Sonntag, 5. Juli 2026

Bye bye Rubikon...

Gestern war es soweit - und hat Lola bei einem rauschenden Abschlussfest das Ende ihrer Schulzeit gefeiert! 12 Jahre inklusive Waldorfschule.

'Nie wieder Schule gehn', lachte sie. Stolz, den Waldorfabschluss geschafft zu haben. Mit all den vielen Praktika, Auftritten, Jahresarbeiten, Kunstfahrt, und allem was dazugehört.

Vor allem bedeutet es aber den Abschied von ihrer '12. Klasse', den sie seit Monaten schon betrauerte. Lange unvorstellbar für sie, woanders zu sein als in der Schule, mit ihrer Klasse. Die zuletzt eine so außergewöhnliche Klassengemeinschaft hatte. Wo alle willkommen waren und fast alles gemeinsam gemacht wurde. Wo aber auch alle sehr eigen, individuell und besonders waren, jeder auf seine Art. Eine fantastisches Beispiel, wie Autonomie in Gemeinschaft gelebt werden kann. 

So viele Erinnerungen hat die Klasse in ihrem gemeinsamen Abschlussbuch vereint, selbstgemalt und gestaltet. Fotos aus 12 Schuljahren, von Fahrten, Theaterstücken, Praktika, aber auch allen ehemaligen MitschülerInnen, darunter auch einige von Lolas besten Freunden, die ja leider viel zu früh die Klasse verlassen haben.


 Bei der Überreichuung der Abschlusszeugnisse gab der Klassentutor noch jedem der SchülerInnen einen persönlichen Satz über ihn bzw. sie mit. Der den Jugendlichen in seiner Besonderheit charakterisierte, auch für die Klasse. Und für jede/n so treffend und berührend war, dass es mir ganz ans Herz ging. So ein Geschenk!

Eine Epoche geht für Lola zu Ende, auch für mich als Mutter, die ich sie jeden Morgen in die Schule begleitet habe, dort immer engagierte Lehrer, andere liebe Eltern, quirlige SchülerInnen auf den Gängen traf.

Eine Gemeinschaft geht zu Ende. Die uns fehlen wird, sehr sogar. Trotz aller Herausforderungen, die die Schulzeit immer auch mit sich brachte.

Zum Glück war Lola gestern vor allem glücklich über das schöne Fest. Sie hatte wohl in den vergangenen Monaten genug Abschied genommen, alles schon durchfühlt und beweint, dass sie gestern einfach nur fröhlich Party machen konnte. Und bis um 3 Uhr morgens mit ihrer Klasse so wild und wirklich non-stop-getanzt hat, dass ihr heute die Beine schmerzten! So soll es sein! 

'Bye bye Rubikon'... war der umgedichte Refrain des Liedes, das wir als Eltern noch zum Abschied sangen. Und endete auf 'jetzt sind wir frei, frei, frei' Mal schauen, was das für Lola bedeutet, deren Möglichkeitenraum doch eher begrenzt ist.

Hier noch ein Foto von Lola's Einschulung vor 12 Jahren :-)  Mit dem Link zu einem älteren Post aus dem Jahr 2014.

Mittwoch, 1. Juli 2026

Bundesweite Elternbefragung: Mehrheit wünscht sich inklusive Bildung

Heute wurde vom 'Deutschen Institut für Menschenrechte'  die Studie "Inklusive Bildung zwischen Wunsch und Wirklichkeit" veröffentlicht. Aus der hervorgeht, dass eine Mehrheit der befragten 7.500 Eltern inklusive Bildung für ihre Kinder bevorzugen - wenn die Bedingungen stimmen. 

Sehr spannende und wichtige Untersuchung!

 Auf der Seite des Intituts finden sich auch viele interessanten Fakten zum aktuellen Stand der inklusiven Bildung in Deutschland sowie ein spannendes Interview mit den Autorinnen Susanne Kroworsch und Britta Schlegel.

Hier im Blog habe ich ja immer wieder über unsere Erfahrungen mit der Inklusion in Lolas Schule berichtet. Und kann nur bestätigen: wenn die Rahmenbedinungen und die personellen und fachlichen Ressourcen stimmen, kann das super sein. 

 Wenn nicht, kann allerdings auch eine Förderschule oder später eine 'Werkstatt für Menschen mit Behinderung (WfbM) ein guter Ort für ein Kind bzw. einen Erwachsenen mit Behinderung sein. 

 Lola zumindest hat sich bisher auch in Arbeitsbereichen der Werkstatt oder in rein 'exklusiven Angeboten' ihrer Schule immer sehr wohl gefühlt. Und dort viel gelernt und viel Selbstbewusstsein gewonnen. Und beginnt ja auch jetzt den Berufsbildungsbereich in den Lindenwerkstätten. Weil sie da unbedingt hinwollte!

Am besten fand ich bisher eine gute Mischung: zum Beispiel ihre Werkstufenklasse nur mit Kindern mit Förderbedarf (für 12 Schulstunden die Woche) innerhalb der sonst inklusiven Schule. Oder auch den geschützen, hochstrukturierten Arbeitsbereich des Lindencafès, aber mit Publikumsverkehr aus dem Viertel. 

Denn solange die personellen und finanziellen Ressourcen und auch das fachliche Know-How nicht vorhanden sind, wie Menschen mit Behinderung gut inklusiv begleitet werden können, sei es schulisch und am Arbeitsplatz, kann das mit der Inklusion auch gründlich daneben gehen....