Montag, 25. Januar 2010

Logo - ist doch logo!

Logopädie bekommt ein Kind üblicherweise erst, wenn es seine ersten Worte spricht. Oder wenn es sie mit etwa 2.5 Jahren immer noch nicht spricht, alle anderen Kindern aber schon etwa 50-100 Worte. So die Information, die ich meist bekam. Um mit einem jüngeren Kind in logopädische Behandlung zu kommen, braucht es eine medizinische Indikation wie z.B. eine Schluckstörung. Auch bei Kindern mit Down-Syndrom. Dabei weiss man doch, dass Kinder mit Down-Syndrom die stärkste Beeinträchtigung im sprachlichen Bereich zeigen.

Warum solange mit der Sprachtherapie warten? In den ersten zwei Jahren sind die Kinder besonders sensibel für den sprachlichen Input. Da bilden sich die wichtigsten sprachlichen Kategorien. Da fangen die Kinder an zu essen und zu trinken. Genau da sollte die Therapie anfangen, je früher desto besser.

Endlich habe ich eine Therapeutin gefunden, die das genauso sieht. Seit einem Monat ist sie in Leipzig. Durch Zufall habe ich sie gefunden. Sie hat vorher in Nürnberg gearbeitet, in Zusammenarbeit mit dem Down-Syndrom Infocenter. Hat dort die Down-Syndrom Sprechstunde mitgemacht. Jetzt ist sie in Leipzig - und ist fantastisch!

Sie kombiniert eine Reihe unterschiedlicher Therapieansätze, wie Padovan, Castillo-Morales, Kon-Lab, die Gebärdenunterstützte Kommunikation (GuK), Lautgebärden. All die Therapieansätze, mit denen ich auch schon mal gearbeitet habe, aber immer das Gefühl hatte, ich verzettele mich oder das würde sich ausschließen. Endlich eine Therapeutin, die das alles integrieren kann. Ich bin begeistert!!!

Besonders interessant für uns: sie hat auch schon mit einem kleinen deutsch-spanisch aufwachsendem Jungen gearbeitet, der mittlerweile acht Jahre alt ist - und beide Sprachen sehr gut spricht!!! Das macht Mut! Es ist möglich, ganz konkret!

Sie hat sich heute Lola angeschaut - und war sehr begeistert über Lolas Gebärden. War erfreut über ihre vielen 'Worte', ihre grosse Aufmerksamkeit, ihr waches Interesse. 'Da kann man viel machen', sagte sie. Und ich dachte nur 'Ja, sag ich doch!' Auch wenn ich bisher nicht immer wusste, was genau.

Mundschluß und Mundmotorik sind bei Lola natürlich verbesserungsfähig. Zunge draussen, Kauen mit offenem Mund, keine Rotation beim Kauen. Klar, denn da hab ich bisher nix gemacht. Das ganze eher als 'ästhetische Angelegenheit' abgetan. Aber für die Lautbildung ist es eben doch entscheidend. Nächste Woche gibt's also Mundübungen nach Padovan kombiniert mit Castillo-Morales.

Und dann auch sprachrhythmische Übungen nach Kon-Lab, damit Lola Spanisch und Deutsch anhand des Sprachrythmus unterscheiden lernt. Und mit Lautgebärden könnten wir dann auch bald anfangen, so die Therapeutin.

Grosses Programm! Genau das, was ich immer gesucht habe. Ab jetzt jede Woche. Ich bin sooo gespannt....

Kommentare:

Dina hat gesagt…

Hi Amelie,

was sagt eure Losopädin konkret zur zweisprachigen Erziehung?
Meine meinte, wir sollen die Sprachen ganz streng trennen (1 Person - 1 Sprache), was ich persönlich für völlig unmöglich halte. Eine ganz strenge Trennung halte ich für gar nicht notwendig. Selbst wenn ich mit Lydi allein bin, passiert es mir, dass ich unbewusst ins Deutsche "abrutsche". Wie macht ihr es?

amelie hat gesagt…

Wir trennen sehr konsequent. Ricardo spricht Spanisch, ich spreche Deutsch mit den Kindern. Wir sprechen aber Spanisch miteinander, wenn wir z.B. gemeinsam essen. So dass die Kinder aus meinem Munde auch mal Spanisch hören, aber nie direkt zu ihnen gewandt.

Die Logopädin sagte auch, dass das Trennen der Sprachen sehr wichtig sei - und das Mischen sehr 'schlecht'.

Ich kann mir vorstellen, dass es schwierig für dich ist. Dein Deutsch ist halt perfekt. Aber vielleicht kannst du dich ja doch für eine Sprache entscheiden, auch wenn es schwer fällt?

Dina hat gesagt…

Ach..
Stefan spricht so gut wie kein Russisch, und wenn sonst noch jemand dabei ist, finde ich es ganz furchtbar, mit der Kleinen weiter Russisch zu plaudern. Man redet ja nicht nur zu dem Kind, manchmal auch zu den Menschen, die zuhören... Ist sehr schwierig. Vielleicht werde ich mich damit besser anfreunden, wenn Lydi etwas größer ist...

amelie hat gesagt…

Ich kenne Leute, die auch im Beisein von Fremden mit ihren Kindern immer die eigene Sprache benutzen, obwohl sie auch sehr gut Deutsch sprechen.

Und wenn du nur Deutsch mit Lydi sprechen würdest? Wäre das zu unnatürlich? Russisch kann sie ja dann mit der russischen Verwandtschaft lernen, wenn jemand vor Ort ist.

Eine wichtige Beobachtung zum bilingualen Spracherwerb: Die wenigsten Kinder sprechen selber die Sprache der Mutter, wenn der Vater diese Sprache nicht versteht, die Umgebungssprache eine andere ist und die Mutter sehr gut Deutsch spricht. Meist verweigern sie das Sprechen der Fremdsprache, um niemanden auszuschließen - und antworten einfach in Deutsch! Die andere Sprache sprechen sie nur, wenn sie im Land der Mutter sind und man sie sonst nicht verstehen würde.

Dina hat gesagt…

Ich weiß, ich habe mich sehr viel auch von Berufs wegen mit der kindlichen Zweisprachigkeit beschäftigt. Und hatte schon viele Kniffe parat, wie man die "Muttersprache" fördern kann. Aber da ging es um gesunde Kinder. Mir würde schon reichen, wenn Lydia Russisch verstehen würde.
Ganz auf Russisch im Umgang mit meinem Kind zu verzichten kann ich nicht, zumal ich viele russische Freunde habe, mit denen ich nur Russisch spreche (und die auch kleine Kinder haben).
Also bleibt es wohl abzuwarten und zu experimentieren.