Freitag, 2. Oktober 2009

Pikler hat gewonnen....

Ich hatte am heutigen Freitag zwei Termine bekommen. Einen Termin bei einer sehr gute Vojta-Therapeutin in Leipzig und einen Termin für ein Treffen mit Monika Aly von der Pikler-Gesellschaft in Berlin. Zufall, denn beide Frauen hatten mir auf meine Bitte um einen Termin auf dem AB eine Nachricht hinterlassen, mit einem Terminvorschlag am 2.Oktober. Sollte ich nun einen Termin verschieben? Oder war das ein 'Zeichen'? Dass sich das nicht vereinbaren lässt, dass ich mich entscheiden muss. Ich habe mich entschieden und bin heute zusammen mit Lola nach Berlin gefahren, zu Monika Aly von der Pikler-Gesellschaft. Den Vojta-Termin habe ich abgesagt.

Es war ein Einzeltermin mit Frau Aly. Und sie hat nichts anderes gemacht, als mit mir zu reden und Lola zu beobachten. Und mir die Augen zu öffnen, was sie schon alles kann, die vielen kleinen Dinge. Denn ihrer Ansicht nach braucht man bei einem Kind mit Down-Syndrom gar nicht gross in die Entwiclung einzugreifen, das Kind anzuregen, mit ihm zu spielen oder ihm irgendetwas vorzumachen, was es noch nicht kann. Viel wichtiger ist es, Lola Spielmaterialien zur Verfügung zu stellen, die ihrem Entwicklungsstand entsprechen, mit denen sie selber Erfahrungen machen kann und Konzepte begreifen kann. In ihrem Fall wären das einfach ganz verschiedene Behälter wie Körbe, Schachteln, Dosen, Taschen mit verschiedenen Gegenständen, die man da rein stecken und wieder rausholen kann. Bälle, Löffel, Kastanien, Stäbe, Tücher, Puppen. Damit sie selber im Spiel das Gefühl von Raum und Masse und Platz 'begreifen' lernt, beim Spielen. Wichtig ist, ihr unterschiedliche Materialien anzubieten und auch immer in einer gewissen Ordnung, die sie zum Spielen animiert.

Und damit sie auch zu grösseren Bewegungen animiert wird, sind verschiedene Ebenen, Kästen, Klötze, schiefe Ebenen zum raufklettern wichtig. Denn vor dem Laufen darf sie gerne ganz viel klettern, das stärkt ihren Gleichgewichtssinn und ihre gesamte Rumpfmuskulatur, die sie auch für's Laufen braucht. Therapeuten, die nach der Pikler-Methode arbeiten, greifen nicht fördernd in die Bewegungsentwicklung ein, durch gezielte Übungen oder das Anbahnen von Bewegungen. Sie versuchen, die Umgebung des Kindes so zu verändern, dass das Kind von sich aus, aus eigener Initiative, neue Bewegungen ausprobiert, immer wieder, bis es sie beherrscht. Der Reiz durch die 'vorbereitete' Umgebung muss so stark sein, dass das Kind von sich aus die Initiative zu neuen Bewegungen ergreift. Dann ist es auch bereit, diese zu lernen.... Und Lola braucht noch Kraft in den Beinen. Sie ist noch nicht so weit. Aber durchs Klettern wird sie sie bekommen. Und wenn sie dann die Kraft hat, wird sie neue Bewegungen ausprobieren. Das kann noch dauern, aber in der Zwischenzeit wird sie andere Dinge lernen, ihre Feinmotorik verbessern, intensiver mit kleinen Dingen spielen. In ihrem Rhythmus.

Es war so wichtig für mich, wieder einmal in meinem Buachgefühl bestärkt zu werden. Dass ich Lola die Zeit ruhig lassen darf, ihr, die sich mit dem Krabbeln und Laufen solche Zeit lässt. Ja, die Alternative war Vojta. Ihr jetzt einfach mal 'Dampf zu machen', fleissig zu trainieren und dann kann sie bald laufen. Aber allein die Vorstellung der vielen Übungen, täglich drei-bis viermal, haben mich schon sehr verschreckt. Ich krieg ja noch nichtmal ihre zehn täglichen Sit-ups hin, weil sie sich immer so beschwert. Ich bin zwar echt erstaunt über die Erfolge von Vojta, die ich bei den Kindern sehe, wie gut und geschmeidig sie sich bewegegen, wie früh fast alle, die regelmäßig 'turnen' schon krabbeln und laufen. Aber ich glaube, es ist nicht mein Weg. Ich könnte das nicht durchhalten. Und irgendwie hatte ich auch immer von Anfang an das Gefühl, dass es aus Lola rauskommen muss, der Wille und die Lust zur Bewegung. Dass ich ihr eben Lust machen muss auf die Bewegung, dann wird sie ganz von alleine 'turnen'. So bin ich jetzt wieder ruhiger und geduldiger, freue mich über all das, was Lola schon kann und werde mal einen schönen Krabbelpark bei uns in der Wohnung zaubern, auf dass Lola fleissig trainiert. Mit Schaumstoffquadern und Stufen und schiefen Ebenen. Das wird lustig....

Kommentare:

Maria hat gesagt…

Ich gratuliere dem Sieger ganz herzlich! ;-). Fein, dass es sich so schön fügt!

Liebe Grüße
Maria

Bettina hat gesagt…

Huhu Amelie,
da scheinen wir ja beide solche Bewegungsmuffel zu haben. Ich frag mich nach einem Jahr, ob ich irgendetwas zu wenig mache oder auch zu viel. Und wann Benjamin irgendwelche Anzeichen macht, sich fortbewegen zu wollen. Ich weiß, man soll ja nicht vergleichen, aber wenn ich von anderen Kindern mit DS höre, die mit 12 Monaten locker vom Hocker durch die Gegend krabbeln, da frag ich mich dann schon, ob Benjamin jetzt doch irgendwie mehr beeinträchtigt ist oder nicht. Das bringt mich immer ziemlich durcheinander. Von dem her bewundere ich deine Gelassenheit, Lola die Zeit zu geben. Und wahrscheinlich hast du recht. Zumindest lebst du damit lockerer :-).
Liebe Grüße

Bettina

Anonym hat gesagt…

Hola Amelie!

Noch ein Interview mit Pablo Pineda, diesmal in El País:

http://www.elpais.com/articulo/reportajes/etiqueta/down/pesada/elpepusocdmg/20091004elpdmgrep_5/Tes

Un beso,
Elena

amelie hat gesagt…

Liebe Bettina,

ich glaube, dass man als eltern gar nicht so viel falsch machen kann. die kinder haben von sich aus vorlieben, die wir als eltern einfach annehmen und unterstützen sollten. vielleicht gehört benjamin auch eher zu den kindern, die gerne kommunizieren, beobachten, mit den händen manipulieren. nutz es doch einfach aus, dass er an einem ort bleibt und sich auf eine sache konzentriert. biete ihm viel spielzeug und material an, an dem er die welt erforschen kann. und vielleicht immer auch mal ein stück weiter weg, so dass er nicht dran kommt. dann wird er sich schon bewegen. es gibt eben unter den kindern mit DS eine grosse spannbreite in der bewegungsentwicklung, was aber nichts mit der kognitiven Entwicklung zu tun haben muss.

Vielleicht sollten wir uns einfach darüber freuen, was unsere Kinder schon alles KÖNNEN, was so viel ist. Und nicht immer nur das sehen, was sie noch nicht können.

Ganz liebe Grüsse,
Amelie