Montag, 2. Februar 2009

Lesen - früh übt sich!

Eine schöne Woche im Bergischen Land liegt hinter uns, im Haus meiner Eltern auf dem Lande, bei schönstem Winterwetter und gemütlichem Kaminfeuer. Die Kinder von Oma optimal versorgt, mit leckerstem Essen und den Attraktionen des Landlebens, zum Beispiel sieben wilden Katzenkindern. Greta war begeistert.

Der letzte Tag unseres Aufenthaltes war gekrönt von einem Besuch bei dem Seminar zum 'Frühen Lesen' in der Down-Syndrom Ambulanz in Velbert. Was wirklich unglaublich interessant und inspirierend war. Und mir vor allem gezeigt hat, was alles möglich ist, wenn man nur fleissig dabei bleibt. Nicht viel, aber jeden Tag ein bisschen. Martina Zilske hat wirklich wunderbar gezeigt, auch in Videos, wie sie mit ihren Töchtern schon von ganz klein an, sobald sie sitzen, geben und zeigen konnten, das Karten und Wort zuordnen geübt hat, um sie so auf das Lesen vorzubereiten. Kurz später schon haben sie Buchstaben kennengelernt, unterstützt von Ganzkörpergebärden. Und bald schon das Lesen ganzer Wörter und kurzer Sätze, da waren sie knapp drei Jahre alt. Der Hammer! Und das Resultat war wirklich mehr als bezaubernd, die beiden mittlerweile fast jungen Mädels, 8 und 10 Jahre alt, flink wie Wiesel und bunt angezogen sprangen sie bei dem Semniar herum und zeigten ihre Lesekünste. Sie lasen einfach aus Büchern vor, wie jedes andere Kind ihres Alters und freuten sich über den Applaus. Und verschwanden schnell wieder zu den anderen Kindern, irgendwo anders in dem grossen Gebäude, mit dem Fahrstuhl in den zweiten Stock und dann... Schon waren sie weg, 'Wir kennen den Weg, Mama'. Das macht wirklich Mut, denn der Weg dahin ist Arbeit, soviel wurde klar. Jeden Tag, immer wieder, nicht locker lassen, und vor allem nicht auf den Trick des 'das kann ich nicht', 'das will ich nicht' reinfallen, erst gar keine Hilflosigkeit anerziehen. Einfach auch mal 'hart' sein. Und eben am Ball bleiben.

Und warum das 'frühe Lesen'? Was soll diese Kulturtechnik im Kinderzimmer? Im Grunde ist es eine Stütze des Spracherwerbs über den visuellen Kanal. Eine Sichthilfe, um die oft sehr schlechte akustische Wahrnehmung und das schlechte auditive Gedächtnis zu kompensieren. Denn die geschriebenen Worte bleiben stehen und bieten so noch einen zusätzlichen Kanal, über den die Sprache verarbeitet werden kann. Das frühe Lesen soll also den Spracherwerb unterstützen und gar nicht unbedingt das Lesen trainieren, das ist höchstens ein angenehmer Nebeneffekt. Und die damit erreichten Erfolge sind beachtlich. Sue Buckley, die in Portsmouth schon seit Jahren zum Spracherwerb bei Kindern mit Down-Syndrom forscht, konnte zeigen, dass Kinder mit Down-Syndrom, die früh lesen lernen später im Schnitt 4 Worte mehr pro Satz verwenden als gleichaltrige, die nicht so früh mit dem Lesen begonnen haben.

Im Seminar wurden verschiedene Methoden aufgezeigt, die man verwenden kann. Vor allem das Macquarie-Programm, ein Bestandteil des Frühe-Schritte Programmes, das Martina Zilske vorgestellt hat. Danach beginnt man schon recht früh, Bild- und Wortkarten einander zuordnen zu lassen, wie in einem Lotto. Danach werden die Buchstaben mithilfe von Ganzkörpergesten eingeführt und spielerisch kennen- und fühlen gelernt, mithilfe von grossen Holzbuchstaben und Puzzels. Wenn die Kinder etwa 50-80 Wörter lesen bzw. erkennen können (natürlich können sie an diesem Punkt noch nicht synthetisch lesen), beginnt man mit dem Lesen ganzer Sätze, wie zum Beispiel 'Das ist ein Buch' oder 'Ich will den Apfel essen'. Dieser ganze Prozess ist aber immer auch von vielen Gebärden begleitet, für die Wörter, die die Kinder noch nicht sprechen können, aber auch für die Funktionswörter und Hilfsverben in den Sätzen. Ich fand die Mischung aus Gebärden, Bildern, geschriebenen Worten und natürlich den gesprochenen Worten und Sätzen ganz wunderbar. Da werden alle Kanäle angesprochen. Auch Musik wurde wohl sehr viel verwendet, Gesang, aber Martina Zilske ist leider nicht weiter ins Detail gegangen. Sie meinte nur mal in einem nebensatz, dass sie ohne die Nutzung von Musik wohl nie so weit gekommen wäre.

Im Anschluss wurde noch einen weitere Methode nach Glenn Doman vorgestellt, von Arno Detlefsen, die relativ wenig Aufwand bedeutet, vor allem für das Kind und quasi passiv erfolgt. Die Methode ist als das Arbeiten mit 'Flashcards' in den USA sehr verbreitet. Den Kindern werden täglich einfach Wörter auf einer Karte gezeigt und kurz vorgelesen, immer 5 Wörter hintereinander, bis zu 15 Mal mal am Tag. Einfach kurz vorlesen und warten und eine Stunde später wieder vorlesen und so weiter. Das Prinzp erklärt Arno Detlefsen auf der Seite der Elterninitiative Hilden sehr gut, dort kann man sich auch die fertigen Karten in Din-A-4 Format runterladen. Ich finde die Methode eigentlich ganz schön, weil man dem Kind einfach im Vorbeigehen eine ganze Menge Worte zeigt, sowohl über den auditorischen als auch den visuellen Kanal. Zwar nur ganz kurz, aber immer wieder, über einige Tage hinweg. Ähnlich wie bei dem Macquarie-Programm bietet also hier das geschrieben Wort eine schriftliche Stütze für das gehörte, das dadurch besser verarbeitet und gespeichert werden kann. Vorteil ist auch, dass man nicht immer auf das aktive Mitwirken des Kindes angewiesen ist. Aber natürlich muss das Kind motiviert und aufmerksam sein und vor allem muss man das ganze regelmässig machen. Und wirklich funktionieren wird das ganze wohl auch nur, wenn man sich trotzdem noch hinsetzt und den Kindern auch die Bedeutung der gelesenen Worte näher bringt, indem man zum Beispiel gemeinsam auch Bild-Wort-Bücher liest.

Insgesamt also eine Fülle von Ideen. Ich habe schon angefangen, am Computer eine Power-Point-Präsentation zu erstellen mit den Worten und auch Fotos. Weil ich erstmal keine Lust hatte, die Karten auszudrucken und laminieren zu lassen. Vor allem aus Kostengründen. Lola hat aber vor allem auf den Computer an sich gestarrt, sich auf die Tastatur gestürzt, und nicht unbedingt auf den Bildschrim geschuaut. Nur als das PAPA stand und ich das auch vorlas, war sie begeistert: BABABA. Und als dann noch sein Foto kam, ging's ganz aufgeregt weiter, BABABA. Sie sagt es immer öfter, immer wieder. Und auch manchmal, wenn der Papa da ist.

Kommentare:

Gabriela hat gesagt…

Liebe Amelie
da bist du ja!
Ich hoffe, du bist mir nicht böse, wenn ich dieses Post in meinem Blog verlinke. Du beschreibst das so anschaulich und aus deiner Begeisterung heraus, wie ich das nie könnte.

Danke!
Gabriela

evchen hat gesagt…

Hallo nach Leipzig, habe über Gabrielas Blog grad deinen gefunden. Was du schreibst, klingt sehr interessant. Über sowas haben wir an der Uni natürlich noch nichts gehört, aber das kann ja noch kommen. Ansonsten sprech ich es an, das klingt nämlich wirklich logisch.
Liebe Grüße, ich schau nun sicher öfter hier rein.
Eva

Ruth hat gesagt…

Hallo,
du hast einen interessanten Blog!
Ich habe mir erlaubt, diesen Post bei mir zu verlinken.
Lieben Gruß
Ruth

Julia hat gesagt…

Hallo Amelie, das klingt alles sehr interessant! Bin auf mehr Infos von dir gespannt und hoffe auch einiges für Eddy übernehmen zu können. Momentan habe ich zwar wenig Muße für Aktivitäten dieser Art, aber das wird hoffentlich besser, wenn unser Baby da ist.

LG, Julia