Samstag, 31. Oktober 2009

Ein paar Worte zum Seminar

Ein wunderschönes Seminar 'In den ersten Jahren' in Marburg liegt hinter mir. Viele neue nette Familien, gute Gespräche, tolle Kinder, alle zwischen 4 Monaten und 3 Jahren. Viel könnte ich schreiben, aber für heute abend belasse ich es nur bei wenigen Worten, die für mich die Essenz der Vorträge von Frau Prof. Etta Wilken zusammenfassen.

Das einzig wirklich Wichtige für unser Kind ist - eine liebevolle familiäre Umgebung!!! Alles andere ist nachrangig. Liebevolle Aufmerksamkeit, natürliche Anregungen und Konsequenz im Alltag wie bei jedem anderen Kind auch, das bringt die Entwicklung voran. Kinder, denen es daran mangelt, die entwickeln sich tatsächlich sehr viel schlechter und vertrocknen wie eine Pflanze, der man kein Wasser gibt.

Therapien und Frühförderprogramme sind solange sinnvoll, wie wir als Eltern uns damit wohlfühlen und es in den Alltag integrieren können und wollen. Wenn es für uns nur Druck und Stress bedeutet, ist es besser, damit aufzuhören. Denn am Ende des Tages scheinen die vielen Therapien gar keinen so grossen Einfluss zu haben. Obwohl die Kinder sich durch intensive therapeutische Interventionen oft etwas schneller entwickeln, gleicht sich dies über die Jahre hinweg wieder aus. Und auch wenn manche Kinder sich mit bestimmten Therapien sehr viel besser zu entwickeln scheinen, so wissen wir doch nie, was das Kind nicht selber dazu beigetragen hat. Und jedes Kind ist eben anders!

Und: laufen lernen eigentlich alle Kinder mit Down-Syndrom! Zwischen 1.5 und 6 Jahren. Wobei Frau Wilken von einer Mutter erzählte, deren Tochter erst mit 7 Jahren laufen gelernt hat. 'Und die läuft heute gut und sicher!' Sinn der Therapie ist nicht, die Entwicklung zu beschleunigen. Sondern die Qualität der Bewegung zu verbessern!!!!

Wir wurden also weniger mit Fördertechniken zugeschüttet, sondern vielmehr darin bestärkt, unseren eigenen Weg zu gehen. Unsere Kinder so zu nehmen wie sie sind, ihnen zu vertrauen und auf ihre Interessen einzugehen, so wie es jede Mutter und jeder Vater mit seinem Kind macht. Was mir unglaublich gut tut und mich in meinem Weg bestärkt, den ich in den letzten Monaten wieder eingeschlagen habe. Lola ihre Zeit zu geben, ihrem Entwicklungsdrang zu vertrauen und unsere gemeinsame Zeit einfach so schön wie möglich zu gestalten!!!

Natürlich heisst das auch, unsere Kinder zu fördern und zu fordern, wo sie Hilfe brauchen. Beim kauen, schlucken, Essen von fester Nahrung, beim sprachlichen Ausdruck durch Gebärden, bei der sprachlichen Weiterentwicklung durch einfache kontextgebundene Sprache, beim Laute lernen durch Reime und Lieder, und so vieles mehr. Aber alles mit Freude und in kleinen Dosen. Und niemals mit dem verzweifelten Wunsch, unser Kind dadurch möglichst der Norm anzunähern. Sondern es zu einem selbstbewußten kleinen Menschen zu erziehen, der weiss, was er will und seinen Weg geht, glücklich, zufrieden und so eigenständig wie möglich!!!!

Kommentare:

Christina hat gesagt…

Liebe Amelie!

Danke dir dafür, dass du deine Gedanken, Erfahrungen teilst!
So oft, wenn ich bei dir lese, staune ich, wie sich unsere Erfahrungen, Gedanken, Sorgen und Freuden treffen.
Virtuelle Begegnungen.

Schreibe dir bei Gelegenheit mehr in einer Mail, wenn du magst.

Einen guten Sonntag euch!

Christina

amelie hat gesagt…

hallo christina,

oh ja, schreib mir mehr in einer mail. ich hab gerade meine mail im profil zugänglich gemacht, was ich bis jetzt nicht hatte. ich freue mich...

lg,
amelie

Bettina hat gesagt…

Mensch Amelie,
das waren die richtigen Worte zur richtigen Zeit. Ich bin gerade ein bißchen in einer Frustphase von wegen Benjamin sollte jetzt mal krabbeln, weil ein anderer Junge mit 11 Monaten schon krabbelt, er sollte jetzt mal anfangen zu babbeln, weil ein anderes Kind mit 11 Monaten das schon macht und so weiter und so fort. Und wahrscheinlich hast du recht: gar nicht ihn in die schnellere Geschwindigkeit reinpressen (was er sowieso verweigert), sondern ihn sein Tempo, auch wenn es langsamer ist, gehen lassen. Wobei das trotz allem ganz schön an meiner Geduld zehrt, insbesondere wenn man ins Vergleichen (auch unter DS-Kindern) kommt und feststellt, was andere, jüngere Kinder schon können.

Liebe Grüße

BEttina

Anonym hat gesagt…

Hallo Amelie,
schöner Blog und toll zusammengefaßt... halt sprachbegabt.

Hab heute schon die Tipps versucht umzusetzen, die ich mitgenommen habe und ich glaub es hat sogar schon ein wenig gefruchtet (hoch lebe die Einbildung).
Liebe Grüße Grit
(die sich sehr freut, Dich getroffen zu haben)