Samstag, 6. März 2010

mal ganz ehrlich....

Oh, da muss ich gleich mal aufklären. Nach meinen beiden Einträgen von gestern Abend habe ich gerade einen besorgten Anruf von meiner Mutter bekommen, die mich in depressiver Stimmung wähnte. Und aus einigen Kommentaren schließe ich ebenfalls, dass ihr mich unglücklich glaubt. Nein, dem ist nicht so.... Oder besser: nur genauso stark, wie an jedem anderen Tag auch. Ich schreibe normalerweise nur nichts darüber.

Und darum ging es in meinem einen Post. Wo ich mir die Frage stelle, worüber ich schreiben möchte in diesem Blog. Über unseren Alltag? Über Lola? Oder mehr über mich und meine Gedanken? Und wie ehrlich ich sein will? Bis jetzt habe ich immer versucht, vor allem die positiven Seiten zu betonen. Das Leichte, das Fröhliche, den Spass, den wir haben. Klar, auch die härteren Themen, die gesellschaftlichen Hürden, aber immer optimistisch.

Die täglichen Zweifel, inneren Kämpfe, all die Fragen, wohin mein Weg geht, unser Weg, die kommen jedoch nicht zur Sprache. Nur irgendwo zwischen den Zeilen, für die Menschen, die mich kennen und die verstehen wollen.

Je schöner und lachender ich schreibe, desto besser fühle ich mich auch. Neulich habe ich an einem Motivationsworkshop teil genommen. Da erzählte der hoch engagierte Redner, wie man sich schnell in gute Stimmung versetzen kann. Vor den Spiegel stellen - und? Lachen, einfach Lachen. Dann bekommt man bessere Laune. Man kann nicht anders. Sagte der Redner....

Schreibe ich über Schönes und leite meinen Blick auf die wunderbaren kleinen Details des Lebens, fühle auch ich mich besser. In dieser Stimmung beginne ich zu schwingen und ziehe noch mehr schöne Dinge an.

Und doch fühle ich mich sehr oft orientierungslos. Habe tausend offene Fragen in mir. Bin ständig auf der Suche. Und habe manchmal das seltsame Gefühl, meine wirklichen Fragen nur immer zuzudecken mit all meinem Optimismus.

Aber dabei geht es gar nicht um Lola. Lola ist für mich ein Teil unser Familie. Dass sie sich langsam entwickelt und vieles anders macht, kümmert mich wirklich nicht sehr. Sie wird ihren Weg gehen, dessen bin ich mir sicher.

Klar, manchmal schaue ich mit offenem Mund andere 2-jährige an, wie sie ganz oben auf dem Klettergerüst sitzen und laut schreien: 'Mama, guck mal. Ich bin oben.' Nun gut, das macht Lola nicht. Aber Lola swingt und groovt zur Musik, strahlt und spürt das in jeder Faser ihres Körpers. Ich sehe es ihr an. Sie ist in diesem Moment die Musik. Eins damit. Sie fühlt sich so, wie ich mich nur einmal gerne fühlen würde. Im Moment, ohne Fragen und Ehrgeiz. Ganz präsent, ganz in der Musik, ganz in ihrer Haut. Und dann streckt sie ihre Arme nach mir aus und strahlt und umarmt mich so fest. Und dann auch Greta. Und Greta strahlt und sagt: 'Lola, ich hab dich soooo lieb.' Und Lola strahlt. Und ich auch. Ganz ohne Worte.

Klar nerven mich gefrustete Therapeuten und bürokratische Hindernisse. Aber das berührt mich nicht wirklich. Ich habe tolle Therapeuten und bin mehr als zufrieden. Und Lola wird ihren Weg gehen. Und wenn sie das hier nicht darf, in Leipzig, in Sachsen, in Deutschland. Dann gehen wir halt in eine andere Stadt, in ein anderes Bundesland oder zur Not weg aus Deutschland. Wir finden unseren Weg.... Dessen bin ich mir sicher.

Nein, ich frage mich, ob ich in diesem Blog mehr über mich schreiben könnte. Über das, was ich wirklich empfinde. Über meine inneren Kämpfe. All die Fragen. Wie ich leben will. Was ich von mir zeigen will. Wie ich mich darstellen will. Wie ehrlich ich sein will. Ob das der Ort dafür sein könnte, oder lieber nicht.... Das frage ich mich.

Kommentare:

pupsi hat gesagt…

.. danke für die aufklärung. tut mir leid, dass ich so sehr in eine richtung ging.
dann beantworte ich jetzt anders:
doch natürlich kannst du auch mal nur von dir berichten, über deine situationen, ganz andere themen. warum auch nicht ?

Maya hat gesagt…

Liebe Amelie,
ich lese meist ganz still mit. Doch ich lese gern mit. Eben auch, weil nicht nur immer Freude, Friede Eierkuchen da steht, sondern deinen echten Gedanken und Erlebnisse im turbulenten Familienfraualltag mit Lola und Greta. In Lolas Blogg ist nicht nur ihr "anders sein" Thema, sonder auch die farbigkeit des Lebens an sich. Wäre schade, es würden da die schönen Dunkelvioletten töne fehlen! Es wäre ja äusserst komisch, du hättest euphorisch vom Vojta-Anmelde-Prozedere geschrieben! Ehrlich gesagt, erlebe ich als hörbehinderte Frau, Mutter und Arbeitstätige oft (genau genommen leider sehr oft) solche Situationen und ich denken ich mein als Hörbehinderte Jugendliche hätte anders verlaufen können, hätte ich nicht immer das Gefühl gehabt bei sämtlichen meinen selbständigen Bemühungen durch Bürokratie (welche ich aber selber noch gar nicht bewältigen konnte) behindert worden zu sein.
Somit: danke fürs Offenlegen deines Frustes.
Dein Buchprojekt, wie kommst du mit Arbeiten voran? Wenn sich mal was zum Bloggen anbietet;-)...
Ich war selten so neidisch wie als du über dein Schreiben in Spanien in der Hotellobby geschrieben hast:-).Ich freu mich schon jetzt aufs Lesen...
Liebe Grüsse und einen schönes, buntes Familienwochenende mit Bär in der Stube,
Maya

Gabriela hat gesagt…

Liebe Amelie
eigentlich hat Maya schon soviel wichtiges gesagt, dass ich das, was ich mir nun beim Kochen zu deinen Posts überlegt habe, nicht schreiben müsste.
Du sollst einfach wissen, dass auch ich dir Mut machen möchte, deinen eigenen Weg zu finden, auch hier. Lola hat dir den Schreibkick gegeben, den Rest kannst du weiterführen, wie es für dich stimmt.
Vielleicht spürst du es erst dann richtig, wenn du es versuchst. Vielleicht spürst du Zweifel und schaust den erst noch an.
Ich erlebe, dass vieles sich durchs Tun und Formen klärt.
Das "Gute" an diesem Medium ist, dass du abbrechen und löschen kannst, wenn es sich nicht gut anfühlt. Entspricht zwar nicht der Lebensrealität, hat dafür Werkstattcharakter.
Alles Liebe
Gabriela
und en liebe Gruess a dich, Maya!

Anonym hat gesagt…

Liebe Amelie
wir haben bezüglich den *nicht so positiven* Blogeinträgen ja schon mal gemailt und da habe ich dir meine Ansichten dazu geschrieben. Deswegen hier nur .. Ich bin fast jeden Tag hier und lese sehr gerne deinen Blog !!!
bezüglich Vojta hab ich manchmal ganz genau die gleichen Gedanken wie du, trotzdem wiederspricht es mir mit Elias eine Therapie zu machen bei der er, bei den ersten Versuchen schon herzerweichend weinen musste. So hab ich es gelassen und bin mir sicher er wird auch OHNE Vojta krabbeln und laufen lernen, man muss ja nicht jede Therapie mitmachen.
Ausserdem hat Lola dir ja gezeigt, es geht auch ohne :)
Viel Spaß in der Bärenhöhle :) stell es mir lustig vor popsch in die Höhe und los gehts :)
Elias sitz jetzt super stabil alleine ( wenn ich ihn hinsetze aufsetzen allein ist nicht)alles weitere interessiert ihn zur Zeit motorisch nicht:)
Weisst du Amelie ich frag mich oft warum sich unsere Kinder dieses Extrachromosom ausgesucht haben?? Einige Menschen sagen weil sie es gemütlicher haben wollen stressfreier, mehr Gefühl und *die Langsamkeit* ( mir fält gerade wieder mal nicht das richtige Wort dafür ein aber du verstehst ja was ich meine)wiederentdecken wollen, das Leben geniessen und nicht den Druck haben wollen den andere Kinder schon manchmal im Kleinkindalter haben.
Aber welches Kind ohne Trisomie21 hat 3-4 mal die Woche schon einen Termin im Kleinkindalter ???

Also es muss nicht immer alles für jeden gut sein...
Du machst es richtig wie es sich für dich richtig anfühlt wenn du mal aussen vor lässt, was du denkst, welche erwartungen an dich gestellt werden.. Lola stellt sie nicht !!
na bumm so ein Satz also Bücher kann ich keine schreiben :):) aber ich hoffe du verstehst was ich meine :)

herzliche Grüße
von einer die eigentlich ganz tief drinnen für sich weiss, das alles gut ist wie es ist,
trotzdem auch manchmal zweifelnden oder frustrierten Mama
das ist *normal* und darf auch ge und beschrieben werden wenn dir danach ist

Uschi

amelie hat gesagt…

Vielen Dank für eure lieben Kommentare,

das macht mir Mut, auch mehr zu zeigen. auch wenn ich noch nicht so recht weiss, wie und wieviel. aber ja, das wird sich zeigen, wenn ich es mache...

und das buch? ja, das kommt schleppend voran. Mir fehlt das gefühl, direkt für ein publikum zu schreiben, wie im blog. es fehlt das feedback. und ich stelle VIEL zu hohe ansprüche und scheitere stündlich daran.

wenn ich nur wüsste, wie ich die unbeschwertheit des blogschreibens beim buch beibehalten könnte?

aber wahrscheinlich gehört das alles dazu. sonst wäre es ja auch langweilig.