Dienstag, 7. Oktober 2008

Babycheck ohne Risiko?

Forscher an der University of Stanford haben einen neuen Bluttest entwickelt, mit dem sich genetische Anormalitäten eines Embryo's ohne Fehlgeburtsrisiko feststellen lassen. Mehr Informationen dazu, wie auch einen sehr schönen Kommentar, findet ihr auf Andreas' Blog "immer eins mehr als du...".

Ein wahrlich schauerlicher Artikel dazu ist in der neuen DIE ZEIT im Bereich Wissen erschienen, zumindest im Gesundheitsblog der Online-Version. So schauerlich, dass ich ihn noch nicht mal in Auszügen veröffentlichen will. Selber nachlesen könnt ihr ihn hier, aber haltet euch fest! Ich habe gleich darauf einen Kommentar verfasst und abgeschickt und ich kann euch alle nur dazu aufrufen, das gleiche zu tun!

Hier mein Kommentar in Form eines Leserbriefes, keine Ahnung, ob er auch tatsächlich erscheint:

"Die Entscheidung, die verschiedenen Tests der Pränataldiagnostik durchzuführen und auch der Umgang mit dem Ergebnis liegt bisher zum Glück in den Händen der Eltern, vor allem der Mutter. Noch gibt es keinen Zwang zur Abtreibung im Falle der Diagnose Down-Syndrom - auch wenn sich Ihre Worte wie eine schauerliche Fürsprache für einen derartigen Eingriff in die Freiheitsrechte der Mutter zum Dienste des Allgemeinwohles lesen (Josef Mengele hatte mit seinen Experimenten sich auch nur das Wohl des Deutschen Reiches im Sinn).

Ein risikofreier Test zur Feststellung genetischer Defekte ist bitter nötig. Denn selbst die Tatsache, dass bei den bisherigen Diagnosemethoden zusätzlich zu jedem abgetriebenen Kind mit Down-Syndrom zumindest drei weitere gesunde Kinder verloren gehen, kann die Mehrheit der Eltern ja nicht davon abhalten.

Das Problem ist nicht die Entwicklung neuer Diagnosemethoden, sondern die vorherrschende Einstellung, dass Kinder eine Ware sind, die man nach Belieben reklamieren und wieder zurückgeben kann, wenn die Qualität nicht stimmt. Und diese Einstellung wird durch Artikel wie diesen noch verstärkt. Aber Kinder sind ein Geschenk für's Leben. Und Kinder mit Down-Syndrom ein ganz besonderes!"

Kommentare:

Gabriela hat gesagt…

Ich habe denen sofort einen Leserbrief geschrieben, allerdings nur einen ganz kurzen, weil ich echt sprachlos bin. Und was kommt zurück? "Ihr Beitrag wurde von unserem Filter als Spam erkannt." oder so ähnlich.
Vielleicht fällt unser Leben bald ganz und gar als Spam durch....

Mensch

amelie hat gesagt…

ich hatte das gleiche problem. mal schauen, ob sie es trotzdem lesen. sonst werd ich morgen mal weiter nachforschen. gute nacht, dir.

Andreas hat gesagt…

Liebe Amelie,

ich teile Deine Einstellung zu dem Thema 100% - allerdings kann ich in der ZEIT-Meldung absolut nichts Schauerliches entdecken, allenfalls einige flapsige Formulierungen.

Oder wurde der Text mittlerweile womöglich geändert (ist mit der Uhrzeit 11:55 versehen, Dein Beitrag kam ja deutlich früher)???

LG,

Andreas

amelie hat gesagt…

lieber andreas,

Schauerlich finde ich die folgenden Sätze, zumindest wenn man sie wortwörtlich versteht: "Spätgebärende sind eine Gefahr - für sich selbst, ihr Baby, die Gesellschaft". "Der Zwang, ein gesundes Kind zu bekommen, wächst mit den Möglichkeiten." "[Es wird] [...] schwieriger, mit einem dann vielleicht doch behinderten Kind in einer Welt zu leben, in der das doch nun wirklich nicht mehr sein müsste."

Sicher meint die Autorin ihre flapsigen Formulierungen als Provokation, quasi als Vorwegnahme der gesellschaftlichen Erwartungen diesbezüglich. Aber dadurch bestärkt sie eben auch diese vorherrschende Grundeinstellung. Nämlich, dass Menschen mit genetischen Besonderheiten gesellschaftlich unerwünscht sind, ja sogar eine Gefahr bedeuten! Na, Kosten verursachen sie sicherlich, vor allem für die Krankenkassen. Und weiterhin, dass es an den Müttern liegt, diese 'Gefahr', diese gesellschaftlichen Kosten, zu minimieren.

An keiner Stelle stellt die Autorin diese Einstellung in Frage. Sie könnte ja auch betonen, dass es immer noch die Entscheidung der Frauen ist, wie sie mit dem Testergebnis umgehen. Dass weitreichende Beratung nötig wäre, um die Frauen damit nicht allein zu lassen. Dass es auch Menschen gibt, die sich gegen Abtreibung entscheiden und glücklich sind mit dem Kind. Dass bei den bisherigen Diagnosemethoden auch viele viele vollkommen gesunde Kinder getötet werden. Aber sie schreibt nichts davon. Das finde ich schauerlich. Und kritisiert dann noch im Nachtrag den Versuch von Spiegel Online, ebendies zu tun.

liebe grüsse,
Amelie

Andreas hat gesagt…

Hallo Amelie,

Dein Kommentar hat mich gerade brennend daran erinnert, dass ich ganz vergessen hatte, Dir zu schreiben, dass ich Dich auf unserem Blog zitiert habe :-( (der automatische Trackback-Link hat anscheinend nicht funktioniert) - ich hoffe, das war trotzdem in Ordnung...!

Ich fand, Du hast das eigentliche Problem treffend auf den Punkt gebracht - PND hin, Spätabtreibungen her, das eigentliche Problem dahinter sind die Einstellungen und Werte der Gesellschaft.

Liebe Grüße,

Andreas