tolle lange Reise durch Südeuropa wird.

Sonntag, 5. Juli 2026

Bye bye Rubikon...

Gestern war es soweit - und hat Lola bei einem rauschenden Abschlussfest das Ende ihrer Schulzeit gefeiert! 12 Jahre inklusive Waldorfschule.

'Nie wieder Schule gehn', lachte sie. Stolz, den Waldorfabschluss geschafft zu haben. Mit all den vielen Praktika, Auftritten, Jahresarbeiten, Kunstfahrt, und allem was dazugehört.

Vor allem bedeutet es aber den Abschied von ihrer '12. Klasse', den sie seit Monaten schon betrauerte. Lange unvorstellbar für sie, woanders zu sein als in der Schule, mit ihrer Klasse. Die zuletzt eine so außergewöhnliche Klassengemeinschaft hatte. Wo alle willkommen waren und fast alles gemeinsam gemacht wurde. Wo aber auch alle sehr eigen, individuell und besonders waren, jeder auf seine Art. Eine fantastisches Beispiel, wie Autonomie in Gemeinschaft gelebt werden kann. 

So viele Erinnerungen hat die Klasse in ihrem gemeinsamen Abschlussbuch vereint, selbstgemalt und gestaltet. Fotos aus 12 Schuljahren, von Fahrten, Theaterstücken, Praktika, aber auch allen ehemaligen MitschülerInnen, darunter auch einige von Lolas besten Freunden, die ja leider viel zu früh die Klasse verlassen haben.


 Bei der Überreichuung der Abschlusszeugnisse gab der Klassentutor noch jedem der SchülerInnen einen persönlichen Satz über ihn bzw. sie mit. Der den Jugendlichen in seiner Besonderheit charakterisierte, auch für die Klasse. Und für jede/n so treffend und berührend war, dass es mir ganz ans Herz ging. So ein Geschenk!

Eine Epoche geht für Lola zu Ende, auch für mich als Mutter, die ich sie jeden Morgen in die Schule begleitet habe, dort immer engagierte Lehrer, andere liebe Eltern, quirlige SchülerInnen auf den Gängen traf.

Eine Gemeinschaft geht zu Ende. Die uns fehlen wird, sehr sogar. Trotz aller Herausforderungen, die die Schulzeit immer auch mit sich brachte.

Zum Glück war Lola gestern vor allem glücklich über das schöne Fest. Sie hatte wohl in den vergangenen Monaten genug Abschied genommen, alles schon durchfühlt und beweint, dass sie gestern einfach nur fröhlich Party machen konnte. Und bis um 3 Uhr morgens mit ihrer Klasse so wild und wirklich non-stop-getanzt hat, dass ihr heute die Beine schmerzten! So soll es sein! 

'Bye bye Rubikon'... war der umgedichte Refrain des Liedes, das wir als Eltern noch zum Abschied sangen. Und endete auf 'jetzt sind wir frei, frei, frei' Mal schauen, was das für Lola bedeutet, deren Möglichkeitenraum doch eher begrenzt ist.

Hier noch ein Foto von Lola's Einschulung vor 12 Jahren :-)  Mit dem Link zu einem älteren Post aus dem Jahr 2014.

Mittwoch, 1. Juli 2026

Bundesweite Elternbefragung: Mehrheit wünscht sich inklusive Bildung

Heute wurde vom 'Deutschen Institut für Menschenrechte'  die Studie "Inklusive Bildung zwischen Wunsch und Wirklichkeit" veröffentlicht. Aus der hervorgeht, dass eine Mehrheit der befragten 7.500 Eltern inklusive Bildung für ihre Kinder bevorzugen - wenn die Bedingungen stimmen. 

Sehr spannende und wichtige Untersuchung!

 Auf der Seite des Intituts finden sich auch viele interessanten Fakten zum aktuellen Stand der inklusiven Bildung in Deutschland sowie ein spannendes Interview mit den Autorinnen Susanne Kroworsch und Britta Schlegel.

Hier im Blog habe ich ja immer wieder über unsere Erfahrungen mit der Inklusion in Lolas Schule berichtet. Und kann nur bestätigen: wenn die Rahmenbedinungen und die personellen und fachlichen Ressourcen stimmen, kann das super sein. 

 Wenn nicht, kann allerdings auch eine Förderschule oder später eine 'Werkstatt für Menschen mit Behinderung (WfbM) ein guter Ort für ein Kind bzw. einen Erwachsenen mit Behinderung sein. 

 Lola zumindest hat sich bisher auch in Arbeitsbereichen der Werkstatt oder in rein 'exklusiven Angeboten' ihrer Schule immer sehr wohl gefühlt. Und dort viel gelernt und viel Selbstbewusstsein gewonnen. Und beginnt ja auch jetzt den Berufsbildungsbereich in den Lindenwerkstätten. Weil sie da unbedingt hinwollte!

Am besten fand ich bisher eine gute Mischung: zum Beispiel ihre Werkstufenklasse nur mit Kindern mit Förderbedarf (für 12 Schulstunden die Woche) innerhalb der sonst inklusiven Schule. Oder auch den geschützen, hochstrukturierten Arbeitsbereich des Lindencafès, aber mit Publikumsverkehr aus dem Viertel. 

Denn solange die personellen und finanziellen Ressourcen und auch das fachliche Know-How nicht vorhanden sind, wie Menschen mit Behinderung gut inklusiv begleitet werden können, sei es schulisch und am Arbeitsplatz, kann das mit der Inklusion auch gründlich daneben gehen....